An der Sicherheit darf nicht gespart werden
Mit Entsetzen und Bestürzung hat der Realschullehrerverband die Nachrichten über den Amoklauf von Winnenden verfolgt. "Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer, aber auch den überlebenden Schülern und Lehrkräften, die diese furchtbare Tat miterleben mussten", sagt RLV-Vorsitzende Brigitte Balbach. Nach solchen Geschehnissen stellt sich die Frage, wie so etwas passieren konnte, und wie es sich in Zukunft vermeiden lässt. "Es darf nicht sein, dass wir den Amoklauf von Winnenden als Wahnsinnstat eines Einzelnen abtun und bald wieder zur Tagesordnung übergehen", mahnt Balbach. Konflikt- und Problempotenzial gibt es überall, auch wenn das Gott sei Dank nur in den seltensten Fällen zu einem solch extremen Ausbruch von Gewalt führt.
12.03.2009 Pressemeldung Verband Reale BildungEs ist klar, dass es einen hundertprozentigen Schutz nicht geben kann. Aber dennoch muss alles getan werden, um Aggressions- und Frustpotenziale bei Schülern zu erkennen und frühzeitig gegenzusteuern. "Der RLV erneuert daher seine Forderung, dass an allen Realschulen Stellen für einen Schulsozialarbeiter und/oder einen Schulpsychologen geschaffen werden", so Balbach. Die Möglichkeit dazu hat das Schulministerium zwar im letzten Jahr mit einem Erlass geschaffen, doch der hat einen gewaltigen Haken: Eine Schule, die einen Sozialarbeiter einstellen will, muss dafür eine Lehrerstelle abgeben. Dies ist für große Schultypen wie zum Beispiel Gymnasien oder Gesamtschulen wesentlich leichter als für kleinere Schulsysteme wie die Realschulen, die nach wie vor die schlechteste Schüler-Lehrer-Relation aller Schulformen in der Sekundarstufe I aufweisen (Realschule 21,09; Hauptschule 17,98; Gesamtschule 19,45; Gymnasium 20,14).
"Die Realschulen stehen damit vor einem echten Dilemma: Sie müssen sich das Plus an Sicherheit und sozialem Frieden durch einen Sozialarbeiter mit einem Minus an Qualität durch Verzicht auf eine Lehrerstelle erkaufen", erklärt Balbach. In der Praxis führt das dazu, dass nur relativ wenige Realschulen einen Schulsozialarbeiter haben – sie können es sich schlicht nicht leisten. Der RLV erkennt ausdrücklich an, dass das NRW-Schulministerium beim Thema Gewalt an Schulen bisher sensibel agiert hat. So hat das Ministerium zum Beispiel Ende 2007 einen Ordner mit Notfallplänen (Titel: "Hinsehen und Handeln") für die Schulen herausgegeben und – nicht zuletzt auf Anregung des RLV – einen runden Tisch zum Thema Gewaltprävention ins Leben gerufen.
"Wer an der Sicherheit von Schülern und Lehrern spart, muss dafür vielleicht einen entsetzlich hohen Preis zahlen. Wir fordern daher, dass Stellen für Schulsozialarbeit nach Bedarf ´on top´ bereitgestellt und keinesfalls auf Lehrerstellen angerechnet werden", so Balbach.
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