Medizinstudium: For­der­ung nach zusätz­lichen Plätzen wird laut

Deutschland gehen die Mediziner aus. Auch das Bundesgesundheitsministerium erkennt den drohenden Ärztemangel und ruft alle Länder dazu auf, die Anzahl ihrer Studienplätze zu erhöhen. Diese sind bemüht, verlangen aber zeitgleich finanzielle Hilfe.

26.11.2019 Bundesweit Pressemeldung praktischArzt
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Der drohende Ärztemangel lässt sich nicht mehr wegdiskutieren. Viele der in Deutschland praktizierenden Ärzte stehen wenige Jahre vor dem Ruhestand. Nachwuchs für ihre Praxen finden sie jedoch kaum. Je stärker die Überalterung im Gesundheitswesen voranschreitet, desto wahrscheinlicher wird es, dass zahlreiche Praxen auf dem Land und später ebenso in den Städten leer stehen. Ein Mediziner muss dann immer mehr Patienten versorgen, was die Behandlungsqualität deutlich senken dürfte.

Aus diesem Grund wird in Deutschland schon seit geraumer Zeit über Maßnahmen gegen den Ärztemangel diskutiert. Sowohl ein vereinfachter Zugang zum Studium als auch Landarztquoten, die schnellere Zulassung ausländischer Mediziner, Stipendien und weitere Förderprogramme stehen als mögliche Mittel zur Debatte oder finden bereits Anwendung. Die Erhöhung der Anzahl an Studienplätzen gilt ebenfalls als Hoffnungsträger, weshalb sich der Bund nun an die Länder wendet. 

Bundesgesundheitsministerium: Vierstellige Erhöhung notwendig

Um das aktuell gegenwärtige Qualitätsniveau in der medizinischen Versorgung Deutschlands halten zu können, braucht es tausende neue Mediziner. Auch Dr. Thomas Gebhart, seines Zeichens Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit, unterstreicht diesen Umstand und nimmt die Bundesländer in die Pflicht. Diese sollten laut Gebhardt zwischen 5.000 und 6.000 zusätzliche Studienplätze schaffen. Die Anzahl jener, die hierzulande Medizin studieren, würde sich dadurch von 10.000 auf 15.000 pro Jahr erhöhen.

Mit dieser Forderung steht das Bundesgesundheitsministerium nicht alleine da. Die Bundesärztekammer hat im Beschlussprotokoll des diesjährigen Ärztetages festgehalten, dass dringend mehr Mediziner benötigt werden, da viele ärztliche Aufgaben nicht delegierbar sind. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung unterfüttert die Forderungen mit Hilfe einer Bedarfsanalyse, in der von mindestens 15.000 notwendigen Studienplätzen jährlich die Rede ist. 

Die Grundlagen werden geschaffen

Selbstverständlich sind die Bundesländer indes nicht untätig. Viele Verantwortliche planen die Einrichtung neuer Fakultäten und die damit verbundene Erhöhung der Studienplatzzahl. In Bayern beispielsweise sollen in Augsburg und Bayreuth insgesamt 350, im nordrhein-westfälischen Bielefeld 300 und in Chemnitz 50 weitere Studienplätze geschaffen werden.

Darüber hinaus wird auch über die Zulassungskriterien gesprochen. Hier soll ein neuer Medizinertest dafür sorgen, dass die Abiturnoten weniger ins Gewicht fallen und zusätzlich die Chancen jener gesteigert werden, die bereits über medizinische Vorerfahrung verfügen. So könnten beispielsweise examinierte Krankenpfleger/innen mit Abitur über den Medizinertest ihre Aussichten auf einen Platz verbessern.

Länder stellen die Finanzierungsfrage

Wo viele neue Studienplätze geschaffen werden sollen, ist das Thema Geld nicht fern. Bislang gilt deren Finanzierung als Angelegenheit der einzelnen Bundesländer. Dahingehend regt sich allerdings nun Widerstand, denn der drohende Ärztemangel hat sich zu einem bundesweiten Anliegen entwickelt, dem auch der Bund selbst verantwortungsbewusst entgegentreten sollte. 
Da ein einziger Medizinstudent in Deutschland etwa 220.000 Euro kostet, dürfte die finanzielle Belastung für die Bundesländer deutlich steigen. Aus diesem Grund fordern Hessen, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt den Bund dazu auf, sie finanziell zu unterstützen.

Noch ist aber nicht klar, ob das Bundesgesundheitsministerium auf diese Forderungen eingehen wird. Eine offizielle Stellungnahme bleiben die Verantwortlichen den Ländern bisher schuldig.

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