Baden-Württemberg

Bei Grundschülern die Freude an einer schönen Schrift wecken

Das Schreiben mit dem Füller in der Hand und nicht über eine Tastatur prakti­ziert man vor allem in Schulen. Gab es früher sogar das im Zeugnis ausgewiesene Fach "Schönschreiben", denken heute manche laut über eine weitere Vereinfa­chung der Schrift nach. Der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) warnt davor, eine gefällige, gut lesbare Schrift als unwichtig abzutun.

19.04.2013 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Ein Drittel der Jungen und zehn Prozent der Mädchen hätten, so heißt es, am Ende der Grundschulzeit eine unleserliche Handschrift. Deshalb erproben seit 2011 einige Schulen die Grundschrift, eine Art Druckschrift, dessen Buchstaben sich gelegentlich berühren. Der VBE-Sprecher warnt davor, beim Schrifterwerb in der Eingangsstufe und während der ganzen Grundschulzeit die Freude am Schreiben zu vernachlässigen. Die Schule sei für viele Heranwachsende der einzige Ort, an dem die Fähigkeit, mit der Hand zu schreiben, überhaupt noch ein Thema ist. "Im Zeitalter von Computern und Smartphones wird leider mehr auf Tastaturen getippt als der Umgang mit Füller und Schreibstift gepflegt. Das Kulturgut Handschrift wird zur Nebensache", moniert der VBE-Sprecher. Damit das Schreibenlernen aufgewertet werden kann, müssen an den Grundschulen entsprechende Arbeitsbedingungen herrschen. Dazu gehört ausreichen­des Lehrpersonal und Zeit, damit die Grundschulkinder in Ruhe und ohne Druck das Schreiben üben können, denn Übung gehört nun einmal dazu. Die jungen Schüler soll­ten das Schreiben als einen positiven Prozess erleben, an dem sie wachsen und reifen.

Leider geraten an den Schulen auch andere Kulturtechniken wie Singen, Malen oder Musizieren mehr und mehr ins Hintertreffen. Unterrichtsfächer, die vermeintlich nicht fürs "Weiterkommen" wichtig sind, werden an den Rand gedrängt und verlieren weiter an Bedeutung. Natürlich soll die Schule nicht zum Schönschreibdrill zurückkehren, aber trotzdem daran arbeiten, die Vorzüge einer gut lesbaren Schrift aufzuzeigen und ein gefälliges Schriftbild als Ausdruck von Individualität intensiv zu pflegen.

Info: Aus der Sütterlinschrift entwickelte sich die "Deutsche Volksschrift". Nach dem zweiten Welt­krieg mussten die Schüler neben den Druckbuchstaben die "Lateinische Ausgangsschrift" erlernen, deren Rundungen und Schnörkel manchen Pädagogen später ein Dorn im Auge waren. "Schön­schreiben" als eigenständiges Unterrichtsfach war schon lange abgeschafft, da durften Schulen ab den Neunziger Jahren als Alternative auch die "Vereinfachte Ausgangsschrift" verwenden. Zurzeit wird über eine weitere Vereinfachung, über Vor- und Nachteile der "Grundschrift" diskutiert.


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