1. Februar: 7.200 Referendare starten in ihre Ausbildung

Die Einstellungschancen für junge Lehrer/innen werden sich in Baden-Württemberg in diesem Jahr gegenüber 2006 verschlechtern. "Trotz höherer Pensionierungszahlen werden sich viele gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer umsonst bewerben, da es erstmals seit fünf Jahren keine neuen Stellen gibt und die Landesregierung rechnerisch freiwerdende Stellen sperrt oder durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Referendare einspart", sagte am Donnerstag (01.02.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

01.02.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Heute (01.02.) beginnen in Baden-Württemberg etwa 7.200 angehende Lehrer/innen ihr eineinhalbjähriges Referendariat, das sind 2.200 mehr als im Jahr 2006. Die GEW kritisiert, dass das Kultusministerium auch die Ausbildungsbedingungen verschlechtert hat.

Während in den Beruflichen Schulen, den Hauptschulen und einigen Mangelfächern Lehrkräfte gesucht werden, gibt es in den anderen Schularten zu wenige Stellen. "An Realschulen wird es für etwa 1.800 Lehrerinnen und Lehrer nur rund 300 Stellen geben. Der Unmut an den Ausbildungsseminaren ist groß, denn alle hatten nach den Zusagen der Parteien im Landtagswahlkampf auf gute Einstellungsperspektiven gehofft. Viele gut qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen werden in andere Bundesländer abwandern", so Dahlem.

Die Landesregierung hatte im Herbst 2006 ihr Wahlversprechen gebrochen, alle freiwerdenden Lehrerstellen wieder zu besetzen. 521 Stellen wurden gesperrt und weitere 349 Stellen werden durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Referendar/innen eingespart. Die meisten Stellen fallen in den Grund- und Hauptschulen weg, weitere an Realschulen und Beruflichen Schulen.

Referendare sollen erfahrene Lehrer/innen ersetzen

Das Kultusministerium hat offensichtlich seine im Jahr 2005 gemachte Zusage wieder zurückgenommen, wonach die durch Referendare an Grund-, Haupt- und Realschulen gehaltenen Unterrichtsstunden bei der Lehrerzuweisung an die Schulen nicht voll angerechnet wurden. "Das würde jetzt bedeuten, dass Schulen mit mehreren Referendaren als überversorgt gelten und erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen versetzt werden müssen", sagte Dahlem.

Die GEW schlägt vor, dass weiterhin keine Stamm-Lehrkräfte von der Schule wegversetzt werden. "Sonst wird auch die Bereitschaft der Schulen, Referendare auszubilden, stark zurückgehen. Schon jetzt wird der hohe Ausbildungsaufwand für Mentorinnen und Mentoren sowie für die Schulleitung kaum honoriert, obwohl sich die Lehrerausbildung seit der Bildungsplanreform erheblich erschwert hat", so Dahlem.

Zum Beispiel führt der nur einjährige Unterrichtseinsatz während der Ausbildung an Grundschulen zu häufigen Wechseln der Lehrkräfte, da die Referendare nur ein Jahr in der Klasse sind. Da an den Hochschulen immer noch Fächer studiert, aber an den Schulen Fächerverbünde unterrichtet werden, müssen die Ausbildungsseminare und Schulen diese Defizite ausgleichen.

"Die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung während der Ausbildung und die volle Anrechnung der Stunden geht auf Kosten der Ausbildung, der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Kinder", sagte Dahlem.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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