WR-Vorsitzender Strohschneider: Absolventenquote steigern
Es gibt immer mehr Studienberechtigte, doch zu wenige unter ihnen wollen ein Studium aufnehmen (68 % im Jahr 2006). Die Studienanfängerquote (36,6 %) blieb 2007 deutlich unter den mehr als 40 %, die der Wissenschaftsrat langfristig für nötig hält. Die Absolventenquote betrug 2006 lediglich 22 %, während der Wissenschaftsrat empfiehlt, 35 % eines Altersjahrgangs zu einem Studienabschluss zu führen. Demgegenüber wächst der Bedarf des Arbeitsmarktes an Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Kann er nicht befriedigt werden, so sinken Innovationskraft, gesamtgesellschaftliches Qualifikationsniveau und damit das volkswirtschaftliche Wachstum.
08.08.2008 Pressemeldung WissenschaftsratEs gibt Vermutungen, warum die Studierneigung gesunken ist. Die Finanzierung des Studiums stellt für viele Studierende ein Problem dar, insbesondere aus bildungsfernen Schichten. Dieses Problem kann sich verschärfen durch Studienbeiträge, und es ist durch die in gestuften Studiengängen gestiegene Präsenzanforderung schwerer geworden, sich den Lebensunterhalt nebenher zu erwirtschaften. Als hinderlich für die Studierneigung erweisen sich auch die erheblich ausgeweiteten örtlichen Zulassungsbeschränkungen und die unzulänglichen Verfahren der Hochschulzulassung. Wie die vielen zulassungsbeschränkten Studiengänge zeigen, sind mehr Studienplätze und passgenauere sowie rechtzeitige Zulassungsverfahren notwendig. Die Erhebung von Studienbeiträgen und die Studienfinanzierung überhaupt müssen von einem wirksamen und bedarfsorientierten Fördersystem flankiert werden. Auch die Wirtschaft, die an qualifizierten Fachkräften interessiert ist, muss hierzu einen Beitrag leisten.
Wer sich für ein Studium entschieden hat, sollte möglichst gute Studienbedingungen vorfinden und so die Möglichkeit erhalten, das Studium zügig und erfolgreich abzuschließen. Aufgrund der Unterfinanzierung der Hochschulen fehlt es vielfach an diesen Bedingungen. Der Finanzbedarf zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium liegt nach Berechnungen des Wissenschaftsrates bei rund 1,1 Mrd. Euro pro Jahr an zusätzlichen Mitteln. Zudem liegt eine große Verantwortung bei den Hochschulen und den Lehrenden, eine neue Lehrkultur zu etablieren.
Die Herausforderung, gleichzeitig die Studierneigung zu steigern und die Studienerfolgsquote zu heben, ist nicht nur von zentraler hochschulpolitischer, sondern gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Es gibt kaum einen anderen gesellschaftlichen Bereich, in dem mit insgesamt überschaubaren zusätzlichen Ausgaben so viel für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes getan werden kann. Diese Aufgabe muss jetzt in Angriff genommen werden.
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