3.000 arbeitslose Lehrer/innen demonstrieren in Stuttgart

Vertreter/innen der 5.000 jungen Lehrer/innen ohne Stelle haben am Dienstag (10.07.) auf dem Stuttgarter Schlossplatz die sofortige Wiederbesetzung aller gesperrten und gestrichenen Lehrerstellen verlangt. Dadurch könnten rund 1.000 Lehrer/innen mehr im September eingestellt werden. "Wer für das Kinderland Baden-Württemberg wirbt und sich selbst noch ernst nimmt, der kann nicht zusehen, dass Lehrerstellen gestrichen werden, während an den Schulen die Klassen voll sind und immer mehr Unterricht ausfällt", sagte Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an die Adresse von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU).

10.07.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Ich bin 26 Jahre alt, habe beste Qualifikationen vorzuweisen, habe Erfahrung im jahrgangsgemischten Unterricht, bin hochmotiviert und wünsche mir nichts mehr, als nach den Sommerferien wieder eine Klasse unterrichten zu können", sagte Melanie Steinmetz aus Pforzheim. Die Grundschullehrerin hat trotz der Note 1,0 keine Stelle erhalten.

"Noch vor vier Wochen hätte ich nicht gedacht, dass ich heute hier stehen muss. Nach sechs Jahren Ausbildung werden weder Männer, noch meine gefragte Fächerkombination, noch mein Schnitt von 1,2 im Kinderland Baden-Württemberg gebraucht. Das ist ein Skandal", sagte der ab Ende Juli arbeitslose Hauptschullehrer Pascal Kurz aus Sasbach bei Offenburg.

Unter dem Motto "Wir sehen rot! Wahlbetrug – 5.000 Lehrer/innen arbeitslos!" bauten in Sichtweite des Kultusministeriums Vertreter/innen der 48 Ausbildungs-Seminare für Lehrer/innen eine 10 Meter lange und 2,40 Meter hohe "Mauer der Bildungsbarrieren", auf der die Arbeitslosenzahlen der Lehrer/innen aus ganz Baden-Württemberg abgebildet wurden. Die GEW ließ 5.000 Luftballons steigen und appellierte damit an die Bevölkerung, sich für mehr Lehrerstellen und bessere Unterrichtsversorgung in den Schulen im Südwesten einzusetzen.

Informationen/Zahlen

Die Landesregierung stellt in diesem Jahr nur 3.000 der 8.000 fertig ausgebildeten Bewerber/innen ein, in den Grund-, Haupt- und Realschulen werden nur 13-16 Prozent der Bewerber eine Stelle bekommen. In den Realschulen werden etwa 16 Prozent und an den Gymnasien 50 Prozent der Bewerber/innen eingestellt. Die Landesregierung hatte im Herbst 2006 ihr Versprechen gebrochen, alle freiwerdenden Lehrerstellen wieder zu besetzen und 870 Stellen eingespart.

Zahlen zur Lehrereinstellung: www.gew-bw.de/Proteste.html

Redner/innen auf der Kundgebung:

  • Begrüßung: Uta Adam (GEW Südbaden), Nina Gbur (GEW Nordbaden)

  • Melanie Steinmetz:
    Grundschullehrerin aus Pforzheim, Note 1,2, 26 Jahre, keine Stelle

  • Pascal Kurz:
    Hauptschullehrer aus Sasbach bei Achern, Note 1,2, 26 Jahre, keine Stelle.

  • Walter Enzer:
    Fachbereichsleiter des Staatl. Seminars für Didaktik und Lehrerbildung Ludwigsburg (Realschulen), Bundesarbeitskreis der Seminare

  • Rainer Dahlem, GEW-Landesvorsitzender

Solidaritätserklärungen gibt es u.a. von: Landeselternbeirat BW, Arbeitskreis der Gesamtelternbeiräte BW, Landtagsfraktionen der Grünen und der SPD, Bundesarbeitskreis der Seminar- und Fachleiter/innen.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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