Hochschulentwicklung

Schlechte Stimmung bei den privaten Hochschulen

Private Hochschulen bewerten ihre Lage zunehmend kritisch. Dies geht aus dem neuen Hochschul-Barometer von Stifterverband und Heinz-Nixdorf Stiftung hervor, das im September veröffentlicht wird.

17.08.2017 Bundesweit Pressemeldung Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.
  • © www.pixabay.de

Private und staatliche Hochschulen schätzen den Grad an Autonomie inzwischen fast gleich hoch ein. Rund 50 Prozent der Leiter an staatlichen und 56 Prozent an privaten Hochschulen sagen, dass ihre Autonomie eher hoch ist. Vor fünf Jahren waren es noch 89 Prozent bei privaten Hochschulen, bei den staatlichen 51 Prozent. Das zeigt: Private Hochschulen hatten in der Vergangenheit höhere Entscheidungskompetenzen. Diese büßen sie immer mehr ein, um zunehmende Ansprüche staatlicher Regulierung und ihrer jeweiligen Träger zu erfüllen.

Insgesamt schätzen Rektoren und Präsidenten privater Einrichtungen ihre aktuelle und zukünftige Lage wesentlich schlechter ein als in den Vorjahren. Das zeigt sich am Stifterverband-Index, der anhand von 17 Indikatoren Rahmenbedingungen, Wettbewerbsfähigkeit und Kooperationsbeziehungen der Hochschulen misst. Während staatliche Hochschulen teilweise sogar leichte Verbesserungen erfahren haben, ist der Index für private Hochschulen zwischen 2011 und 2016 von 47 auf 25 Punkte gefallen (Skala -100 bis +100 Punkte). 

Viele Neugründungen privater Hochschulen haben den Wettbewerb in den vergangenen Jahren enorm erhöht. Dagegen sind ihre Möglichkeiten, auch staatliche Fördergelder einzuwerben, weiterhin begrenzt. Das gilt auch für die Hochschulpakt-Mittel, die der Bund zur Hochschulfinanzierung den Ländern zur Verfügung stellt. Nur in wenigen Bundesländern werden diese Gelder auch an private Hochschulen weitergeleitet. Dabei hat sich hier die Zahl der Studienanfänger zwischen 2005 und 2015 bundesweit von 14.000 auf 42.000 verdreifacht.

Daher gibt es von den privaten Hochschulen auch deutliche Kritik am Hochschulpakt: 40 Prozent von ihnen sagen, der Hochschulpakt habe seine Ziele bisher nicht erfüllt. Nur 14 Prozent der staatlichen Hochschulen sind derselben Meinung.


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Ein Kommentar vorhanden

  • 27.09.2017 12:41 Uhr
    Die finanziellen Engpässe der privaten Hochschulen beruhen auf einer Reihe von Auffassungen, die kritisch überdacht werden und auch unter anderen Aspekten gesehen werden sollten:
    1. "Staatlich" dient dem Gemeinwohl, "privat" verfolgt ökonomische Interessen. Es gibt genügend viele positive Beispiele im Bildungsbereich, in denen auf Grundlage privater Initiativen dem Gemeinwohl dienende Aufgaben erfüllt werden.
    2. Mit welchem Recht wird angenommen, dass eine von Parteipolitik und den wechselnden Mehrheitsverhältnissen bestimmte Bildung die "eigentlichen" gesellschaftlichen Bildungsanforderungen besser erfüllt als eine durch die Lehrenden und Forschenden selbst aus ihrem täglichen Umgang mit den Nachfragenden bestimmte Bildung?
    3. Kann man die jungen Erwachsenen so ernst nehmen, dass ihnen z.B. über einen Bildungsgutschein ermöglicht wird, dort Bildung nachzufragen, wo und wie sie es für fruchtbar halten?
    4. Aufgabe des Staates kann es nicht sein, zu entscheiden, was und wie ein Mensch seine Fähigkeiten bilden will. Er kann aber die rechtlichen Rahmenbedingungen vorgeben, wie gegen Diskriminierungen einzelner Gruppen und anderer im Grundgesetz vorgegebener Werte.
    5. Statt Gleichheit muss in einer freiheitlichen gesellschaftlichen Ordnung das Prinzip der Gleichwertigkeit unterschiedlicher Leistungen gelten. Uniformität ist der Tod der notwendigen Vielfalt und Kreativität.
    6. Prüfungen müssen grundsätzlich an die erworbenen Fähigkeiten und das erworbene Wissen anschließen. Ernsthaft relevant werden doch Prüfungsergebnisse erst, wenn nachgewiesen werden muss, dass für eine gesellschaftliche Aufgabe die notwendigen Fähigkeiten dem Standard eines Berufsfeldes entsprechen. So sollen erfahrene Piloten oder erfahrene Chirurgen etc. entscheiden, wer auf ihrem Berufsfeld verantwortungsvoll eine Aufgabe gegenüber anderen Menschen übernehmen kann.
    7. Wie förderlich die Verbeamtung der Forschenden und Lehrenden an staatlichen Hochschulen im Wettbewerb mit gemeinnützigen Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft tatsächlich ist, soll hier nicht weiter verfolgt werden.

    Prof. Dr. Ernst Schuberth, Hamburg
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