Bildungsbericht

Tertiärabschlüsse erreichen in Deutsch­land und im OECD-Raum Rekordniveau

Der Anteil junger Erwachsener mit einem tertiären Bildungsabschluss hat im vergangenen Jahr im OECD-Raum einen Rekordwert erreicht. Unter den 25- bis 34-Jährigen besaßen 48 Prozent einen solchen höheren akademischen oder beruflichen Bildungsabschluss. Im Jahr 2000 waren es noch 27 Prozent gewesen.

04.10.2022 Bundesweit Pressemeldung OECD Centre Berlin
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Grund dafür ist die steigende Arbeitsmarktnachfrage nach fortgeschrittenen Kompetenzen.

Wie die OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2022 zeigt, ist der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit Tertiärabschluss unter den untersuchten 38 OECD-Ländern und sieben Partnerländern in Korea (69 Prozent) und Kanada (66 Prozent) am höchsten. Besonders ausgeprägt ist der im OECD-Raum verzeichnete Anstieg bei den Frauen. 57 Prozent der 25- bis 34-Jährigen mit Tertiärabschluss sind Frauen, 43 Prozent Männer. 

In Deutschland ist der Anteil der 25- 34-Jährigen mit Tertiärabschluss seit dem Jahr 2000 von 22 Prozent auf 36 Prozent in 2021 gestiegen. Der deutliche Abstand zum OECD-Mittel geht in Deutschland auch auf das hierzulande sehr starke Berufsbildungssystem zurück, das mehr berufliche Möglichkeiten eröffnet als die Systeme vieler anderer OECD-Länder.

Ein Tertiärabschluss bringt jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt erhebliche Vorteile. Die Arbeitslosenquote der Absolvent:innen tertiärer Bildungsgänge lag 2021 im OECD-Durchschnitt bei vier Prozent, in Deutschland sogar bei nur zwei Prozent.  Demgegenüber steht eine Arbeitslosenquote von im OECD-Durchschnitt sechs Prozent bei Arbeitskräften mit einem Abschluss des Sekundarbereichs II und von elf Prozent bei Arbeitskräften mit niedrigerem Bildungsniveau.

Das Bildungsniveau wirkt sich auch deutlich auf die Verdienstaussichten aus. Im OECD-Durchschnitt verdienen Vollzeitbeschäftigte mit Tertiärabschluss rund 50 Prozent mehr als Arbeitskräfte mit einem Sekundarbereich-II-Abschluss und fast doppelt so viel wie Arbeitskräfte ohne Abschluss des Sekundarbereichs II. In Deutschland ist der Einkommensvorteil von Arbeitskräften mit Tertiärabschluss sogar noch etwas größer. Sie verdienten 2020 mehr als doppelt so viel wie Arbeitskräfte ohne Abschluss des Sekundarbereichs II.

Auffällig ist, dass Erwachsene mit Abschluss im Sekundarbereich II in Deutschland nur relativ selten an nicht-formaler Weiterbildung teilnehmen – es sind hier drei Prozent pro Monat, verglichen mit zehn Prozent im OECD-Mittel oder bei Erwachsenen in Deutschland mit einem Master-Abschluss.

Erwachsenen mit höherem Bildungsniveau fällt es oft auch leichter, neue Technologien zu nutzen, die die Lebensqualität verbessern. In der Pandemie beispielsweise nutzten 71 Prozent der 55- bis 74-Jährigen mit Tertiärabschluss Online- oder Videoanrufe, um mit Familie und Freund:innen in Kontakt zu bleiben und soziale Isolation zu vermeiden. Am höchsten war dieser Anteil mit 84 bzw. 83 Prozent in den Niederlanden und in Norwegen. In Deutschland lag er bei 53 Prozent. Bei den 55- bis 74-Jährigen ohne Sekundarbereich-II-Abschluss waren es lediglich 34 Prozent – in Deutschland 30 Prozent.

Trotz der Vorteile, die ein Tertiärabschluss bringt, werden tertiäre Bildungsgänge häufig nicht abgeschlossen. Nur 39 Prozent der Bachelorstudierenden absolvieren ihr Studium in der Regelstudienzeit. Die Abschlussquoten der Männer sind in allen OECD-Ländern besonders niedrig. Außerdem absolvieren Männer tertiäre Bildungsgänge mit einer um 11 Prozentpunkte geringeren Wahrscheinlichkeit in der Regelzeit als Frauen.

Die Tertiärbildungsausgaben je Bildungsteilnehmer:in sind trotz höherer Studierendenzahlen gestiegen. Seit 2012 wurde im OECD-Raum bei der Studierendenanzahl ein Anstieg um 0,4 Prozent jährlich verzeichnet, während die Ausgaben für tertiäre Bildungseinrichtungen in diesem Zeitraum in realer Rechnung um 1,6 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Dies entspricht einem durchschnittlichen Anstieg der realen Ausgaben je Bildungsteilnehmer:in um 1,2 Prozent pro Jahr.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt geben die OECD-Länder im Schnitt jährlich 4,9 Prozent für die Bildung vom Primar- bis Tertiärbereich aus. In Deutschland sind es 4,3 Prozent. Seit 2008 ist der Anteil um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. 

Ein Tertiärabschluss ist jedoch nicht für allen Bildungsteilnehmer:innen die beste Option. Es bedarf also größerer Anstrengungen, um die Berufsbildung auszubauen. Damit Berufsbildungsgänge für Bildungsteilnehmer:innen von einer Notlösung zur Wunschausbildung avancieren, müssen der Studie zufolge neue Übergänge zwischen Berufsbildungsgängen des Sekundarbereichs II und der beruflichen Tertiärbildung geschaffen werden, um Absolvent:innen beruflicher Bildungsgänge eine Höherqualifizierung zu ermöglichen.

Bildung auf einen Blick 2022 nimmt auch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie im Bildungsbereich und die damit einhergehende raschere Einführung von digitalem Lehren und Lernen in den Blick. Mehr als die Hälfte der 27 Länder, für die Daten verfügbar sind, beabsichtigen, im Sekundarbereich I auch künftig stärker auf digitale Instrumente zu setzen. In Deutschland ist dies Sache der Länder.

Die meisten OECD-Länder haben Mittel bereitgestellt, um digitale Instrumente für den Präsenz- und Fernunterricht anzuschaffen und entsprechende Schulungen für Lehrkräfte anzubieten. Die mit der Digitalisierung verbundenen Möglichkeiten können aber nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn die Länder die Innovationskultur in der Bildung stärken, so die Studie. Dazu gilt es, die institutionellen und regulatorischen Rahmen, insbesondere im Hinblick auf digitale Bildung, zu verbessern, bei der öffentlichen Beschaffung im Bildungssektor den digitalen Möglichkeiten stärker Rechnung zu tragen und mehr Innovationsanreize für den privaten Sektor zu schaffen. Außerdem müssen die Lehrkräfte mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet werden, um digitale Instrumente im Unterricht und zur Weiterbildung zu nutzen.

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