Bayern

Bayerischer Elternverband: Teilhabegesetz muss auch Schulen unterstützen

Bund und Länder wollen die Eingliederungshilfe nach dem SGB in ein Teilhabegesetz überführen. Heute findet im Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine Sitzung statt, in der man sich mit den Belangen der Bildung in Hinblick auf das Teilhabegesetz befasst. Nach Ansicht des Bayerischen Elternverbands (BEV) benötigen auch Schulen durch das neue Gesetz deutlich mehr und qualitativ bessere Unterstützung, da sie seit 2009 zur Inklusion verpflichtet sind.

20.01.2015 Pressemeldung Bayerischer Elternverband

Die derzeitigen SGB-Hilfen ermöglichen den Betroffenen lediglich, sich im hergebrachten Schulsystem "einzugliedern", sprich sich anzupassen. Im Sinne der Inklusion aber muss seit 2009 umgekehrt das System den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Kinder entgegenkommen. Dabei hat Inklusion keineswegs nur behinderte Kinder im Fokus - das wäre Integration - , sondern wirklich alle, auch z. B. die, deren Eltern kein Deutsch sprechen, die in ihren besonderen Begabungen besondere Förderung bekommen sollten oder die in sozialer Hinsicht unterstützt werden müssen.

"Durch die Inklusion ist das Aufgabenspektrum der allgemeinen Schule deutlich breiter geworden", sagt die stellvertretende Vorsitzende Henrike Paede. "Dies muss im neuen Teilhabegesetz berücksichtigt werden!" Da von Inklusion in erster Linie behinderte Kinder profitieren, fordert der Bayerische Elternverband eine im Teilhabegesetz verankerte systemische Unterstützung für Schulen im Sinne von Klassenbegleitern. Diese könnten in vielen Fällen sogar verhindern, dass sonderpädagogischer oder jugendhilferechtlicher Förderbedarf überhaupt erst entsteht und somit eine Etikettierung als "behindert" oder "sonderpädagogisch förderbedürftig" überflüssig machen. Dadurch sei ihre Verortung bei der Teilhabe umso besser zu begründen.

Wichtig sei aber auch, dass die Betroffenen weiterhin persönliche Ansprüche auf Hilfen hätten. Die derzeitige Eingliederungshilfe bietet zusammen mit der Jugendhilfe ein wichtiges Instrument, wenn behinderte Kinder die allgemeine Schule besuchen: den Schulbegleiter. "Wird diese Hilfe nun möglicherweise in das Teilhabegesetz überführt", so Henrike Paede weiter, "sollte dabei nicht die Chance verpasst werden, sie von ihrem derzeit integrativen Zuschnitt an die Erfordernisse der Inklusion anzupassen!" Die Aufgabenbeschreibung des Schulbegleiters müsse derart geändert werden, dass auch er an der inklusivpädagogischen Arbeit mit der ganzen Klasse beteiligt werden könne, soweit das ihm einzeln zugeordnete Kind dafür Raum lasse. Das Kooperationsverbot sieht der BEV nicht berührt, denn beide Berufsgruppen hätten kaum mit kognitivem Lernen, dafür aber umso mehr mit Erziehung und sozialem Lernen zu tun.

Für Schulbegleiter müsse der Bund zudem eine pädagogische Ausbildung vorschreiben und finanzieren. Eine persönliche Assistenzkraft sei behinderten Kindern auch in inklusiven Nachmittagsangeboten nicht schulischer Art, wie z. B. Hort, zu gewähren. Nur so sei die Wahlfreiheit der Eltern zwischen Förderschule und allgemeiner Schule wirklich gegeben.

Dass der Bund für diese Maßnahmen mehr Geld als bisher in die Hand nehmen muss, steht für den BEV außer Zweifel und wird gefordert.


Der Bayerische Elternverband ist der Verband für alle Eltern in Bayern. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden. www.bayerischer-elternverband.de


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