Studienförderung

Kontroverse um Deutschlandstipendium

"Das Deutschlandstipendium ist aus der deutschen Stipendienlandschaft nicht mehr wegzudenken." Das sagte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Stefan Müller (CSU), vor dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung am Mittwochvormittag.

01.06.2016 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Bundestag
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(hib/ROL) Er unterstrich, dass nach dem Ergebnis der Evaluation des Deutschlandstipendiums staatliche Ausgleichsmaßnahmen nicht nötig seien. Alle Hochschulen, die sich am Stipendium beteiligen, könnten unabhängig von ihrem Standort Mittel in der Wirtschaft oder bei Stiftern einwerben. Lediglich die Erfahrung der Hochschule in der Akquise schlage sich auf den Erfolg der Mitteleinwerbung nieder. 

Das Deutschlandstipendium fördert begabte und leistungsstarke Studenten an den staatlichen Universitäten in Deutschland. Neben guten Noten sollen bei der Vergabe des Stipendiums auch gesellschaftliches Engagement und besondere persönliche Leistungen und ehrenamtliches Engagement berücksichtigt werden. Im Jahr 2014 sind bundesweit 22.500 Studenten mit einem Deutschlandstipendium gefördert worden. Die Stipendiaten werden mit je 300 Euro im Monat unterstützt. 150 Euro zahlen private Förderer, 150 Euro steuert der Bund bei. Der private Anteil der Stipendienmittel wird von den Hochschulen eingeworben. Müller betonte, dass das Deutschlandstipendium sozial ausgewogen vergeben werde und leistungsstarke Studenten unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gefördert werden. 

Ein Vertreter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bezeichnete das Deutschlandstipendium hingegen als "Ladenhüter". Die Grünen fordern in einem Antrag (18/4692) die Abschaffung des Deutschlandstipendiums, da es noch nicht einmal ein Prozent der Studenten erreiche und allein der Verwaltungsaufwand 20 Prozent der Mittel verschlinge. Die Abgeordneten treten dafür ein, das Deutschlandstipendium allein in die Hände der Stifter zu geben, damit diese das Angebot in Eigenregie weiterführen. Insbesondere Wirtschaftsverbände hätten mehrfach die Bereitschaft signalisiert, Stipendienprogramme ohne staatliche Hilfe aufzulegen. Die staatlichen Mittel für das Deutschlandstipendium sollten stattdessen besser für das BAföG und eine bessere Stipendienförderung für Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisenregionen genutzt werden.

Eine Vertreterin der CDU/CSU-Fraktion verteidigte das Deutschlandstipendium. 90 Prozent der staatlichen Hochschulen würden beim Deutschlandstipendium teilnehmen. Das Stipendium schaffe für die Studenten Freiräume und eröffne Möglichkeiten. Anders als beim BAföG müssten die Mittel nicht zurückgezahlt werden. 

Die Linksfraktion sprach sich genauso wie die Grünen für die Abschaffung des Stipendiums aus. Für die Studenten gebe es keine ausreichende Planungs-und Rechtssicherheit, da nach einem Jahr überprüft werde, ob der Stipendiat das Geld weiter erhalte, sagte eine Vertreterin der Fraktion. Zudem kritisierte sie, dass mehr als 50 Prozent der Stipendien an angehende Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker vergeben werde und die Geisteswissenschaften unterdurchschnittlich berücksichtigt würden.

Die Vertreterin der SPD-Fraktion sprach sich gegen eine Weiterführung des Deutschlandstipendiums in der derzeitigen Form aus. "Es gibt keinen Anlass zum Jubel, wenn man die Evaluation genau anschaut." Sie kritisierte, dass lediglich knapp 90 Prozent der staatlichen Universitäten überhaupt beim Stipendium mitmachen würden und der Verwaltungsaufwand sehr hoch sei.

Ansprechpartner

Deutscher Bundestag

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Ein Kommentar vorhanden

  • 03.06.2016 06:18 Uhr
    Wenn man kritisiert, dass "lediglich" 90% der staatlichen Hochschulen sich an einem freiwilligen Programm beteiligen, dann ist das irgendwie lächerlich. Es gibt
    Die Diskussion um den BAföG ist ebenfalls zu belächeln, wenn man alle Mittel aus dem Deutschlandstipendium da reinstecken würde, gäbe es eine Erhöhung um 1-2 Euro pro Person...great achievment!...und ganz ohne bürokratischen Aufwand läuft das sicherlich auch nicht ab. Die beiden Programme gegeneinander auszuspielen ist eh sinnbefreit, da sich das Deutschlandstipendium und BAföG hervorragend ergänzen.
    Über die Inhalte und der Umsetzung an den Hochschulen scheint sich von SPD und Grünen auch niemand informiert zu haben. Viele Hochschulen legen einen starken Fokus auf besondere Lebenswege und Engagement welches über die reine akademische Leistung hinaus geht:

    https://www.youtube.com/watch?v=R1-IzS_LvOc

    Das sowohl Grüne als auch SPD diesen Ansatz nicht unterstützen wunder mich sehr.
    Ein schönes Beispiel von reinem Populismus, der sich nicht mit Inhalten auseinandersetzt. Schade, dass es da keinen konstruktiven Austausch gibt.

    By the way, das Deutschlandstipendium ist eines der wenigen Förderprogramme welches ohne Einschränkungen und absolut unkompliziert Flüchtlinge, die gerade in ein Studium einsteigen, fördern kann - und dies auch tut. Voraussetzung ist alleine die Immatrikulation an einer Hochschule. Es gibt keine Ausschlusskriterien wie religiöse Zugehörigkeit, Herkunft, Alter, Nationalität, politische Einstellung, etc.

    Kein Wunder, dass der SPD gerade 90% der Mitglieder davon laufen....
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