Reaktion

Scheindebatte um Scheinstudierende

Die Bundesstudierendenvertretung, der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs), sowie das Landes-ASten-Treffen NRW (LAT NRW) kritisieren den Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) für dessen Vorwürfe zu vermeintlichen "Ticket-Studierenden".

29.04.2019 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Landes-ASten-Treffen NRW
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"Die Argumentation des VRS greift ins Leere. Die Vorwürfe entbehren jeglicher Datengrundlage und können nicht mit Zahlen untermauert werden. Als Vertragspartner der Studierendenschaften sollte der VRS es unterlassen, Studierende unter Pauschalverdacht zu stellen.", erläutert Marcus Lamprecht, Vorstandsmitglied beim fzs.

Die Verkehrsunternehmen verkennen den eigentlichen Erfolg des Semestertickets. "Das NRW-Semesterticket zeigt, dass Solidarmodelle grundsätzlich erfolgreich sind. Um mehr Menschen für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern, braucht es gute Angebote wie das Semesterticket. Mit dieser Scheindebatte werden keine Probleme gelöst. Es wird suggeriert, dass Studierende faul im Luxus leben. Ganz im Gegenteil bedeutet studieren heute ein Armutsrisiko. Studentische Wohnungsnot und mangelnde Studienfinanzierung bringen Studierende in prekäre Lagen."

Dazu tragen auch die Verkehrsverbünde maßgeblich bei. Insbesondere pünktlich nach erfolgten Kommunalwahlen werden den Studierendenschaften häufig Preissteigerungen angedroht, die in der Vergangenheit zu massivem Protest geführt hatten. Unter anderem im Rahmen ihrer Kampagne "So nicht, VRR!" hatten Studierende das kritisiert und auf mangelnde Augenhöhe hingewiesen.

"Die Studierendenschaften sind gleichberechtigte Vertragspartnerinnen. Durch die Marktmacht der Verkehrsunternehmen wird jedoch massiver Druck ausgeübt. "Das ist schlechter Stil," kritisiert Katrin Lögering, Koordinatorin des LAT NRW.

"Solidarmodelle - vor allem im Bereich der Mobilität oder bei der Finanzierung der Studierendenwerke - haben sich jahrelang bewährt. Alle Studierenden zahlen in eine Kasse ein, wodurch die Preise stabilgehalten werden. Die Verkehrsbünde sollten eher darüber nachdenken, warum trotz der in der Vergangenheit gestiegenen Studierendenzahlen der Ticketpreis überinflationär gestiegen ist, statt die unterschiedlichen Lebensmodelle der Studierenden zu kritisieren. Die Befürchtung liegt nahe, dass dieser Vorstoß erneute Preisersteigerungen nach der Kommunalwahl 2020 einläuten soll," so Lögering weiter.

Laut fzs und LAT NRW sei das NRW-Semesterticket ein Erfolgsmodell, welches eine besondere Strahlkraft für andere Bundesländer hat. So haben kürzlich erst die Studierendenschaften in Schleswig-Holstein erfolgreich ein Semesterticket mit den Verkehrsbünden ausgehandelt. Auch in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Bayern ist ein Semesterticket nach nordrhein-westfälischem Vorbild immer wieder Thema auf den Treffen der Landesstudierendenvertretungen.


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