BLLV definiert innovatives Gymnasium

"Entscheidend ist nicht, ob es in Bayern ein acht- oder neunjähriges Gymnasium gibt. Entscheidend ist vielmehr, was darin gemacht wird." Mit diesen Worten hat sich der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, in die erneut aufgeflammte Diskussion über die Zukunft des Gymnasiums eingemischt.

10.12.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Der BLLV wolle ein modernes und innovatives Gymnasium in Bayern. In ihm müssten die Stofffülle, die Prüfungsdichte und die Fachzersplitterung deutlich reduziert, Budgetstunden erhöht und ein Sozialindex eingeführt werden. "Ob die Schülerinnen und Schüler eine solche Schule in neun oder acht Jahren durchlaufen, spielt für den BLLV eine untergeordnete Rolle", sagte Wenzel heute in München. Die bislang zu hörenden Argumente griffen zu kurz. "Eine bloße Renaissance des G9 kann keine sinnvolle Lösung sein. Vielmehr werden die Probleme auf die Frage der Schuldauer reduziert und verkannt, dass sie vor allem in der Qualität liegen." Die Probleme des G8 seien nicht neu, sondern die alten des G9 in verdichteter Form.

Die Gefahr, dass bei Wiedereinführung eines neunjährigen Gymnasiums alte Probleme übernommen und der "Status Quo" aufrecht erhalten werde, sei groß, gab der BLLV-Präsident zu bedenken. Er habe den Eindruck, manche wollten zurück zum G9, damit dort möglichst alles beim Alten bleibe. Damit sei aber weder dem Gymnasium als Bildungseinrichtung gedient, noch den Schülern und Lehrern. "Für die ist das Gezeter um ihre Schule, ohne dass sich substantiell etwas verbessert, ohnehin eine Zumutung."

Aus Sicht des BLLV sollte die Frage nach der Schuldauer in den Hintergrund rücken. Vielmehr müsse es darum gehen, Inhalte und Strukturen zu optimieren.

So bedeute gymnasiale Bildung Abstraktion und Theoriebildung, Analyse und Reflexion, was konsequenterweise eine deutliche Reduzierung der Stofffülle zur Folge haben müsste. "Viele Gymnasiallehrer klagen darüber, dass dies im normalen Unterricht aufgrund der Stofffülle kaum umsetzbar ist", erklärte Wenzel. "Die Lehrpläne sind daher deutlich zu straffen, damit genügend Zeit bleibe, Inhalte vertieft und gründlich zu erarbeiten."

Grundsätzlich sollten auch keine unangekündigten Leistungsnachweise verlangt werden. Dies sei eine logische Konsequenz der auch vom Ministerium gewünschten individuellen Förderung. In einem weiteren Schritt müssten auch Prüfungs- und prüfungsfreie Zeiten deutlicher voneinander getrennt und die Prüfungsdichte insgesamt abgebaut werden.

"Ein Charakteristikum gymnasialer Bildung ist die hohe Vielfalt an Themen, die vertieft bearbeitet werden. Wenn die Schüler jedoch in einzelnen Jahrgangsstufen über 14 verschiedene Unterrichtsfächer haben, verhindert diese Zersplitterung die gründliche und ganzheitliche Behandlung der Inhalte", erklärte der BLLV-Präsident. Verständnisintensives Lernen könne unter diesen Umständen nicht erreicht werden. Die bestehenden Strukturen belasteten zudem die Beziehungsebene zwischen Schülern und Lehrern. Einstündige Fächer sollten daher integriert und die Fächerverbünde Natur und Technik bzw. Geschichte/Sozialkunde ausgebaut werden.

Wenzel forderte zudem deutlich mehr Budgetstunden für Klassenleiter, Sprachförderung und für Schülersprechstunden in den Kernfächern. "Die Budgetzuweisung sollte von einem Sozialindex abhängig gemacht werden. Gymnasien mit einem höheren Anteil an Migranten brauchen auch eine höhere Budgetzuweisung für die notwendige Sprachförderung."

Der BLLV bleibt sich treu. "Wir fordern ein Gymnasium, das ein neues Lern- und Leistungsverständnis etabliert, den Unterricht aufbricht, innovative Methoden zulässt, starre Unterrichtseinheiten auflöst, interdisziplinäres Lernen ermöglicht, jeden Schüler individuell fördert und überall da, wo es gewünscht wird, rhythmisierte Ganztagsschulen anbietet." Selbstverständlich müsse ein solches Gymnasium personell bestens ausgestattet sein.


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