Bessere Rahmenbedingungen für Schulleitungen und Schulen
"Es wird immer schwieriger, für die Schulen in Rheinland-Pfalz gute und engagierte Lehrerinnen und Lehrer zu finden, die bereit sind, sich auf Schulleitungsstellen zu bewerben", warnte heute der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz, Klaus-Peter Hammer. Die Besetzung von Schulleitungsstellen wird Recherchen der GEW zufolge seit Jahren wegen Bewerbermangels zu einem immer größeren Problem. In Zeiten von Schulentwicklung und Bildungsoffensive gelinge es der Schulbehörde immer seltener, freigewordene Stellen zügig mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen, so die Gewerkschaft.
19.09.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung GEW Rheinland-PfalzDie GEW Rheinland-Pfalz hat anhand einer statistischen Erfassung der vergangenen Jahre festgestellt, dass im Durchschnitt über alle Schularten hinweg rund 40 Prozent der wieder zu besetzenden Schulleitungsstellen ein zweites Mal und rund 13 Prozent der Stellen ein drittes Mal ausgeschrieben werden mussten. Mehr als 10 Prozent könnten überhaupt nicht besetzt werden. Fast die Hälfte der Konrektorenstellen in Grundschulen, können nicht besetzt werden.
"Wir halten es für einen Skandal, wenn zugelassen wird, dass Schulen Monate lang oder in Einzelfällen auf unabsehbare Dauer nur kommissarisch verwaltet werden", kritisierte der GEW-Landesvorsitzende. Es komme zudem nicht selten vor, dass in kleineren Schulen die dienstälteste Lehrerin bzw. der dienstälteste Lehrer auf längere Zeit die verantwortungsvolle Führungsaufgabe wahrnehmen müsse, ohne dafür ausgebildet oder hierauf vorbereitet worden zu sein. Bewerben sich diese KollegInnen, weil sie dafür überredet wurden, auf die Schulleitungsstelle, wird ihnen die Zeit der "kommissarischen" Führung nicht als Erfahrungzeit anerkannt. D.h. sie müssen ein Jahr warten, bis sie die eh schon recht dürftige Dienstzulage erhalten. Dies ist absolut unverständlich und alles andere als motivationsfördernd.
Ursächlich für das seit einigen Jahren bestehende Problem sind aus Sicht der GEW die ständig zunehmenden Anforderungen an die Schulen und Kollegien, ohne dass hierfür spürbare Entlastungen gewährt worden sind. Aber auch die angesichts der hohen Anforderungen und Erwartungen zum Teil nur geringfügig höhere Vergütung für Leitungsfunktionen schreckt vor einer Bewerbung ab. Ganz abgesehen von der zunehmenden Arbeitsbelastung.
"Der Schulalltag mit seinen unbefriedigenden Rahmenbedingungen und Anforderungen wird in den Kollegien tagtäglich ganz bewusst erfahren und erlebt. Dies hat in vielen Fällen mit offiziellen Verlautbarungen des Bildungsministeriums nur noch wenig gemein. In der Folge entsteht eine Glaubwürdigkeitskrise, die potentielle Bewerberinnen und Bewerber um Schulleitungsstellen mehr abschreckt als motiviert", kritisierte Hammer. Schulleitungen sähen sich zunehmend als Krisenmanager, da die Versorgung der Schulen mit Lehrkräften sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht – z.B. Personal ohne abgeschlossene Ausbildung bzw. ohne die von der Schule angeforderten Fächer - die geforderte Weiterentwicklung der Schulen behinderten.
"Die Umsetzung der Vorgaben des Bildungsministeriums vor Ort birgt erhebliches Konfliktpotential. Neben der in den letzten Jahren immer schwierigeren Aufgabe, guten Unterricht zu halten, werden Schuljahr für Schuljahr Innovationen verordnet, die oft zeitlich und inhaltlich in Bezug auf die Lehrerinnen und Lehrer nicht genügend vorbereitet worden sind und die den Arbeitsaufwand jedes Einzelnen erhöhen. Die Schulleitungen sind für das ordnungsgemäße Umsetzen und Funktionieren solcher Maßnahmen verantwortlich, ebenso wie für die Vermeidung bzw. Lösung daraus entstehender Konflikte. Dafür sind sie in der Regel aber nur unzureichend vorbereitet und in zu geringem Umfang freigestellt. Solche Konflikte sind in der letzten Zeit mehr denn je wahrnehmbar und demotivieren geeignete Bewerberinnen und Bewerber. Die Unterstützungsanbote seitens des Landes sind nicht ausreichend. Viele Fragen sich, ob sie sich eine solche Aufgaben zumuten sollen, und entscheiden sich deshalb dafür weiterhin als "normale" Lehrkraft zu unterrichten, " sagte der GEW-Landesvorsitzende. Besonders für Frauen ist dieser Job unattraktiv, da sie nach wie vor die Doppellast Familie und Beruf zu tragen haben.
Auch seien die Erwartungen von Schulbehörde und Eltern, oft geweckt durch mediale Ankündigungen des Bildungsministeriums, unter den in den Schulen gegebenen Verhältnissen in vielen Fällen nur durch extrem hohen zusätzlichen Zeitaufwand bzw. gar nicht zu erfüllen. Zudem kritisiert die GEW, dass die Ausstattung der Schulen mit Verwaltungskräften bei ständig steigendem Verwaltungsaufwand in vielen Fällen als geradezu katastrophal anzusehen sei. In der Folge blieben Verwaltungsaufgaben an der Schulleitung hängen, was deren ohnehin zu knappes Zeitbudget weiter sprenge. Dies betrifft in besonderem Maße die kleinen Grundschulen.
Hammer verwies darauf, dass in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für die Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie für die Schulleitungen stets verschlechtert worden sind. So seien mehrfach Arbeitszeiten angehoben, Altersentlastungen und Ermäßigungsstunden gestrichen oder - wie bei der Altersteilzeit geschehen – Maßnahmen finanziell unattraktiv gemacht worden. Gleichzeitig lägen die Erhöhungen der Bezüge der Lehrkräfte seit Jahren unterhalb der Inflationsrate.
Angesichts der Vielzahl demotivierender Sachverhalte einerseits und der hohen Verantwortung und umfänglichen Belastungen andererseits gebe es zumeist auch keine hinreichenden finanziellen Anreize, die Übernahme einer Schulleitung anzustreben. So liege die Differenz zwischen normalen Lehrer- und Schulleiterbezügen an kleinen und mittleren Grund- und Hauptschulen zwischen 130.- und 400.- Euro im Monat, laut Hammer viel zu wenig, um Motivation für die Wahrnehmung höherer Aufgaben zu sein.
Um Schulleitungen wieder attraktiver zu machen, fordert die GEW:
- eine deutliche Anhebung der Besoldung entsprechend der Bedeutung des Amtes und der übernommenen Verantwortung, besonders dringend im Bereich der Grund-, Haupt- und Regionalen Schulen (mindestens A 13 in den Grundschulen),
- eine deutliche Erhöhung der Anrechnungsstunden für Schulleitungen entsprechend der gestiegenen inhaltlichen Anforderungen und des damit verbundenen höheren Zeitaufwandes,
- die professionelle Qualifizierung und Vorbereitung von neuen Schulleitungsmitgliedern, beginnend rechtzeitig vor Antritt des neuen Amtes und begleitend in der Einarbeitungsphase,
- die professionelle Begleitung bei Schulentwicklung und konfliktträchtigen Sachverhalten sowie
- eine deutliche Erhöhung der Ausstattung der Schulen mit Verwaltungspersonal, entsprechend dem gestiegenen Verwaltungsaufwand.
- mehr Frauen in Schulleitungsfunktionen, durch Attraktivitätssteigerung des Berufsfelds SchulleiterIn
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