Ernährungsbildung

Auch richtig essen will gelernt sein

Was sind Ballaststoffe? Welche Lebensmittel enthalten wichtige Vitamine? Woran erkennt man Essstörungen? Das Thema Ernährung ist vielfältig und gehört laut Kultusministerkonferenz ins Klassenzimmer. Bloß sind Lehrkräfte nicht immer ausreichend darauf vorbereitet.

10.06.2020 Bundesweit Artikel Karoline Estermann
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Die eine isst Vollkornbrot mit Hüttenkäse und Kohlrabi, beim anderen gibt es in der Pause Kekse und süßen Schokoaufstrich. Wie viel wissen Schülerinnen und Schüler über ihre Ernährung? Werden entsprechende Inhalte im Schulunterricht besprochen?

In der „Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule“ der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) von 2012 ist Ernährungsbildung fester Bestandteil. Eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) beauftragte Studie von 2019 zeigt jedoch, wie unterschiedlich die Bundesländer das Thema in ihren Bildungsplänen aufgreifen. Während Schulen in Nordrhein-Westfalen dazu verpflichtet sind, Ernährung und Gesundheit im Rahmen eines Konzepts zur Verbraucherbildung in ihr Schulprogramm zu integrieren, hat Thüringen lediglich Gesundheitsförderung in den „Leitgedanken“ zu seinen Lehrplänen verankert, ohne Inhalte zur Ernährungsbildung darin aufzuführen. Generell wird laut Studie Ernährungswissen vor allem im Sachkundeunterricht und in Biologie vermittelt. Zudem gibt es in manchen Bundesländern spezifische Fächer: So wird an Real- und Hauptschulen in Baden-Württemberg das Fach „Alltagskultur, Ernährung, Soziales“ unterrichtet.

Von Zuckerkonsum bis Essstörung
Das Bundeszentrum für Ernährung zeigt auf seiner Website zahlreiche Möglichkeiten auf, Kinder an eine bewusste Ernährung heranzuführen: Zum Beispiel durch Unterrichtsmodule zur Herkunft von Lebensmitteln oder Arbeitsblätter, mithilfe derer Schülerinnen und Schüler ihren Zuckerkonsum hinterfragen können. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet Unterrichtsmaterialien, mit denen Kinder lernen, warum welche Nährstoffe wichtig für ihre Körper sind. Lehrkräfte können dort in einer Broschüre nachlesen, wie sie von Essstörungen betroffene Schülerinnen und Schüler am besten erreichen. Auch Krankenkassen sind aktiv: Bei der AOK gibt es im Rahmen eines Unterrichtskonzepts eine Fortbildung für Lehrkräfte. Zudem lernen Kinder durch das Informations- und Präventionsprogramm „Henrietta & Co.“ in einem Theaterstück sowie im Unterricht, gesund zu essen. Derartige Unterstützung scheint notwendig, um Ernährungsbildung erfolgreich und zeitgemäß im Unterricht zu verankern, denn das Studium der Lehrkräfte sowie Schulbücher weisen Defizite auf.

Falsche Informationen in Schulbüchern
Die Studie im Auftrag des BMEL hat ergeben, dass viele Lehrkräfte in ihrem Studium nicht ausreichend mit dem Themenkomplex in Berührung kommen. Ernährungsbezogene Inhalte fehlen in vielen Lernmodulen. Auch wiesen von den 248 in der Studie untersuchten Schulbüchern für allgemeinbildende Schulen knapp 70 Prozent falsche Informationen auf. Zum Beispiel werden falsche Nahrungsquellen für bestimmte Vitamine angegeben, die Ernährungspyramide uneinheitlich dargestellt oder die Wirkung von Ballaststoffen unvollständig beschrieben. 

Was tun?
Bundesministerin Julia Klöckner möchte Ernährungsbildung an Deutschlands Schulen und Kitas voranbringen. „Gemeinsam mit unserem Bundeszentrum für Ernährung, BZfE, werden wir daher ein Konzept erarbeiten, wie das Thema verstärkt in Ausbildung, Studium und Fortbildungen untergebracht werden kann. Zudem entwickeln wir unser bereits bestehendes Angebot an modernen, aktuellen Lehrmaterialen weiter“, kündigte Klöckner vergangenen Sommer an. Auf Anfrage teilte ihr Ministerium mit, dass Ende März ein Runder Tisch zum Thema „Ernährungsbildung an Schulen“ hätte stattfinden sollen, der wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Es soll jedoch einen neuen Termin geben, bei dem das Konzept vorgestellt wird.

Kinder bereits im Schulunterricht für die Thematik zu sensibilisieren, würde zum derzeitigen Trend hin zu bewusster Ernährung passen. Laut Ernährungsreport 2019 achten die Menschen vermehrt auf gesunde Lebensmittel aus nachhaltiger Produktion und gerechten Lieferketten. Mehr und bessere Inhalte im Schulunterricht könnten der nachwachsenden Generation einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil erleichtern. Denn richtig essen will gelernt sein – da sind Vollkornbrot und Kohlrabi erst der Anfang. 



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