Integration

Bildungsministerin Britta Ernst: "Wir sind auf die steigenden Zahlen schulpflichtiger Flüchtlinge gut vorbereitet"

(red/pm)"Wir sind auf die anhaltend hohen Flüchtlingszahlen an schulpflichtigen Kindern gut vorbereitet", sagte gestern Bildungsministerin Britta Ernst. Das bestehende Netz der Deutsch-als-Zweitsprache (DaZ)-Zentren habe das Ministerium inzwischen so ausgebaut und gefestigt, dass Kinder und Jugendliche in allen Regionen des Landes eine durchgängige Sprachbildung erhielten.

16.10.2015 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

"Im Ministerium erfassen wir regelmäßig die Entwicklung, denn bei diesem Thema ist nichts statisch. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder unter den Flüchtlingen hat sich in der Vergangenheit immer wieder verändert - und so wird es zunächst auch bleiben", sagte Ernst.

Schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die ohne oder mit unzureichenden Kenntnissen der deutschen Sprache nach Schleswig-Holstein kämen, erhielten eine fundierte Sprachförderung in der Basisstufe durch das in den Schulen aufgebaute System der DaZ-Zentren, erläuterte die Ministerin. Das System zur Sprachförderung wurde und werde vor dem Hintergrund der steigenden Flüchtlingszahlen den Anforderungen entsprechend erheblich erweitert. Dabei werde schrittweise eine DaZ-Struktur an den berufsbildenden Schulen entwickelt, damit Jugendliche eine Sprachförderung auch dann erhielten, wenn sie die Vollzeitschulpflicht bereits erfüllt hätten aber noch berufsschulpflichtig seien.

In Schleswig-Holstein gab es an den allgemein bildenden Schulen zum Stichtag 15. September 2015 (Schuljahr 2014/15) 271 DaZ-Klassen in etwa 100 DaZ-Zentren mit 3.945 Schülerinnen und Schülern in der Basisstufe. Zurzeit stehen 358 Stellen mit mehr als 5.000 Lehrkräfte-Wochenstunden für die DaZ-Zentren zur Verfügung. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler ist gegenüber Juni 2015 um 543 gestiegen. An den Berufsbildenden Schulen (BBS) und Regionalen Berufsbildungszentren (RBZ) wurden im September 2015 2033 Flüchtlinge beschult. Im März dieses Jahres waren es 1.200.

Große Anstrengungen für die Sprachförderung

Ernst betonte, die Zuwanderung erfordere eine große Integrationsleistung, die von Lehrerinnen und Lehrern allein nicht zu erbringen ist. Deshalb habe sie auch Kooperationen zur Sprachförderung mit den Wohlfahrtsverbänden initiiert, weil das den Unterricht in den DaZ-Klassen gut ergänze. Das Land Schleswig-Holstein unterstütze die Arbeit der Schulen folgendermaßen:

  • Bereits zu Beginn 2015 wurde die Zahl der Stellen für DaZ-Zentren an allgemein bildenden Schulen um 125 erhöht.
  • Es wurden zudem 1,5 Millionen Euro für Nachmittags- und Ferienangebote bereitgestellt; die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände (LAG) ist für die Umsetzung verantwortlich.
  • Zum Schuljahr 2015/16 wurden 240 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen, um die Unterrichtsversorgung für alle Schülerinnen und Schüler auch vor dem Hintergrund des Anstiegs der Flüchtlingszahlen sichern zu können.
  • In der Lehrkräfte-Planstellenzuweisung für dieses Schuljahr wurden die steigenden Flüchtlingszahlen bereits berücksichtigt. Die Prognose hält mit der tatsächlichen Entwicklung auch bis heute Schritt, sodass die Situation in Schleswig-Holstein gut ist. Dennoch steht schon jetzt fest, dass es bereits zum 1. Februar 2016 weitere Stellen geben wird. Hier gebe es eine Nachsteuerung angesichts der ansteigenden Zahl von Schülerinnen und Schülern, sagte Ministerin Ernst: "Wir fahren auf Sicht."
  • Bisher konnten alle DaZ-Stellen im allgemein bildenden Bereich mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden, die zusätzlich eine DaZ-Qualifikation haben.
  • Um den weiteren Bedarf zu decken, gibt es ein ständiges Fortbildungsangebot; aktuell laufen 13 parallele DaZ-Kurse mit 370 Teilnehmenden, weitere sechs starten ab November 2015. Die Fortbildung dauert ein Jahr und findet in verschiedenen Modulen statt.
  • Die Beruflichen Schulen haben seit dem vergangenen Schuljahr DaZ-Strukturen aufgebaut. Dafür stehen ihnen zusätzliche Ressourcen von 38 Stellen und 870.000 Euro zur Verfügung. Zum 1. Februar 2016 sollen die Budgetmittel in Höhe von bis zu vier Millionen Euro erhöht werden.
  • Auch an den BBS und RBZ haben Lehrkräfte eine DaZ-Qualifikation erworben - insgesamt 96 Lehrkräfte.
  • Von den 2.033 Schülerinnen und Schülern an den BBS und RBZ waren im September 761 unbegleitete Flüchtlinge. In jüngster Zeit verzeichnen die berufsbildenden Schulen eine starke Zunahme von jungen Menschen ohne deutsche Sprachkenntnisse (730). Sie erhalten hier ein Angebot an Berufsorientierung und Deutschunterricht im Ausbildungsvorbereitungsjahr (AVJ) und in den Berufseingangsklassen (BEK). Einige haben im Anschluss Ausbildungen im Dualen System oder in Berufsfachschulen begonnen.
  • Nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) sind 20 bis 30 Prozent der Flüchtlingszahl schulpflichtige Kinder; mit diesem Wert rechnen demnach alle Bundesländer.

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden