Land beschließt Strukturreformen im Bereich der Fachhochschulen

Mit einem Bündel von Maßnahmen entwickelt Rheinland-Pfalz seine Fachhochschulen qualitativ weiter. Entsprechende Entscheidungen hat Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, nun nach einem ergebnisoffenen Diskussionsprozess mit allen Beteiligten getroffen. "Mit unseren Reformschritten, auf die wir uns in großem Einvernehmen verständigt haben, schärfen wir das Profil der Fachhochschulen und stärken ganz entscheidend ihre Konkurrenzfähigkeit", sagte Zöllner bei einer Pressekonferenz in Mainz.

21.07.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Ausgangspunkt des Reformprozesses war das Gutachten einer von Zöllner im Februar 2003 eingesetzten fünfköpfigen externen Arbeitsgruppe. Sie hatte den Auftrag, Wege für ein effizientes und innovatives Studienangebot an den rheinland-pfälzischen Fachhochschulen aufzuzeigen. Der von der Arbeitsgruppe im März 2004 vorgelegte 150-seitige Bericht war dann Grundlage für zahlreiche Gespräche, die das Ministerium mit den Fachhochschulen, Vertretungen der Wirtschaft und den politisch Verantwortlichen vor Ort führte. Die Betroffenen machten regen Gebrauch von der Möglichkeit, die Vorschläge der Gutachter zu kommentieren und Alternativen aufzuzeigen.

"Ich bedanke mich ausdrücklich für den offenen, intensiven und an der Sache orientierten Meinungsbildungsprozess. Das war ein guter Beitrag zur politischen Kultur in unserem Land", sagte Zöllner. Dank sagte er auch den Gutachtern. Mit ihrer engagierten und qualifizierten Arbeit hätten sie den Weg dafür geebnet, die Fachhochschulen auf die künftigen Herausforderungen vorzubereiten.

Der gemeinsame Entscheidungsprozess erbrachte folgende zentrale Ergebnisse:

1. Einführung der neuen Studienabschlüsse Bachelor/Master

In Rheinland-Pfalz werden die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge zügig eingeführt. Die Fachhochschule Ludwigshafen hat bereits ihr gesamtes Studienangebot auf Bachelor und Master umgestellt. Die anderen Fachhochschulen wollen die Umstellung im Zeitraum vom Wintersemester 2005/2006 bis zum Wintersemester 2006/2007 vollständig vollzogen haben. Die rheinland-pfälzischen Fachhochschulen werden damit den im Bologna-Prozess vereinbarten Termin 2010 unterschreiten. "Ich freue mich, dass sich die Hochschulen selbst dieses ehrgeizige Ziel gesetzt haben", so Zöllner.

Die neue Struktur der Studiengänge ist mit einer inhaltlichen Reform verbunden, die für die Weiterentwicklung der Studieninhalte genutzt werden soll. Bestehende Diplomstudiengänge sollen deshalb nicht eins zu eins in ein Bachelor- und Masterangebot umgewandelt werden. Hier hat die Diskussion über die Gutachterempfehlungen wichtige Reformüberlegungen an den Fachhochschulen in Gang gesetzt. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Landwirtschaft in Bingen. Die bisherigen Diplomstudiengänge Landwirtschaft und Internationaler Agrarhandel werden durch einen neuen Bachelorstudiengang Agrarwirtschaft mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, Intensivkulturen und Agrarmanagement ersetzt werden. Damit kann in Rheinland-Pfalz ein zukunftsfähiges landwirtschaftlich ausgerichtetes Ausbildungsangebot bereitgestellt werden.

Auch bei den Masterstudiengängen sind die Hochschulen gefordert, zukünftige Angebote in Zusammenarbeit zu realisieren. Dabei soll die hochschulübergreifende Kooperation Vorteile bringen, weil die Stärken der einzelnen Fachhochschulen breit genutzt werden können. Realisiert werden soll beispielsweise eine Zusammenarbeit auf Masterebene im Bereich Architektur.

2. Verbesserung der Organisationsstruktur

Als ein weiteres wichtiges Ergebnis der Gutachterempfehlungen kann die Bildung von größeren Organisationseinheiten an den Fachhochschulen genannt werden. Die Fachhochschule Trier wird die Anzahl ihrer Fachbereiche am Standort Trier von zehn auf fünf reduzieren. Auch die Fachhochschulen Kaiserslautern und Koblenz haben bereits Senatsbeschlüsse zur Bildung gemeinsamer Fachbereiche in den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen beziehungsweise Maschinenbau und Elektrotechnik gefasst.

Dies ermöglicht zukünftig verstärkt Fach übergreifende Berufungen, eine studiengangsübergreifende Modularisierung und die gegenseitige Nutzung von Lehrangeboten.

3. Neustrukturierung des Studienangebotes

Hervorzuheben ist, dass mit den Fachhochschulen zwischenzeitlich auch einvernehmlich Vereinbarungen über die Verminderung von Ausbildungskapazitäten in einzelnen Studiengängen getroffen wurden. Auch dies geht auf die Empfehlungen der Gutachter zurück und betrifft insbesondere den Bereich Architektur.

Hintergrund ist der zu hohe Anteil der Architekturstudierenden in Rheinland-Pfalz und die derzeitige und zukünftig zu erwartende ungünstige Arbeitsmarktsituation. "Auf der Basis dieser sicheren Prognose, die von allen Fachvertretern bestätigt wird, halte ich es für ausgesprochen wichtig, die Verantwortung gegenüber der jungen Generation wahrzunehmen und nicht am Arbeitsmarkt vorbei auszubilden", betonte Zöllner. Dies gilt auch für die Innenarchitektur. In beiden Bereichen werden bis 2010 insgesamt 15,5 Stellen nach Ruhestandsversetzungen nicht mehr wiederbesetzt. Auch in einigen anderen Studiengängen werden auf Grund von Unterauslastungen und den erwarteten Synergieeffekten, die durch die dargestellte neue Fachbereichsstruktur erzielt werden können, einzelne Professuren nicht neu besetzt werden.

Bis zum Jahre 2010 werden so insgesamt 33,5 Stellen aus dem Fachhochschulbereich in einen speziellen Innovationsfond fließen, der nur den Fachhochschulen zusteht. Die frei werdenden Ressourcen sollen genutzt werden, um andere Bereiche in den Fachhochschulen weiterzuentwickeln und zu stärken.

Die frei werdenden Stellen sollen überwiegend nach folgenden Kriterien neu zugewiesen werden:

  1. Realisierung hochschulübergreifender Bachelor/Master

  2. Realisierung studiengangsübergreifender Bachelor/Master

  3. Aufbau neuer Studiengänge, die das Fächerspektrum erweitern

  4. Bachelorstudiengänge, die der Profilierung der Hochschule dienen und ein besonderes Betreuungskonzept aufweisen und es ermöglichen, in der Lehre "Highlights" zu setzen

  5. Stellen zur Fortführung/Übernahme in das Regelangebot bestehender innovativer Studiengänge/Modellprojekte

4. Strukturpolitische Stärkung kleiner Hochschulstandorte

Hinsichtlich des Standortes Idar-Oberstein der Fachhochschule Trier hatte die Arbeitsgruppe empfohlen, den Studiengang Edelstein- und Schmuckdesign vom Standort Idar-Oberstein an den Standort Trier zu verlagern. Der Grund dafür ist die geringe studentische Nachfrage für den vorhandenen Studiengang.

Vor diesem Hintergrund hat das Ministerium der Fachhochschule Trier vorgeschlagen, am Standort Idar-Oberstein einen Masterstudiengang im Bereich Edelstein- und Schmuckdesign anzubieten. Dieses spezialisierte Masterangebot soll der regionalen Ausrichtung Rechnung tragen, aber auch überregional Studierende für Idar-Oberstein gewinnen. Dagegen soll die grundlegende Ausbildung im Bereich Design am Standort Trier in einem breit angelegten Bachelorstudiengang erfolgen, um Synergien durch die Zusammenarbeit mit den dort vorhandenen Design-Studiengängen zu nutzen. Dies schließt einen Schwerpunkt im Bereich Edelstein- und Schmuckdesign ein, der weiterhin durch Nutzung der vorhandenen Einrichtungen in Idar-Oberstein gelehrt werden soll.

Abgerundet werden soll das Angebot in Idar-Oberstein durch den Aufbau eines Kompetenzzentrums, das für die Weiterbildung, die Forschung und den Transfer Angebote des gesamten Fächerspektrums der Fachhochschule Trier bereitstellen soll. Das Konzept ist auf breite Zustimmung von Seiten der Lehrenden, der regionalen Wirtschaft und der politisch Verantwortlichen gestoßen. Es wird im Rahmen einer Zielvereinbarung konkretisiert, die zwischen dem Ministerium und der Fachhochschule Trier abgeschlossen werden soll.

Vergleichbares wurde für den Fachhochschulstandort Höhr-Grenzhausen der Fachhochschule Koblenz vorgeschlagen. Auch hier sollte auf Grund der langjährigen Unterauslastung des bestehenden Diplomstudiengangs Werkstofftechnik, Glas und Keramik mit der Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge eine Reform des Studienangebotes erfolgen.

Vor wenigen Wochen, am 01. Juni, hat der Senat der Fachhochschule Koblenz über die Weiterentwicklung des Studienangebots am Standort Höhr-Grenzhausen entschieden. Der Beschluss sieht vor, in Höhr-Grenzhausen einen Standort übergreifenden Bachelorstudiengang Werkstofftechnik, Glas und Keramik einzurichten, wobei die Ausbildung in geeigneten Lehrgebieten (Mathematik, Physik, EDV, Elektrotechnik, Technische Mathematik, BWL, Fremdsprachen) in Koblenz erfolgen soll. Ein Masterstudiengang Werkstofftechnik, Glas und Keramik soll erst bei ausreichender Nachfrage und vorhandener Lehrkapazität angeboten werden.

Damit hat sich die Fachhochschule Koblenz dafür ausgesprochen, an der bisherigen Spezialisierung in der grundlegenden Ausbildung festzuhalten. Vor dem Hintergrund der Unterstützung dieses Vorschlags durch die regionale Wirtschaft soll eine entsprechende Umsetzung erfolgen.

Die wichtigsten Entscheidungen für die Fachhochschulen im Überblick

Bingen

  • Die FH Bingen beabsichtigt, ihre Studiengänge bis zum Wintersemester 2006/2007 auf die Abschlüsse Bachelor/Master umzustellen.

 

  • Die bisherigen Diplomstudiengänge "Landwirtschaft" und "Internationaler Agrarhandel" werden durch einen neuen Bachelorstudiengang "Agrarwirtschaft" mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, Intensivkulturen und Agrarmanagement ersetzt.

 

  • Studiengang "Verfahrenstechnik": Bei der Umstellung auf die neue Studienstruktur soll eine Schließung des bisherigen Diplomstudiengangs erfolgen und ein neuer Bachelorstudiengang im Bereich Energie- und Prozesstechnik angeboten werden. Reduktion von zwei Stellen in diesem Studiengang.

 

  • Aufbau eines fachbereichsweiten Masterstudiengangs im Bereich Mechatronik, der auf die Bachelorstudiengänge "Elektrotechnik", "Informatik" und "Maschinenbau" aufbauen soll.

 

  • Der bisher eigenständige Studiengang "Ingenieurinformatik" soll in die Bachelorstudiengänge "Informatik und Elektrotechnik" integriert werden.

 

  • Beabsichtigt ist ein hochschulübergreifender Master in Informatik.

Kaiserslautern

  • Die FH Kaiserslautern beabsichtigt, ihre Diplomstudiengänge weitgehend bis zum Wintersemester 2005/2006 auf die Abschlüsse Bachelor/Master umzustellen.

 

  • Der Senat der FH hat am 19.01.2005 die Zusammenlegung der Fachbereiche Architektur/Innenarchitektur und Bauingenieurwesen sowie Elektrotechnik/Informationstechnik und Maschinenbau beschlossen.

 

  • Die FH leistet einen Beitrag von 1,5 Stellen zur Reduzierung der Überkapazitäten im Bereich der Architektur/Innenarchitektur.

 

  • Beabsichtigt ist ein hochschulübergreifender Masterstudiengang "Architektur" mit der TU Kaiserslautern.

 

  • Reduktion von je einer Stelle in den Studiengängen "Maschinenbau" und "Elektrotechnik/Informationstechnik".

Koblenz

  • Die FH Koblenz beabsichtigt, ihre Studiengänge bis zum Wintersemester 2006/2007 auf die Abschlüsse Bachelor/Master umzustellen.

 

  • Der Senat der FH hat am 06.04.2005 die Zusammenlegung der Fachbereiche Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Maschinenbau beschlossen.

 

  • In der Architektur um drei Stellen und im Bauingenieurwesen Reduzierung um zwei Stellen.

 

  • Eventuell hochschulübergreifender Masterstudiengang "Architektur" mit der FH Trier.

 

  • Einrichtung eines Standort übergreifenden Bachelorstudiengangs "Werkstofftechnik, Glas und Keramik" in Höhr-Grenzhausen, wobei die Ausbildung in geeigneten Lehrgebieten in Koblenz erfolgen soll. (Reduktion von zwei Stellen).

Ludwigshafen

  • Die FH Ludwigshafen hat als erste Hochschule in Rheinland-Pfalz bereits alle Studiengänge auf Bachelor/Master umgestellt.

 

  • Mittel- bis langfristige Erweiterung und Umgestaltung des Fächerspektrums.

Mainz

  • Die FH Mainz möchte sämtliche Diplomstudiengänge bis zum Wintersemester 2005/2006 in Bachelor- und Masterangebote umwandeln.

 

  • Reduktion von 4,5 Stellen im Bereich der Architektur.

 

  • Reduktion von zwei Stellen im Bereich der Innenarchitektur.

Trier

  • Umstellung aller Studiengänge auf Bachelor/Master bis zum Sommersemester 2006.

 

  • Abbau von 14,5 Stellen bis zum Jahr 2007 in den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau/Fahrzeugtechnik, Versorgungstechnik/Lebensmitteltechnik und Innenarchitektur.

 

  • Eventuell hochschulübergreifender Masterstudiengang "Architektur" mit der FH Koblenz.

 

  • Reduktion der Fachbereiche von zehn auf fünf.

 

  • Aufbau eines Masterstudiengangs "Edelstein- und Schmuckdesign" und eines Kompetenzzentrums am Standort Idar-Oberstein.

Worms

  • Umstellung auf Bachelor/Master bis zum Wintersemester 2006/2007 beabsichtigt.

 

  • Erweiterung des Fächerspektrums.

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