"Auf den Spuren von Diktaturen" – Preisverleihung im Schülerwettbewerb der Stiftung Ettersberg im Seminarfach 2006
Der Schülerwettbewerb der Stiftung Ettersberg und des Thüringer Kultusministeriums rief Gymnasiasten auch in diesem Jahr auf, Arbeiten zum Thema "Diktaturerfahrung und demokratische Umbrüche in Deutschland und Europa" anzufertigen. Schirmherr des Projektes ist der Thüringer Kultusminister Professor Dr. Jens Goebel (CDU). In diesem Jahr fand der Schülerwettbewerb der Stiftung Ettersberg bereits zum dritten Mal statt. Es beteiligten sich 125 Schüler mit insgesamt 40 Arbeiten. Es konnten Seminarfacharbeiten eingereicht werden, die sich mit den beiden deutschen Diktaturen – Nationalsozialismus und Kommunismus – oder auch mit anderen west- oder osteuropäischen Diktaturen vor oder nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen, die zum Beispiel Opposition und Widerstand gegen Diktaturen thematisieren, die sich den demokratischen Umbrüchen in Deutschland und Europa widmen oder die das Weiterwirken alten Denkens untersuchen.
19.06.2006 Thüringen Pressemeldung Thüringer KultusministeriumThüringens Kultusstaatssekretär Kjell Eberhardt (CDU) erklärt anlässlich der Preisverleihung: "Weimar steht für deutsche Geschichte – für ihre Glanzpunkte und ihre dunkelsten Zeiten – wie keine zweite Stadt. Deshalb ist Weimar ein geradezu prädestinierter Ort für die Stiftung Ettersberg. Weimar ist zudem ein guter Ort, um die Preisträger des Schülerwettbewerbs der Stiftung Ettersberg zu ehren. ´Diktaturerfahrung und demokratische Umbrüche in Deutschland und Europa` – so ist der Wettbewerb überschrieben. Denn es bleibt auch nach dem Jahrhundert der Diktaturen und Kriege eine wichtige Aufgabe, sich der kritischen Reflexion über die Vergangenheit zu stellen und auch den nachfolgenden Generationen das Geschehene zu übermitteln und dafür zu sorgen, dass sich das Geschehene nie wiederholt."
Es bleibe wichtig, so Staatssekretär Eberhardt weiter, sich zu erinnern und sich immer wieder mit den verschiedenen Formen von Diktatur und Extremismus in der Vergangenheit und in der Gegenwart zu beschäftigen. Zum einen, um sich der Legendenbildung entgegenzustellen. Zum anderen, um zu verhindern, dass Demokratie und Rechtsstaat in der Gegenwart durch Extremisten – ob von links oder von rechts – untergraben werden. Aus der Vergangenheit erwüchsen wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung einer besseren Gegenwart und Zukunft. Diese Vergangenheit sei nicht nur Vergangenheit der Menschen in der ehemaligen DDR, sie sei die gemeinsame Geschichte der Deutschen im wiedervereinigten Deutschland.
"Unsere Demokratie lebt vom Wissen um ihren Wert und dem daraus folgenden aktiven Engagement für die freie, demokratische Gesellschaft. Das gilt, wenn man Extremisten entschieden entgegentritt. Es gilt aber auch für die kleinen Schritte des Miteinanders im demokratischen Meinungsfindungs- und Gestaltungsprozess. Ich ermutige daher alle Schüler: Bringt euch an dem Ort, an dem ihr steht, ein. Bringt auch eure Erfahrungen aus der Beschäftigung mit ´Diktatur und Demokratie` im Seminarfach mit ein. Denn das ist die beste Vorsorge dafür, dass nicht neue Schülergenerationen schlimme Dinge aus unserer Zeit erforschen müssen", so Staatssekretär Eberhardt abschließend.
Preisträger:
- Preis (1.000 Euro): "Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht! Opposition und Widerstand in der DDR der 80-er Jahre in Jena und Umgebung, insbesondere unter dem Dach der Kirche", Juliane Zapfe/Marie-Thérèse Oberthür/Miriam Panepinto, Christliches Gymnasium Jena)
- Preis (750 Euro): "Spaten statt Gewehr – die Bausoldaten in der DDR", Carolin Fabisch, Tilesius-Gymnasium Mühlhausen
- Preis (500 Euro): "Auf nackten Füßen in die Freiheit – die Geschichte des Kibbuz Buchenwald unter Einbeziehung der Situation der Kibbuzim damals und heute", Laura Maichrowitz/Verena Maichrowitz/Susanne Müller/Julia Simon, Marie-Curie-Gymnasium Bad Berka-Blankenhain
Sonderpreis (250 Euro): "Eine Untersuchung zu Einfluss und Auswirkungen der Observation durch die Staatssicherheit auf den Lebensbereich Jugendlicher in Saalfeld", Claudia Landte/Luise Blochberger/Maria Wenzel/Gregor Gleibs, Heinrich-Böll-Gymnasium Saalfeld
Sonderpreis (250 Euro): "Die Kirche im Nationalsozialismus unter besonderer Berücksichtigung unserer Region", Konrad Bittorf/Sebastian Grob/Michael Haupt/Andreas Smettan, Rhöngymnasium Kaltensundheim
Sonderpreis (250 Euro): "Verbrechen in der Medizin unter politisch-ideologischen Aspekten des Nationalsozialismus", Ilja Goldins/Denis Krüger/Katja Nürnberger/Eileen Türpisch, Albert-Schweitzer-Gymnasium Gera
Sonderpreis (250 Euro): "Das Erleben und Verarbeiten der Geschehnisse im Konzentrations-Außenlager ´Laura´ durch Mitarbeiter und Bewohner der umliegenden Orte", Josefine Danz/Katrin Müller/Lena Rosenbaum/Katrin Treffurth, Heinrich-Böll-Gymnasium Saalfeld
Sonderpreis (250 Euro): "Terror, über den niemand sprach. Zwangsaussiedlung und Verschleppung an der innerdeutschen Grenze", Johanna Henke/Christina Fromm/Sabine Ringleb, Bergschule St. Elisabeth Heiligenstadt
Lobende Erwähnungen:
"Vermouthstropfen – Die Geschichte Thüringer Weinkellereien Gotha GmbH als Spiegel der Geschichte zwischen Diktaturen und Demokratien", Emanuel Cron/Anika Flach/Patrick Höner/Tina Langner, Kooperative Gesamtschule "Herzog Ernst" Gotha
"Euthanasie im NS-Staat - eine logische Konsequenz aus ihrer Vorgeschichte?", Denise Merten/Doreen Rörig/Isabel Schmidt/Krystyna Thomas, Ilmenau-Kolleg
Eingereichte Arbeiten: 40, teilnehmende Schüler: 125
(Vergleich zu 2005: Eingereichte Arbeiten: 30, teilnehmende Schüler: 81)
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