Alphabetisierung: Mehr Engagement gefordert

(bikl) Am UN-Weltalphabetisierungstag forderten in Berlin Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden größere gemeinsame Anstrengungen für eine breitere Bildungsbeteiligung. Dabei wurde deutlich, dass das Engagement aus der Politik noch deutlich verbessert werden muss.

09.09.2006 Artikel
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In ihrer Rede betonte Bundesbildungsministerin Schavan die Bedeutung einer soliden Grundbildung als Schlüssel für Qualifizierung, Beschäftigung und Teilhabe an der Gesellschaft. „Lernen im Lebenslauf setzt Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen voraus. Wir müssen deshalb den funktionalen Analphabetismus abbauen, um persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe aller zu ermöglichen.“

Koordinierungskreis gefordert

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V., Peter Hubertus dankte dem BMBF für die jahrelange Unterstützung durch Projektförderung, bedauerte aber gleichzeitig, dass die Projektförderung des BMBF zeitlich immer befristet sei. „Kein einziges der vielen erfolgreichen Projekte der letzten Jahrzehnte wurde nach seinem Abschluss in die Regelförderung auch nur eines Bundeslandes übernommen“, so Hubertus. Er rief dazu auf, einen „Koordinierungskreis Alphabetisierung und Grundbildung“ zu gründen. Diesem Koordinierungskreis sollten Vertreter des Bundes, der Länder und Experten aus der Alphabetisierung und Grundbildung angehören. Ihre Aufgabe sollte es sein, Aktivitäten und Maßnahmen miteinander abzustimmen. Nur so könne sichergestellt werden, dass Fördermittel der EU, des Bundes und der Länder sich sinnvoll ergänzen.

"Gesellschaftliche Relevanz nicht erkannt"

Auch der Direktor des für Alphabetisierung zuständigen UNESCO-Instituts für Lebenslanges Lernen, Dr. Adama Ouane, fand kritische Worte. Alphabetisierung sei nicht nur ein Problem der so genannten Entwicklungsländer, sondern auch der westlichen Industrienationen, betonte er in seiner Rede. Das hätten die OECD- und andere Studien der letzten Jahre gezeigt. „Auch in Deutschland gibt es viel zu viele Menschen, deren Lese- und Schreibkompetenz so gering ist, dass sie für die wachsenden Anforderungen unserer Informationsgesellschaft nicht ausreicht. Man hat allerdings den Eindruck, dass die gesellschaftspolitische Relevanz dieses Problems in Deutschland oft nicht erkannt wird. Hier könnte Deutschland viel von einigen seiner europäischen Nachbarn, z.B. England lernen.“

Literacy Campaign - LitCam

Begrüßenswert sei, dass das BMBF nun eine große Initiative starte, um die Alphabetisierungsforschung und –entwicklung voranzutreiben. Ausdrücklich begrüßte er auch die Initiative der Frankfurter Buchmesse (Frankfurt Book Fair Literacy Campaign - LitCam), mit der sie das Thema Bildung und Alphabetisierung auf der größten Buchmesse der Welt stärker betonen will.

Was hinter dieser Initiative steckt, erklärte der Direktor der Messe, Juergen Boos. Die Frankfurter Buchmesse begreife sich auch als Plattform für den Austausch von Ideen und Konzepten zur Weiterbildung. Zentrales Modul hierfür sei die Literacy Campaign LitCam, erklärte er. „Wir haben Lehrer gebeten, mit uns nach Ursachen zu forschen und nach Wegen zu suchen, um Literalität (Literacy) auch schon im vorschulischen Alter zu vermitteln. Wir versuchen, mit erfahrenen Verbänden, mit Verlagen, Fachleuten und Pädagogen, Strategien zur Weiterbildung zu entwickeln“, so Boos. Die Messe hoffe, damit einen langwierigen Prozess in die Wege zu leiten, der die Menschen an Grundfähigkeiten heranführe, die unabdingbar seien, um eine Teilhabe am allgemeinen gesellschaftlichen Leben zu erreichen.

Preisträger ausgezeichnet

Den Erfolg von Alphabetisierungsinitiativen dokumentierten in Berlin eindrucksvoll die Texte der Preisträger des Literaturwettbewerbs „wir schreiben“. 336 Onlinelerner und Teilnehmer aus Alphabetisierungskursen hatten an dem Wettbewerb teilgenommen. Die Gewinner kommen aus den Volkshochschulen Heidelberg, Düsseldorf und Norden haben und vom Lernportal www.ich-will-schreiben-lernen.de.

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