Schulentwicklung

UA Ruhr-Projekt begleitete über sechs Jahre Schulen in herausfordernden Lagen

Schulen in herausfordernden Lagen haben es schwerer – viele ihrer Schülerinnen und Schüler sind sozial benachteiligt und armutsgefährdet, haben weniger passende Unterstützungsmöglichkeiten in der Familie oder wachsen zu Hause nicht mit der Bildungssprache Deutsch auf. An diesen Schulen sind auch besonders viele Stellen unbesetzt.

27.01.2021 Bundesweit Pressemeldung Stiftung Mercator und Mercator-Institute
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Im Projekt „Potenziale entwickeln – Schulen stärken“ haben zwei Forschungsteams der TU Dortmund und der Universität Duisburg-Essen von 2014 bis 2020 mit 36 Schulen der Sekundarstufe I in der Ruhr-Region in sechs Schulnetzwerken mit einem neuen Schulentwicklungskonzept zusammengearbeitet und ihre Erkenntnisse nun veröffentlicht. Gefördert wurde das Projekt durch die Stiftung Mercator.

In dieser Situation der Schulen zeigen sich hohe Anforderungen an das pädagogische Personal: ein besonderes Engagement, sich den Herausforderungen zu stellen, und eine potenzialorientierte Haltung gegenüber Kindern und Jugendlichen, die aus weniger privilegierten Milieus stammen. Hinzu kommen spezifische pädagogische Kompetenzen, um junge Menschen zu bestärken und auch fachlich bestmöglich zu fördern, ihre Potenziale zu entfalten und Chancenungleichheit entgegenzuwirken. Die Schulen benötigen entsprechende Ressourcen, aber auch stärkere und spezifische Unterstützung durch gezielte Empfehlungen, Fortbildung und Begleitung bei der Schulentwicklung.

Die Forschungsteams standen den Schulen mit intensiver Beratung und Schulungen zur Seite. Das Besondere: Die Entwicklungsarbeit erfolgte auf Basis systematischer Datenerhebungen und -rückmeldungen, um gezielt an vorhandenen Stärken und Entwicklungsbedarfen der Schulen anzusetzen. Gleichzeitig konnte so untersucht werden, wie sich die Schulen weiterentwickelten. Begleitet wurde das Projekt auch von der Qualitäts- und UnterstützungsAgentur des Landes NRW, um Erkenntnisse breiter im Schulsystem nutzen zu können.

„Wir konnten zeigen“, so Prof. Heinz Günter Holtappels vom Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund, „dass bestimmte Strukturen und Komponenten unseres Schulentwicklungsprogramms, die in vorherigen Unterstützungsprogrammen eher vernachlässigt wurden, die Schulen bei der zielgerichteten, systematischen und längerfristig angelegten Schulentwicklungsarbeit unterstützt haben.“ Hervorzuheben sind neben der externen Schulbegleitung die Datenrückmeldungen an Schulen zum eigenen Entwicklungsstand, womit die gezielte Entwicklungsarbeit initiiert wurde. Die aktive Beteiligung von engagierten Lehrkräften in Schulnetzwerken führte zur gemeinsamen Erarbeitung innovativer Lösungsansätze zur Bewältigung von Problemen und zu einer nachhaltigen Qualitätsverbesserung der Schulen. „Ein dezidiert auf schulisches Lernen und förderliche Lernbedingungen ausgerichtetes Handeln der Schulleitungen, die Identifikation mit den Veränderungsansätzen und professionelle Teamarbeit der Lehrkräfte erwiesen sich ebenso als besondere Schlüsselfaktoren des Erfolgs“, berichtet Holtappels. Für Schulen in herausfordernden Lagen wurden so zum ersten Mal in Deutschland umfassend Gelingensbedingungen dafür herausgearbeitet, wie Schulen in schwierigen Lagen auch selbst Verbesserungen erzielen können.

Die extern bedingten Belastungen selbst lassen sich ohne flankierende Maßnahmen nicht nachhaltig mindern. „Eine differenzierte Ressourcensteuerung ist dringend erforderlich, um Schulen mit besonderen Problemen und Belastungen zu stärken“, fordert Prof. Isabell van Ackeren von der Universität Duisburg-Essen. Dies sollte mit kontextsensiblen Schulentwicklungskonzepten einhergehen, weil sich Unterstützung durch Qualitätsanalyse, Beratung, Fortbildung und Begleitung der Schulen für deren Qualitätsentwicklung auszahlen.


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