SH: GEW fordert mehr Zeit für Bildung und Entlastung für Beschäftigte
Rund sechs Monate vor der Landtagswahl stellt die GEW ihre zentralen Forderungen für eine bessere und gerechtere Bildung in Schleswig-Holstein vor. Unter dem Motto „Starke Bildung. Stark für alle!“ fordert die Bildungsgewerkschaft mehr Zeit für Bildung und Entlastung für die Beschäftigten – von der Kita bis zur Weiterbildung.
05.10.2026 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein„Gute Bildung braucht Zeit, gute Arbeitsbedingungen und ausreichend Personal. Wer Bildungsgerechtigkeit will, muss deshalb in die Menschen investieren, die Bildung jeden Tag vor Ort ermöglichen“, sagte GEW-Co-Landesvorsitzende Kerstin Quellmann in Kiel. „Mehr Zeit für Bildung bedeutet: mehr Zeit für Kinder und Jugendliche, für individuelle Förderung und für Teamarbeit. Genau diese Zeit fehlt den Beschäftigten heute an vielen Stellen.“
Schleswig-Holstein steht vor großen Herausforderungen im Bildungsbereich. Immer mehr junge Menschen verlassen die Schule ohne Bildungsabschluss. Aktuelle Bildungsstudien zeigen erhebliche Leistungsdefizite, und der Bildungserfolg hängt weiterhin zu stark von der sozialen Herkunft ab.
Damit sich das ändert, fordert die GEW von einer zukünftigen Landesregierung mehr Investitionen in Bildung und konkrete Maßnahmen zur Entlastung der Beschäftigten. „Viele Kolleg*innen in Kitas und Schulen fragen sich derzeit ernsthaft, ob die Politik das Hauptproblem verstanden hat. Wir brauchen nicht immer mehr neue Daten und Screenings. Wir brauchen dringend mehr Unterstützung und mehr Zeit für Bildung – und das vor allem dort, wo die Probleme am größten sind!“, erklärte Quellmann.
Den von der Kultusministerkonferenz (KMK) prognostizierten Rückgang der Kinder- und Schüler*innenzahlen sieht die GEW deshalb als wichtige Chance für echte Qualitätsverbesserungen und mehr Bildungsgerechtigkeit in Schleswig-Holstein. Um die Bildungsqualität zu verbessern, Angebote in der Fläche zu sichern und die Beschäftigten nachhaltig zu entlasten, muss das Land alle Beschäftigten in der Bildung halten und ihnen verlässliche Perspektiven bieten. Das gilt besonders für junge pädagogische und wissenschaftliche Fachkräfte.
„Wer die Bildung in Schleswig-Holstein wirklich voranbringen will, darf nicht bei den Beschäftigten sparen. Gute Bildung entsteht dort, wo Fachkräfte Zeit für Kinder, Jugendliche und Studierende haben, wo genügend Zeit für guten Unterricht ist, wo multiprofessionelle Zusammenarbeit möglich ist und wo Menschen verlässliche berufliche Perspektiven haben. Dafür braucht es endlich die schon oft versprochene Wende in der Bildungspolitik“, so Quellmann abschließend.
Starke Bildung. Stark für alle!
Die zentralen Forderungen der GEW Schleswig-Holstein im Überblick:
Kita: Mehr Zeit für Kinder durch bessere Personalschlüssel
Die GEW fordert einen Fachkraft-Kind-Schlüssel von 1:3 in Krippengruppen und 1:8 in Elementargruppen. Kleinere Gruppen und mehr Verfügungszeit sollen den Beschäftigten mehr Zeit für pädagogische Arbeit, individuelle Förderung und die Zusammenarbeit im Team geben.
Schule: Mehr Zeit für Unterricht und pädagogische Arbeit durch Entlastung
Die GEW fordert eine spürbare Entlastung der Lehrkräfte und mehr Zeit für Unterricht und pädagogische Arbeit. Dazu gehören eine Reduzierung der Pflichtstunden – insbesondere für Klassenlehrkräfte und tarifbeschäftigte Lehrkräfte – sowie die Entlastung von Verwaltungsaufgaben durch Schulverwaltungskräfte. Gleichzeitig braucht es mehr Personal und Ressourcen für Inklusion und Deutsch als Zweitsprache (DaZ) sowie den flächendeckenden Ausbau multiprofessioneller Teams.
Ganztag: Mehr Zeit für pädagogische Arbeit
Die GEW fordert mehr pädagogische Fachkräfte im Ganztag mit tariflich abgesicherten Arbeitsbedingungen und Bezahlung sowie kleinere Gruppen und ausreichend Kooperationszeit mit Lehrkräften. Nur so bleibt neben Betreuung auch ausreichend Zeit für gute pädagogische Arbeit.
Schulsozialarbeit: Mehr Zeit für Kinder und Jugendliche
Die GEW fordert einen deutlichen Ausbau der Schulsozialarbeit. Ziel sind maximal 150 Kinder pro Schulsozialarbeiter*in und mindestens eine unbefristete Vollzeitstelle an jeder Schule. Für die notwendige Kooperation mit Schulleitungen und Lehrkräften muss verbindlich Zeit zur Verfügung stehen.
Hochschule: Mehr Zeit für hochwertige Wissenschaft und Lehre
Die GEW fordert mehr Grundmittel für Hochschulen, um dauerhafte Beschäftigung, eine gute Ausstattung und verlässliche Personalstrukturen zu ermöglichen und die Abhängigkeit von Drittmitteln zu reduzieren. Gute Arbeitsbedingungen schaffen die Grundlage für mehr Zeit für hochwertige Lehre, Forschung und Betreuung von Studierenden.
Studierende: Gute Bedingungen für Studium und Beschäftigung
Die GEW fordert die Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags und die vollständige Umsetzung der Vereinbarungen zwischen der Tarifgemeinschaft deutscher Länder und den Gewerkschaften zu Mindestvertragslaufzeiten und einheitlichen Standards für studentische Beschäftigte.
Weiter- und Erwachsenenbildung: Mehr Zeit für Bildungsarbeit
Die GEW fordert mehr sozialversicherungspflichtige und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse. Daueraufgaben müssen durch Dauerstellen abgesichert werden. Zudem braucht es höhere Honorare sowie mehr bezahlte Vor- und Nachbereitungszeit.
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