90 Prozent der Schüler in Oberstufen an Gesamtschulen machen das Abi

90 % aller Schüler an den Gesamtschuloberstufen in NRW schließen mit einer Hochschulreife ab, 71 % erreichen dabei die allgemeine Hochschulreife, 19 % die Fachhochschulreife. Nur ein Jugendlicher von zehn an den Gesamtschulen verlässt die Oberstufe ohne höherwertigen Abschluss. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule NRW (GGG NRW) und der Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen. In einer repräsentativen Studie wurden an 29 Gesamtschulen die Schullaufbahnen von Schülerinnen und Schülern untersucht, die 2004 die 11. Klasse besuchten.

29.08.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Deshalb brauchen die Gesamtschulen den Vergleich mit den Gymnasien nicht zu scheuen. Nach Berechnungen der Landesregierung verlassen ungefähr 20 % der Gymnasiasten vorzeitig die Schule. "Die Gesamtschule ist ein Erfolgsmodell. Die Chancen von Jugendlichen, ihr Abitur zu machen, sind an der Gesamtschule höher als am Gymnasium", bewertete Guntram Schneider, der Vorsitzende des DGB NRW, das Ergebnis der Befragung. Werner Kerski von der GGG führte das gute Ergebnis darauf zurück, dass an den Gesamtschulen ein besonders lernfreundliches Klima herrsche. "In den Gesamtschulen wird respektiert, dass die Jugendlichen sehr unterschiedlich sind. Individualisierung und Förderung sind schon in der Sekundarstufe I und später in der gymnasialen Oberstufe der Gesamtschule Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit. Diese Förderkultur macht die Qualität des Unterrichts in den Oberstufen der Gesamtschulen aus."

Laut Werner Kerski widerlege die von der GGG ermittelte Erfolgsquote die Aussage von Schulministerin Sommer, die im Frühjahr behauptet hatte, dass rund 40 % der Gesamtschülerinnen und -schüler scheitern würden. "Das Gegenteil ist richtig: Gesamtschulen bieten nicht nur mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit in unserem Schulsystem, sondern auch eine bessere schulische Qualität. Jugendliche, davon viele die in dem höchst selektiven dreigliedrigen Schulsystem aufgrund ihrer sozialen Herkunft aussortiert würden, haben an der Gesamtschule hervorragende Aussichten auf einen höheren Schulabschluss", sagte Werner Kerski. Die Schulforscherin der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Gabriele Bellenberg, unterstützt diese Sichtweise: "Das Gesamtschul-Abitur ist ein Garant für die Aufstiegsdurchlässigkeit. Gesamtschulen ohne Oberstufe werden zu Hauptschulen und würden die Bildungslandschaft in NRW verarmen lassen, " so die Wissenschaftlerin.

Guntram Schneider betonte, dass NRW mehr Gesamtschulen brauche. Auch angesichts des Anmeldebooms bei den Gesamtschulen seien Versuche der Landesregierung verantwortungslos, die Gesamtschulen in der Substanz zu beschädigen "Wir dürfen es uns nicht leisten, Jugendliche in ihrem persönlichen Entwicklungsweg zu behindern, nur weil man einer völlig veralteten Bildungsideologie hinterherläuft. Der Erfolg der Gesamtschulen zeigt, dass es eine Alternative zur frühen Selektion gibt: Längeres gemeinsames Lernen!"

Anlage: Zusatzinformationen zur Landespressekonferenz


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