Offensive für mehr Lehrkräfte in Hamburg
Lehrerinnen und Lehrer werden dringend gesucht: Die Wissenschaftsbehörde, die Schulbehörde und die Universität Hamburg haben ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, um mehr Menschen für den Lehrkräfteberuf zu begeistern.
27.06.2023 Hamburg Pressemeldung Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung Hansestadt HamburgBereits ab dem Wintersemester 2023/2024 sind Studienanfängerplätze der Erziehungswissenschaften im Lehramt für die Sekundarstufe I und II zulassungsfrei. Zudem sollen die Studienanfängerplätze im Lehramt für die Sekundarstufe I und II besser ausgelastet und in besonders stark nachgefragten Unterrichtsfächern wie z. B. Biologie, Geographie, Informatik, Deutsch, Englisch, Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften deutlich mehr Studierende seitens der Universität Hamburg zugelassen werden. Ab dem Wintersemester 2024/2025 soll es im Lehramt für die Sekundarstufe I und II zudem einen neuen Aufbau-Masterstudiengang für Quereinsteiger:innen geben. Damit können Personen, die einen Bachelor in einem inhaltlichen Fach haben, das in Hamburg als Unterrichtsfach studiert werden kann, einen „Master of Education“ in einem Unterrichtsfach machen und qualifizieren sich so zum „Ein-Fach-Lehrer“ für Stadtteilschulen und Gymnasien. Die beiden Behörden und die Universität Hamburg prüfen parallel die Möglichkeiten eines vergleichbaren Aufbau-Studiengangmodells für das Lehramt an Grundschulen und das Lehramt für Sonderpädagogik.
Der Bedarf an Lehrkräften wächst in den kommenden Jahren immens: Viele Lehrkräfte treten in den Ruhestand und die Zahl an Schülerinnen und Schülern steigt. Bundesweit ist derzeit ein Trend zu rückläufigen Bewerbungszahlen für ein Lehramtsstudium an Hochschulen zu erkennen, auch in Hamburg. Gab es in 2016 noch 5.700 Bewerbungen auf 900 Studienanfängerplätze im Lehramt, so liegt die Nachfrage derzeit bei ca. 3.200 Bewerbungen auf rund 1.000 Studienanfängerplätze. Lediglich die Studienplätze im Lehramt an Grundschulen und Lehramt für Sonderpädagogik sind ausgelastet. Auch hier soll nachgesteuert werden: Die Universität Hamburg prüft aktuell weitere Studienanfängerplätzen im Lehramt für Sonderpädagogik ab dem Wintersemester 2024/2025 anzubieten. Neu ist auch die Website für Lehramtsstudierende der Universität Hamburg, um Studieninteressierte besser und gezielter informieren zu können. Aktuell sind 5.294 Lehramtsstudierende an der Universität Hamburg eingeschrieben (Bachelor und Master).
Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank: „Der Lehrkräftemangel ist für ganz Deutschland eine der großen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Hamburg stellt die Weichen, um diese Herausforderungen perspektivisch gut meistern zu können. Neben dem ohnehin bereits seit längerem geplanten Aufwuchs an Studienanfängerplätzen im Lehramt erhöht Hamburg die Auslastung der vorhandenen Lehramtsstudiengänge. Der Lehrerberuf muss aber auch noch attraktiver werden. Wir brauchen kreative Lösungen, zum Beispiel über alternative Zugänge, wie den Quereinstiegs-Master, den ich sehr begrüße. Wichtig ist aber auch, dass wir die Maßnahmen mit der Bildungsseite verzahnen, sodass die Menschen nach dem Studium auch wirklich in den Lehrberuf wollen und dass sie im Idealfall auch in Hamburg bleiben.“
Bildungssenator Ties Rabe: „Aufgrund des großen Wachstums der Schülerzahlen braucht Hamburg jedes Jahr rund 900 neue Lehrkräfte. Ich bin sehr froh, dass sich die Universität Hamburg, die Wissenschaftsbehörde und die Schulbehörde jetzt gemeinsam dieser Herausforderung stellen und die große Aufgabe angehen. Die geplanten Reformen sind ein erster und wichtiger Schritt. Sie zielen darauf ab, die vorhandenen Lehramts-Studienplätze besser zu besetzen und den Wechsel von einem anderen Studiengang in ein Lehramtsstudium zu verbessern. Perspektivisch muss es auch darum gehen, die Zahl der Lehramts-Studienplätze generell zu erhöhen. Hierzu sind wir bereits in guten Gesprächen.“
Prof. Dr. Hauke Heekeren, Präsident der Universität Hamburg: „Die Universität Hamburg als Exzellenzuniversität und größte Bildungseinrichtung Norddeutschlands hat die Lehrkräftebildung zum Top-Thema erklärt. Für die kommenden Jahre haben wir gemeinsam mit der Wissenschafts- und der Schulbehörde einen Aufwuchs um ca. 175 Bachelor-Studienplätze bis 2026 und ca. 145 Master-Studienplätze bis 2029 vereinbart. Bachelorabsolventinnen und -absolventen aus Fächern wie Deutsch, Physik oder Mathematik sollen die Möglichkeit erhalten, sich zur Lehrkraft weiter zu qualifizieren. Bisher studiert man zwei Fächer plus Erziehungswissenschaft. Dass wir das nun ändern und neue Wege zum Lehramt ermöglichen, ist im Bereich der Lehrkräftebildung eine kleine Revolution. Zudem ist ab dem kommenden Wintersemester 2023/24 der Teilstudiengang Erziehungswissenschaft im Lehramtsstudium Sekundarstufe I und II zulassungsfrei, das haben wir als Universität Anfang dieses Jahres beschlossen. Wir wollen die Zahl der Absolventinnen und Absolventen im Lehramtsstudium insgesamt erhöhen und damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Aufgabe der Lehrkräftebildung leisten.“
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