Bayerischer Elternverband

Das neue bayerische Gymnasium – andere Schularten sind weit voraus

Nach der gestrigen [Pressemitteilung](http://bildungsklick.de/pm/92296/bei-paedagogischem-bedarf-mehr-lernzeit/) des Bayerischen Kultusministeriums fragt man sich, was an den nun beschlossenen Reformen für das bayerische Gymnasium wirklich neu ist.

26.09.2014 Pressemeldung Bayerischer Elternverband

An der Dauer von acht Jahren ändert sich nichts – dies begrüßt der Bayerische Elternverband. Ob die als Neuerung angepriesene Möglichkeit "Mittelstufe plus" als Mittel zur - durchaus begrüßenswerten - Flexibilisierung der Lernzeit etwas wirklich Neues bringt, bleibt zunächst abzuwarten. Es bleiben Fragen offen. Wird nun ein paralleler, um ein Schuljahr verlängerter Mittelstufenzug eingeführt? Wie können Gymnasien auf dem Land mit großen Einzugsgebieten diesen stemmen? Wenn die Mittel dafür nicht ausreichen, läuft es dann doch wieder auf freiwillige Wiederholung alias - das schlecht angenommene - "Flexibilisierungsjahr" hinaus? Oder werden dann die Schulwege zur nächstgelegenen "Mittelstufe plus" für die betroffenen Schüler endlos lang?

Nachdenklich macht die Ankündigung, Ganztagsangebote im Gymnasium und insbesondere dessen Mittelstufe stärker ausbauen zu wollen. Dies wurde vom BEV schon lange gefordert. Warum wurde die Notwendigkeit hierfür so spät erkannt? Oder hat man dabei die Gymnasien bisher zu wenig unterstützt?

Die Hoffnungen des Bayerischen Elternverbands ruhen neben dem neuen "Lehrplan plus" in erster Linie auf Verbesserungen in der pädagogischen Qualität. Indessen stimmt folgender Satz der Pressemitteilung nachdenklich: "Die hochwertige Ausbildung der bayerischen Lehrkräfte … ist auch in Zukunft sicherzustellen". Das genügt nicht! Wird diese Ausbildung nicht in pädagogisch-didaktischer Hinsicht entscheidend verbessert, kann sich an der pädagogischen Qualität nichts ändern. Auch bayerischen Gymnasiallehrern muss beigebracht werden, wie man guten Unterricht macht. Grund- und Mittelschullehrer machen längst vor, wie man sich des einzelnen Schülers annimmt und wie man den Stoff spannend und anregend vermittelt. Dass in einem der Dialogforen zu Recht gefordert wurde, das Gymnasium solle sich der pädagogischen Errungenschaften z. B. der Grundschule - wie z. B. Wochenplanarbeit - bedienen, lässt tief in die Abgründe der gymnasialen Pädagogik blicken. Ebenfalls nachdenklich macht der Verweis auf die schon längst bestehenden pädagogischen Freiräume. Warum haben andere Schularten diese früher erkannt und genutzt? Die Antwort ist einfach: Sie mussten, denn sie hatten immer schon eine wesentlich heterogenere und weniger begünstigte Schülerschaft.

Nach dem bemerkenswert offenen Dialogprozess im Vorfeld der Reform wünscht sich der Bayerische Elternverband nun nach der zweijährigen Erprobungsphase weitere Gespräche. Er gibt aber zu bedenken, dass innerhalb zweier Jahre nur der kleinste Teil der Vorhaben umgesetzt werden kann.


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