Aktives Lernen in passiv klimatisierten Räumen

Heizen, Beleuchten, Lüften - damit die knapp 900 Schüler des Gymnasiums Sonthofen mit frischem Wind und kühlem Kopf Vokabeln und Formeln pauken können, sind große Mengen an Energie nötig. Denn bei der Konstruktion des in den 70er Jahren errichteten Gebäudes wurde auf eine Wärmedämmung noch kein Wert gelegt. Hohe Heizkosten und ein enormer Sanierungsbedarf sind heute die Folgen.

02.10.2009 Pressemeldung Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

"Aus ökonomischen und ökologischen Gründen bot es sich an, den Passivhausstandard des Gebäudes anzustreben", erklärt der Bürgermeister der Stadt Sonthofen, Hubert Buhl. So könnten jährlich rund 80 Prozent Energie eingespart werden und der Kohlendioxid-Ausstoß ließe sich ebenfalls um 80 Prozent mindern. Für Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), ein "wegweisendes Vorhaben" für künftige Sanierungsprojekte öffentlicher Gebäude. Er übergab heute das Bewilligungsschreiben über die DBU-Förderung in Höhe von 386.000 Euro.

Das Gymnasium Sonthofen entspricht von seiner Architektur dem so genanten "Kasseler Modell" - eine typische Bauweise der 60er und 70er Jahre, bei der Fertigteile aus Stahlbeton ein schnelles Errichten von Gebäuden ermöglichten. Vor allem die äußeren Betonbrüstungen und -stützen sind heute, rund 40 Jahre später, stark sanierungsbedürftig: "Nicht nur der finanzielle Aufwand für Heizen und Stromverbrauch ist beträchtlich. Auch die Reparatur- und Instandsetzungskosten belasten den Haushalt der Kommune mit durchschnittlich 200.000 Euro im Jahr enorm", so Buhl. Eine Generalsanierung schien unumgänglich. Mit Fördermitteln der DBU hat die Stadt Sonthofen in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Haase (Karlstadt) ein Konzept für den Umbau der Schule nach Passivhausstandard entwickelt. Moderne Heizungs- und Lüftungstechnik in Kombination mit der Nutzung erneuerbarer Energien soll künftig das Schulbild des Gymnasiums Sonthofen prägen. "Die Planungsphase ist erfolgreich abgeschlossen. Den ersten Arbeiten steht nichts mehr im Wege", freut sich Buhl.

Dort, wo momentan noch massive Stahlbetonauf- und anbauten die Außenmauern dominieren, soll demnach bald eine neue Holzleichtbaufassade das Gebäude umgeben. Die Fertigteile - wie beispielsweise vorgehängte Balkone - werden dabei abgetragen und stattdessen eine hoch Wärme dämmende Holzverkleidung angebracht. "Hierbei wird auf nachwachsende Rohstoffe mit hoher Bauqualität gesetzt", betont Buhl. Eine optimierte Fensterfront sorge für bessere Lichtverhältnisse und minimiere den Energieaufwand für die künstliche Beleuchtung. Eine kontrollierte Lüftungsanlage soll zudem sicherstellen, dass durch Heizung und Menschen erzeugte Wärme mit der verbrauchten Luft nicht nach draußen transportiert, sondern den Räumen wieder zugeführt wird. Der Einsatz erneuerbarer Energien, wie zum Beispiel einer Wärmepumpe, ergänzt das Konzept.

"Die gesamte Liegenschaft wird nach dem Leitbild der Kohlendioxid- neutralen Gebäudesanierung modernisiert", erläutert Brickwedde. Damit verringere sich nicht nur der Jahresprimärenergiebedarf um rund 80 Prozent, auch der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) könne um 80 Prozent gemindert werden. "Damit geht nicht nur eine Gemeinde mit der klimafreundlichen Instandsetzung eines öffentlichen Gebäudes als gutes Vorbild voran", so Brickwedde, "sondern es werden auch Lehrer und Schüler für erneuerbare Energien sensibilisiert". Da der Konstruktionstyp "Kasseler Modell" in ähnlicher Bauweise an rund 150 weiteren Standorten zu finden sei, könnten die Ergebnisse bundesweit auf eine Vielzahl ähnlicher Schul- und Verwaltungsbauten übertragen werden. Brickwedde: "Damit ist das Vorhaben wegweisend für künftige Sanierungsprojekte." Die Ergebnisse sollen nach Abschluss des Projekts im Internet und in einer Broschüre umfassend dokumentiert werden.


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