90 hessische Schulen bieten Hochbegabtenförderung an

Das Hessische Kultusministerium hat auf die landesweit verstärkte Nachfrage von Eltern zu möglichst wohnortnahen konkreten Förderangeboten für Hochbegabte in Grund- und weiterführenden Schulen zügig und nachhaltig reagiert. Seit Jahresbeginn 2004 kann sich jede hessische Schule um das Gütesiegel einer hochbegabungsfördernden Schule bewerben.

14.08.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Zu den im Schuljahr 2005/06 bereits tätigen 73 Gütesiegel-Schulen kommen im neuen Schuljahr ab 28. August 2006 weitere 17 Schulen hinzu. Insgesamt werden 90 hessische Schulen im Schuljahr 2006/07 besondere Beratungs- und Förderangebote auch für hochbegabte Schülerinnen und Schüler bereit halten. Kultusministerin Karin Wolff: "Wir haben unser Wort gehalten, den Eltern zeitnah eine große Vielfalt von Hochbegabtenförderschulen in allen Regionen des Landes zur Verfügung zu stellen."

Etwa zwei Prozent jedes Schülerjahrganges sind intellektuell hochbegabt. Diese Kinder und Jugendlichen bedürfen einer adäquaten pädagogischen Ansprache und Hilfestellung durch die Schule. Hochbegabung setzt sich keineswegs immer automatisch von alleine durch. Auch bei Hochbegabten kann die Leistungsfähigkeit durch andere Faktoren beeinträchtig oder verstellt sein, so dass besonderes Augenmerk und spezielle Unterstützung angezeigt sind. Unauffällige Hochbegabte können von geeigneter Ansprache und schulischer Forderung bis an die individuelle Leistungsgrenze zweifellos ebenfalls profitieren. Aufgrund des zahlenmäßig geringen Vorkommens von Hochbegabten empfiehlt sich eine integrative und einzelfallbezogene Förderung in regulären Klassen an möglichst vielen Schulen. "Wir wollen, dass jede Schülerin und jeder Schüler das individuelle Begabungspotenzial und die persönliche Leistungsfähigkeit bestmöglich entwickeln und entfalten kann, um es später in sinn- und verantwortungsvoller Weise für das Gesamtwohl einsetzen zu können", betont Karin Wolff.

Begonnen hatte das Hessische Kultusministerium in den Schuljahren 2002/03 und 2003/04 mit einem zweijährigen Grundschulprojekt. Zunächst 16, dann 31 Grundschulen zwischen Hofgeismar und Bensheim haben als erste den Einstieg in vielfältige, anreichernde und beschleunigende Fördermöglichkeiten erprobt. Aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen erwuchs im Jahr 2004 das Gütesiegel-Hochbegabung-Programm des Landes Hessen, das sich an alle hessischen Schulen und Schulformen richtet. Es gibt sieben zentrale Kriterien für eine sachgerechte schulische Hochbegabtenförderung vor:

  • Entwicklung eines schulischen Förderkonzepts als Teil des Schulprogramms,
  • Kompetenz bei der Identifizierung von hohen Begabungen,
  • Bereitschaft zu individuellen Förder- bzw. Lernplänen,
  • Beratung von Eltern,
  • regionale Netzwerkbildung,
  • regelmäßige Lehrerfortbildung zum Thema,
  • sorgfältige Dokumentation und Evaluation aller Maßnahmen.

Schulen, welche diese Kriterien erfüllen und ein umfassendes Förderkonzept erarbeitet haben, können Anträge für die Aufnahme ins Gütesiegel-Programm stellen. Die Eltern haben die Möglichkeit, das Verwirklichen aller Schritte an den Schulen zu begleiten und am Vernetzen mit kompetenten außerschulischen Partnern hilfreich mitzuwirken.

Die 90 teilnehmenden Schulen in ganz Hessen setzen sich zusammen aus 43 Grundschulen, 20 Gesamtschulen und 27 Gymnasien. Alle 15 Schulamtsbereiche im Lande halten mittlerweile zwischen zwei (Fulda) und elf Gütesiegel-Hochbegabung-Schulen (Kassel) vor. Die 17 neu hinzu kommenden Schulen teilen sich auf in sieben Gymnasien sowie jeweils fünf Grund- und Gesamtschulen:

  • Engelsburg Gymnasium, Kassel
  • Ernst-Reuter-Schule II, Integrierte Gesamtschule, Frankfurt am Main
  • Freiherr-vom-Stein-Schule, Gymnasium, Fulda
  • Georg-Büchner-Schule, Kooperative Gesamtschule, Rodgau-Jügesheim
  • Gesamtschule Geistal, Kooperative Gesamtschule, Bad Hersfeld
  • Geschwister-Scholl-Schule, Grundschule, Wiesbaden
  • Helene-Lange-Schule, Integrierte Gesamtschule, Wiesbaden
  • Hohe Landesschule, Gymnasium, Hanau
  • John-Sutton-Schule, Grundschule, Kiedrich
  • Leibnizschule, Gymnasium, Wiesbaden
  • Liebigschule, Gymnasium, Gießen
  • Main-Taunus-Schule, Gymnasium, Hofheim
  • Marienschule, Gymnasium, Limburg
  • Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, Integrierte Gesamtschule, Rödermark
  • Sonnenblumen-Schule, Grundschule, Eltville-Erbach
  • Viktoria-Schule Schönberg, Grundschule, Kronberg im Taunus
  • Wallschule, Grundschule, Langen

Das hessische Gütesiegel-Hochbegabung-Programm ist im In- und Ausland auf großes Interesse gestoßen. Delegationen aus Österreich und Litauen haben sich bereits persönlich von dem Erfolg der an Hessens Schulen ergriffenen Maßnahmen überzeugt. Eine enge Kooperation und Abstimmung mit der universitären Forschung wie auch mit Elternverbänden hat eine breite Akzeptanz und Unterstützung nach sich gezogen. Flankiert wird das Gütesiegel-Programm durch das in Hessen errichtete Beratungsnetzwerk Hochbegabung, das von der zentralen begabungsdiagnostischen Beratungsstelle BRAIN an der Marburger Philipps-Universität über die schulpsychologischen Ansprechpartnerinnen und -partner für Hochbegabung in den Staatlichen Schulämtern bis zur Zusammenarbeit mit Beratungsstellen von Schulträgern sowie Kinder- und Jugendakademien reicht. Hinzu treten vielfältige Angebote der Lehrerfort- und -ausbildung auf Grundlage von umfangreichen Handreichungen des Kultusministeriums zur Psychologie und Pädagogik von Hochbegabung.

Online-Informationen zum Thema Hochbegabung können vom Hessischen Bildungsserver unter grundschule.bildung.hessen.de/Paedagogik/Begabung abgerufen werden.


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