Bildungspolitische Machtspiele

(bikl) Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Wilfried Steinert, ist heute von seinem Amt zurückgetreten, nachdem der Landesverband Niedersachsen in der vergangenen Woche seinen Austritt aus dem Bundeselternrat angedroht hatte. Die niedersächsischen Elternvertreter hatten dem Bundeselternratsvorsitzenden vergeworfen, das Gremium "ideologisch zur Propagierung einer Einheitsschule zu missbrauchen".

11.11.2006 Niedersachsen Artikel

Der Austritt des Landesverbandes sei beschlossen worden, ohne seine Angebote zum Dialog anzunehmen, so Steinert. Außerdem werde der Konflikt personalisiert, ideologisiert und parteipolitisch ausgeschlachtet. Dies könne er weder mit seiner Grundhaltung noch mit seinem Engagement für die Verbesserung der Bildung in Einklang bringen.

"Bundestag und Bundesrat haben im Mai dieses Jahres die Föderalismusreform beschlossen – wider besseres Wissen", erklärte Steinert zu seinem Rücktritt. "Nur wenige Wochen nach Inkrafttreten entwickelt sich ein Egozentrismus in der Bildungspolitik. Das für mich Erschreckende: Landeselternvertretungen und Elternverbände machen da mit. Statt der bisher praktizierten Dialogkultur gewinnen Polemik, Macht- und Ränkespiele die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit."

Es sei für ihn ein Gebot seiner eigenen Klarheit und seines Selbstverständnisses, dass er nun seinen Vorsitz des Bundeselternrates niederlege, so Steinert. Er wolle den Weg zurück zur Sacharbeit im Einsatz für eine zukunftsfähige Bildung frei machen. Dabei seien Aufrichtigkeit, Offenheit und Lernbereitschaft gefragt. "Wer neue Schulformen und Schulversuche wie die "Gemeinschaftsschule" als "Einheitsschule" diffamiert, ist kein Freund (griech. Philos) des Denkens (griech. Logos), sondern handelt wie im Mittelalter die Gegner des Galileo Galilei, die sich weigerten, durch das Teleskop zu sehen und dieses als Teufelswerk bezeichneten", so Steinert weiter.

Er reagierte damit auch auf die Äußerungen des Vorsitzenden des Landeselternrats, Heinz-Jürgen Schmieding, der in der vergangenen gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt hatte: "Wir hassen mittlerweile diese Schlauberger, die uns alle fünf Jahre eine neue Schulstruktur verpassen wollen. Das kostet nur Geld und bringt nichts."

In einer ersten Stellungnahme erklärten die Delegierten des Bundeselternrats: "Der Bundeselternrat bedauert den Rücktritt des Vorsitzenden Wilfried W. Steinert außerordentlich. Wir schätzen sein Engagement und seinen unermüdlichen Einsatz um die Bildungschancen unserer Kinder zu verbessern."

Steinert, der eine integrative Schule in Templin leitet, erklärte zu seinem weiteren Engagement in der Bildungsarbeit: "Auf dem Hintergrund der Entwicklung der letzten Monate möchte ich nun meine Kräfte, meine Fantasie und meine Kreativität darauf konzentrieren, vor Ort in Templin für die konkreten Kinder im Kindergarten, für die konkreten Schülerinnen und Schüler Zukunft durch möglichst gute Bildung zu schaffen."

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Rücktrittsreklärung von Wilfried Steinert

Mehr dazu auf bildungsklick.de

Presseerklärung des Bundeselternrats
Mehr Föderalismus in der Bildung - jetzt auch bei den Eltern?


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