Lernen auf der didacta

Amokalarm:"Alles tun, damit in der Klasse keine Panik ausbricht"

In unserer Reihe Tipps vom Trainer erläutert der Deeskalationstrainer Heinz Kraft, was Lehrer zum Thema Amok wissen sollten.

13.02.2013 Artikel
  • © privat

Amokläufe an Schulen können nicht grundsätzlich verhindert werden. Das zeigen die traurigen Bespiele aus Erfurt und Winnenden. Was sollten Lehrer über einen Amoklauf unbedingt wissen?

Heinz Kraft: Oberste Priorität ist, alles zu tun, damit in der Klasse keine Panik ausbricht. Dafür gibt es einen einfachen Verhaltenskatalog:

Der Lehrer wird zum Krisenmanager.
Er sorgt dafür, dass Klasse abgeschlossen oder verbarrikadiert wird.
Er verhängt eine absolute Nachrichtensperre – die Handys der Schüler werden ausgeschaltet, das Lehrerhandy bleibt an.
Er macht Mut und signalisiert Kompetenz.
Er beschäftigt die Schüler.

Warum sollen die Schüler ihre Handys ausschalten?

Heinz Kraft: Ganz einfach: Es besteht die Gefahr, dass die Netze überlastet werden und die Notrufzentrale blockiert wird. Außerdem muss verhindert werden, dass Nachrichten in die Klasse kommen, die zu Panikreaktionen führen könnten.

Und wie kann es dann weitergehen?

Heinz Kraft: Der Lehrer sollte alles tun, was entweder objektiv oder subjektiv die Sicherheit optimiert. In Trainings erlebe ich häufig, dass der Befehl ausgegeben wird " alle unter die Tische". Aber damit erzeuge ich Chaos. Ich brauche Struktur, denn Struktur vermittelt Sicherheit. Und das heißt, Aufgaben verteilen. Etwa "Ihr fünf packt die Tische dahin und ihr räumt die Stühle dorthin". So entsteht außerdem eine freie Aktionsfläche. Weil die Schüler beschäftigt sind, haben sie weniger Zeit, über Angst nachzudenken. Dann kann ich gemeinsam mit der Klasse überlegen: Was machen wir, wenn der Täter versucht, in die Klasse zu kommen? Gibt es zum Beispiel einen Feuerlöscher? Kann sich jemand hinter die Tür stellen und den Knopf im entscheidenden Moment drücken, um mit dem Feuerlöschstrahl auf den Täter zu zielen? Gibt es andere Materialien oder Werkzeuge, womit der Täter überrumpelt werden könnte?

Wenn Sie Lehrer in Ihren Workshops mit diesen Situationen konfrontieren, wie reagieren sie?

Heinz Kraft: Eine Lehrerin hat mir einmal gesagt: Vor dem Workshop hätte ich alles verkehrt gemacht, was man nur verkehrt machen kann. Lehrer fühlen sich nach den Workshops handlungssicherer. Sie haben Verhaltensmuster abrufbereit und müssen in einer solchen Ausnahmesituation nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren.

Dazu auf der didacta

Amokalarm – Zweckmäßiges Verhalten in der Klasse.

19.2.2013, 11.00 bis 12.00 Uhr Congress Centrum Ost, Raum 3
20.2.2013, 12.30 bis 13.30 Uhr Congress Centrum Ost, Raum 3
21.2.2013, 14.00 bis 15.00 Uhr Congress Centrum Ost, Raum 4
23.2.2013, 14.45 bis 16.00 Uhr Halle 5, DVWO Forum Weiterbildung
Referent Heinz Kraft.

Aktionsbereich Training

"Cool sein – cool bleiben" Handlungskompetenz in Gewaltsituationen

Gewaltpräventionsprogramm für Schülerinnen und Schüler der 6. bis 8. Klassen
19.2.2013, 17.00 bis17.30 Uhr und 22.2.2013, 13.00 bis 13.30 Uhr
Referent: Heinz Kraft

Forum didacta aktuell

Sicherheit an Schulen

Dienstag, 19. Februar 2013, 15.00 Uhr – 15.45 Uhr
Eltern erwarten ein beschütztes Umfeld für ihre Kinder. Immer mehr Schulen investieren daher in den Schutz vor Amokläufen und anderen Gewalt- und Notsituationen. Für die Behandlung solcher Fälle gibt es z.Zt. keine eindeutigen Gesetze, Richtlinien oder Normen. Auch scheitert die Umsetzung von möglichen Lösungen in die Praxis oft an mangelnder Erfahrung und Wissen. Rahmenbedingungen, Schutzbedürfnisse und Schutzziele werden im Vortrag über eine Risikoanalyse behandelt. Diese liefert dann Entscheidungshilfen für die Auswahl von geeigneten Lösungen und deren Umsetzung. Eine Gesamt-Lösung nach dem Konzept "Melden-Informieren-Reagieren" wird zusammen mit dem Nutzen für den Schulalltag im Detail vorgestellt.

Es diskutieren Bernd Ammelung, Mitglied im ZVEI-Arbeitskreis Amok und im Fachkreis Intercom sowie Wolfgang Pein, Mitglied im ZVEI-Arbeitskreis Amok und in der Leitungsgemeinschaft Beschallungstechnik.

Forum Bildung

Gewalt in der Schule

20. 02. 2013 11.00 – 12.15 Uhr
Immer häufiger beklagen Lehrkräfte mangelnden Respekt – von Seiten der Schülerinnen und Schüler und zwischen den Schülerinnen und Schülern selbst. Gewalt, Rassismus und (Cyber-)Mobbing sind an Schulen alltäglich. Schnell wird dann der Ruf nach durchsetzungsstarken Lehrkräften laut, die auf die Schülerinnen und Schüler stärker einwirken sollen. Wie gut sind Lehrkräfte für den Umgang mit "schwierigen" Schülern gewappnet? Wo beginnt die Verantwortung der Eltern und wo hört sie auf?

Teilnehmer: Dr. Rüdiger Stellberg, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gewaltprävention, Ulrich Thöne, Vorsitzender der GEW, Detlef Träbert, Diplom-Pädagoge, Fortbildner und Autor, stv. Bundesvorsitzender der "Aktion Humane Schule". Moderation: Peter E. Kalb, Redakteur der Zeitschrift "Pädagogik"

Forum Wirtschaft und Weiterbildung

Fortbildungstag Schule und Weiterbildung: "lebendig leben lernen" – Block 4: Amokalarm

Samstag, 23. Februar 2013, 14.45 Uhr – 16.00 Uhr
Zweckmäßiges Verhalten in der Klasse. Vortrag und Praxisphase
Leitung: Heinz Kraft, Deeskalationstrainer / Trainer in der Lehrerfortbildung
  • Grundkenntnisse über Amoklagen, Täterziele, polizeiliche Maßnahmen und schulische Vorbereitungsmöglichkeiten
  • Konzept "Kollektive Rettung vor individueller Rettung"
  • Rollenwechsel: "Von der Lehrkraft zum Krisenmanager"
  • Grundsatz: "Run – hide – fight" und die Auswirkungen auf die Praxis
  • Diskussion erfolgversprechender Handlungsmuster und Verhaltensalternativen

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