Soziologen gegen CHE-Ranking
(red/pm) Angehende Studenten suchen unterdessen nicht nur nach dem gewünschten Studienangebot. Sie wollen ihr Fach möglichst dort studieren, wo es nachgewiesenermaßen Spitze ist. Hilfestellungen bieten Rankings. Etwa das Hochschulranking des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Nun warnt die Deutsche Gesellschaft für Soziologie vor dieser Entscheidungshilfe und hat die soziologischen Institute an deutschen Hochschulen aufgefordert, nicht länger an diesem Ranking teilzunehmen.
02.07.2012 ArtikelSeit 1998 werden in jedem Frühjahr die Ergebnisse des CHE-Hochschulrankings veröffentlicht und seit 2005 wird das Ranking auch in der Wochenzeitung DIE ZEIT veröffentlicht. In der Soziologie seien immer wieder Zweifel an der fachlicher Qualität des CHE-Rankings geäußert worden, heißt es in der Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS).
So weise das CHE-Ranking gravierende methodische Schwächen und empirische Lücken auf. So werde die Qualität der Forschung der Standorte vor allem über die Einschätzung durch wissenschaftliche Kollegen sowie auf der Grundlage von Datenbanken erhoben, die der Wissenschaftsrat und auch das CHE selbst als nicht geeignet oder jedenfalls nicht hinreichend aussagekräftig beurteilten. Auch werde die Qualität der Lehre vor allem auf der Grundlage einer Studierendenbefragung erhoben, die durch schwache Rücklaufquoten, geringe Fallzahlen und eine ungeklärte Selektivität gekennzeichnet sei. Entsprechend groß sei die Gefahr von Zufallsaussagen.
Dagegen würden wichtige und von den Lehrenden nicht beeinflussbare Rahmenbedingungen, wie etwa die Betreuungsrelationen und die damit verbundenen Lehrveranstaltungsgrößen, nicht in die Analyse einbezogen. Bei so ungenügender Datenlage, heißt es in der Stellungnahme, sei die Bildung einer Rangreihenfolge kaum zu rechtfertigen.
Kritik üben die Wissenschaftler außerdem an der Darstellung des Rankings in der ZEIT. "Auch und gerade das simplifizierende Ranking mithilfe der Ampelsymbolik täuscht über die Dürftigkeit der Datenbasis hinweg. Es suggeriert, sich hierbei den massenmedialen Präsentationserfordernissen beugend, eindeutige und verlässliche Urteile, die durch die verfügbaren Daten keineswegs gedeckt sind", heißt es wörtlich.
Problematisch wirke sich das CHE-Ranking wissenschaftspolitisch aus, weil es Fakultäts- und Hochschulleitungen sowie Ministerialbürokratien zu extrem simplifizierenden Lesarten einladen könne. So könnten dann folgenschwere, jedoch sachlich unbegründete Strukturentscheidungen zur Soziologie als wissenschaftlicher Disziplin und zu ihren Studiengängen getroffen werden. Es sei aber, so heißt es schließlich, "womöglich Glück im Unglück, dass – soweit die Lehrenden der Soziologie ermitteln können – zumindest kaum einer derjenigen, die heute das Fach an deutschen Universitäten studieren, sich dabei vom CHE-Ranking hat beeinflussen lassen. Es wird offenbar nur von einer kleinen Minderheit überhaupt ernsthaft zur Kenntnis genommen."
In einer ersten Stellungnahme gegenüber SPIEGEL online wies der Geschäftsführer des CHE, Frank Ziegele, die Kritik entschieden zurück. "Das trifft mich hart, weil sie völlig unberechtigt ist", wird er dort zitiert. Das CHE arbeite seit Jahren daran, "die beste Ranking-Methode der Welt" weiter zu verfeinern.
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