Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave: "EVIT beleuchtet Stärken und Schwächen unserer Schulen"

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave stellte heute (5. März) den zweiten Landesbericht über die Evaluation an Schulen vor. "Die umfassende, abgesicherte und faire externe Überprüfung schulischer Arbeit gehört mittlerweile zu einem unverzichtbaren Bestandteil unserer Schulkultur", sagte die Ministerin. Schleswig-Holstein habe das Verfahren als erstes Bundesland eingeführt und inzwischen die meisten Erfahrungen gesammelt. "EVIT (Evaluation im Team) liefert nicht nur den Lehrkräften und Schulleitungen wichtige Hinweise für die weitere Arbeit, sondern es schafft auch mehr Transparenz für Eltern und Schulaufsicht."

06.03.2008 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Erfreulich sei, dass die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Lehrkräfte über alle Schularten hinweg mit ihrer Schule zufrieden sei. Als wichtiges Signal wertete die Ministerin die zurückgehende Zahl der Wiederholungen. "Dieses Ergebnis gehört in die Reihe der positiven Entwicklungen, die wir an unseren Schulen feststellen können und die wir konsequent verstärken müssen", sagte Erdsiek-Rave.

EVIT dient der externen Evaluation von Schulen in Schleswig-Holstein. Ein EVIT-Team besteht aus drei Mitgliedern: einem Vertreter oder Vertreterin des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), der Schulaufsicht sowie einem Schulleiter oder einer Schulleiterin einer benachbarten Schule. Dieses Team besucht zwei Tage lang die Schule, beobachtet dabei den Unterricht, spricht mit allen Beteiligten, bewertet die schulstatistischen Daten und macht sich unter anderem anhand von Vergleichsarbeiten und dem Schulprogramm ein Bild. Für die Beurteilung der Arbeit einer Schule stehen jedem EVIT-Team 49 Indikatoren unter anderem aus den Bereichen "Bildungs- und Erziehungsprozesse", "Lern- und Arbeitsbedingungen" oder "Leitung der Schule" zur Verfügung. Die Erkenntnisse des Teams werden in einem Abschlussbericht zusammengefasst und mit Empfehlungen für die Weiterentwicklung versehen. Dieser Bericht muss in der Schule veröffentlicht und diskutiert werden. Schulleitung und Schulaufsicht unterzeichnen anschließend eine Zielvereinbarung über die weiteren Entwicklungsschritte der Schule. Diese wird nach zwei Jahren von der Schulaufsicht überprüft und nach weiteren zwei Jahren findet eine erneute Evaluation durch ein EVIT-Team statt.

Der zweite Landesbericht

Grundlage für den jetzt vorliegenden zweiten Landesbericht waren 308 Schulbesuche, die im Zeitraum von 2005 bis 2007 stattfanden. Am Ende wurden diese sowie die Ergebnisse von rund 148.000 Fragebögen für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern ausgewertet. "Dieses umfangreiche Material erlaubt erstmals über alle Schularten hinweg einen differenzierten Blick auf die Leistungsfähigkeit unserer Schulen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung schulischer Arbeit", erklärte Erdsiek-Rave. Es gehe dabei nicht um den Vergleich von Schularten oder einzelnen Schulen, betonte sie weiter. "Nicht ein oberflächliches Ranking ist unser Ziel, sondern eine differenzierte Analyse der Arbeit, die an unseren Schulen geleistet wird und darauf aufbauend qualitative Hinweise für die Verbesserung dieser Arbeit." Die zum Teil deutlichen Unterschiede zwischen den Schulen sollten aber Anlass sein, die eigene Arbeit kritisch zu hinterfragen.

Letzteres betrifft besonders die Ergebnisse, die sich mit Unterrichtsmethoden und individueller Förderung der Schülerinnen und Schüler befassen.

  • Da kamen die EVIT-Teams bei 42 Prozent der Schulen zu der Einschätzung, dass Eigenaktivität und Übernahme von Verantwortung durch die Schülerinnen und Schüler eher nicht gefördert werde. Dies bestätigen die Schülerfragebögen, in denen über die Hälfte der Schülerinnen und Schüler angeben, dass sich ihnen selten oder nie Möglichkeiten zur Unterrichtsgestaltung bieten.
  • Die Möglichkeiten neuer Medien und des Internets zur Unterrichtsgestaltung werden nur von relativ wenigen Schulen (27,8 Prozent) genutzt. Das bestätigen die Aussagen der Schülerinnen und Schüler: Nur 25 Prozent gaben an, PC und Internet im Unterricht zu nutzen.
  • Angebote zur Individualisierung von Lernprozessen und zur Binnendifferenzierung sollten verstärkt werden. Es fällt auf, dass 68 Prozent der Schulen die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler fördern, aber nur 48 Prozent die leistungsstärkeren. Bestätigt wird diese Analyse durch die Aussagen der Schülerinnen und Schüler: 56 Prozent gaben an Hinweise zu erhalten, wo sie sich verbessern müssen, 58 Prozent bekamen Tipps für das Lernen. Die Lehrkräfte gaben zu 56 Prozent an, Formen des selbstständigen Lernens wie Wochenplanarbeit oder Freiarbeit einzusetzen.

Die Ausstattung der Schulen und die Qualität der Lern- und Arbeitsbedingungen beurteilten die EVIT-Teams anhand von Unterrichtsbesuchen, dem Schulrundgang sowie in Gesprächen mit den an Schule Beteiligten. Dabei wurden bei etwa 15 Prozent der besuchten Schulen Mängel am baulichen Zustand festgestellt. Nach Einschätzung der EVIT-Teams sind knapp 20 Prozent der Lehrerzimmer kaum oder nicht aufgabengerecht eingerichtet und knapp 20 Prozent der Schulen haben keine sachgerechte Medien- und Computerausstattung.

Andererseits aber spiegelt dieser zweite Landesbericht auch eine Reihe positiver Entwicklungen wieder. Dazu gehört,

  • dass die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte ist mit ihrer Schule und der dort geleisteten Arbeit zufrieden ist. 82 Prozent der Schülerinnen und Schüler und 86 Prozent der Eltern gaben an, mit ihrer Schule zufrieden zu sein. Schülerinnen und Schüler sehen sich von ihren Lehrerinnen und Lehrern weitgehend unterstützt und gehen angstfrei zur Schule (95 Prozent).
  • Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die eine Klassenstufe wiederholen, im Zeitraum von 2003 bis 2006 kontinuierlich gesunken ist: An der Hauptschule zum Beispiel von 5,1 auf 3,9 Prozent, am Gymnasium von 2,5 auf 1,8 Prozent.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern sowie Schule und anderen Institutionen wurde von den EVIT-Teams überwiegend positiv eingeschätzt.
  • Die Arbeit der Schulleitungen genießt insgesamt eine hohe Wertschätzung. Dies wird durch die positiven Rückmeldungen der Lehrkräfte bestätigt: 83 Prozent waren zum Beispiel der Meinung, dass die Unterrichtsorganisation klar geregelt sei, 77 Prozent befanden, dass das Kollegium in Entscheidungsprozesse einbezogen sei.
  • Positiv ist auch, dass mittlerweile alle Schulen Schulprogramme und Ausbildungskonzepte erarbeitet haben.
  • Die Unterrichtsgestaltung ist klar strukturiert und entspricht im Grundsatz den Bildungs- und Erziehungszielen. 84 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, dass ihnen der Unterrichtsstoff verständlich erklärt werde. Immerhin 79 Prozent der Eltern sind der Ansicht, ihr Kind werde in der Schule angemessen gefördert.

5000 Euro pro Schule

Schleswig-Holstein war das erste Bundesland, das 2004 eine flächendeckende externe Evaluation der Schulen in die Wege leitete. 2005 erschien der erste Landesbericht. Seit 2006 ist der Evaluationszyklus von sechs auf vier Jahre verkürzt worden. Mit der Einrichtung der Qualitätsagentur im Jahr 2006 wurde die Evaluationsarbeit weiter professionalisiert. Inzwischen haben 638 der 1026 allgemein bildenden Schulen in Schleswig-Holstein an einer externen Evaluation teilgenommen. Ministerin Erdsiek-Rave sagte: "EVIT hat sich mittlerweile zu einem anerkannten Instrument der Weiterentwicklung von Schule entwickelt." Ein Zeichen dafür sei, dass die Nachfrage nach Fortbildungen für Unterrichtsmethodik seit EVIT deutlich angestiegen sei.

Nach Angaben der Ministerin stehe EVIT in einer Reihe mit den bundesweiten und internationalen Prüfverfahren. "Jetzt kommt es darauf an, die Erkenntnisse zu nutzen und umzusetzen. Dabei erhalten die Schulen auch Unterstützung. So stehen bis 2013 pro Jahr 250.000 Euro aus Bundesmitteln für die Weiterentwicklung der Schulen zur Verfügung." Aus diesem Topf könnten Schulen, denen EVIT einen besonderen Entwicklungsbedarf bescheinigt habe, einmalig bis zu 5000 Euro für entsprechende Projekte beantragen. Damit können zum Beispiel Fortbildungen finanziert, differenzierte Unterrichtsmaterialien beschafft oder Leseecken eingerichtet werden.


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