Hochschulpaktmillionen verantwortungsvoll und zukunftsträchtig einsetzen!

Angesichts der an der Martin-Luther-Universität sich abzeichnenden Struktureinschnitte und den erhöhten Kosten für Studierende, hat die GEW Sachsen-Anhalt heute folgende Erklärung abgegeben:

06.02.2014 Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

"Die GEW sieht in den aktuellen Entwicklungen beim Studentenwerk Halle und an der Martin-Luther-Universität Tendenzen, die der Wissenschaftslandschaft Sachsen-Anhalts bewusst Schaden zufügen und zu millionenschweren Verlusten führen. Das lässt sich wie folgt belegen:

  1. Den Hochschulen wurde im Jahr 2013 mit politischen Drohgebärden ein Kürzungsszenario aufgedrückt, das zur Bernburger "Gemeinsamen Erklärung der Landesrektorenkonferenz und des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt" vom 29. November 2013 führte. In ihr ist eine – wenn auch moderate – Reduzierung der Grundfinanzierung der Hochschulen des Landes festgeschrieben worden. Außerdem verpflichteten sich die Hochschulen zu Strukturveränderungen. Der Wissenschafts- und Wirtschaftsminister will bis Sommer einen Hochschulstrukturplan vorlegen. Es ist kein Geheimnis, dass dabei die angestrebten Kürzungen die Leitlinie bilden.
  2. Gleichzeitig steht das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Hochschulpaktes 2020 in der Pflicht, die Hochschulen des Landes anzuhalten attraktiv zu sein, die Zahl der Studienplätze auf hohem Niveau zu sichern bzw. sogar auszubauen. Diese Verpflichtung gilt auch zukünftig, wenn das Land an den üppigen Finanzzuwendungen seitens des Bundes weiterhin partizipieren will. Allein im Jahre 2013 wurden dem Land 49,922 Millionen Euro zugewiesen, für 2014 sind 54,232 Millionen Euro zu erwarten.

Die aktuellen hochschulinternen Aktivitäten an der MLU, z.B. zur Schließung medienwissenschaftlicher Studiengänge, und die landesweiten wissenschaftspolitischen Kürzungsdiskussionen, sind kontraproduktiv und richten Schaden an. Wer den Hochschulpakt erfüllen will, darf nicht über Schließung von Studiengängen und Studienplatzabbau schwadronieren, sondern muss gezielt über bedarfsgerechte erweiterte Studienangebote nachdenken und die Hochschulpaktmittel dafür einsetzen.

Aus Sicht der GEW sind insbesondere die lehrerbildendenden Studiengänge an beiden Universitäten bedarfsgerecht, von der Fachausbildung über die Didaktiken bis hin zu anspruchsvollen Praktika auszubauen. Ein weiteres wichtiges Feld für deutlich stärkere Anstrengungen sind die natur- und technikwissenschaftlichen Fächer an den Universitäten und Fachhochschulen. Selbstverständlich gehören zu solchen innovativen Studiengängen auch die Medienwissenschaften.

Die Werbung für diese Studiengänge darf dabei nicht allein den Hochschulen zugeschrieben werden. Hier sind das ganze Bildungssystem, darunter verstärkt die Gymnasien und Berufsbildenden Schulen, sowie die Wirtschaft und die Politik in der Verantwortung. Dafür sind gezielt und ausreichend Mittel einzusetzen, um eine qualifizierte Studienorientierung zu forcieren.

Gleiches gilt für ansprechende Rahmenbedingungen wie Mensen und Wohnheime, die durch die Studentenwerke gewährleistet werden müssen. Entscheidend ist die Sicherung der personellen und qualitativen Ausstattung der Studiengänge, um sie attraktiv zu gestalten.

Die GEW fordert daher die Hochschulen und den zuständigen Minister Möllring auf, die erheblich angewachsenen Hochschulpaktmillionen gezielt in diesem Sinne einzusetzen und tatsächlich ungekürzt auszugeben."

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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