Bayern

Durchgefallen - Vom Flexijahr halten Lehrer nichts

Wie aus einer Blitzbefragung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) hervorgeht, hält nur ein verschwindend geringer Teil der Gymnasiallehrer das Flexibilisierungsjahr für geeignet, den Zeitdruck am G8 zu verringern und mehr Möglichkeiten für neue Lernmethoden zu schaffen.

29.04.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Die Umfrage war mit etwa 250 Befragten zwar nur annähernd repräsentativ, der Trend ist allerdings beeindruckend deutlich - zumindest, was Fragen zur Individualisierung, zum Stoffdruck und zum Flexibilisierungsjahr anbelangt", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München. So lehnen 85 Prozent der befragten Gymnasiallehrer das Flexibilisierungsjahr ab, nur zwei Prozent versprechen sich davon eine Verbesserung. "In der Summe eine unmissverständliche Aufforderung an den Kultusminister, endlich tiefgreifende Veränderungen zu zulassen und mit dem Herumdoktern aufzuhören." Uneinigkeit dagegen herrscht bei der Frage nach G8 oder G9: 51 Prozent würden eine Wiedereinführung des G 9 befürworten.

An der Blitzbefragung, die in den vergangenen Tagen durchgeführt wurde, beteiligten sich vor allem junge Lehrkräfte aus dem Gymnasialbereich. "Ein deutliches Signal dafür, dass die junge Lehrergeneration andere Vorstellungen von innovativer Schule hat als das Kultusministerium", kommentierte Klaus Wenzel.

"Die Ergebnisse lassen nur einen Schluss zu", sagte Wenzel. "Aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer laufen die bislang vorgestellten Maßnahmen zum Stressabbau am G8 ins Leere." So schätzen nur 16 Prozent die Möglichkeiten zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler für ausreichend ein - erdrückende 84 Prozent dagegen nicht. Nur sechs Prozent sind der Meinung, dass der Stoffdruck am achtjährigen Gymnasium durch bisher vorgenommene Kürzungen in den Lehrplänen spürbar verringert wurde. "Das Flexibilisierungsjahr fällt bei der Lehrerschaft ganz durch", sagte Wenzel. Das sollte die Gestalter zumindest aufhorchen lassen.

Differenzierter fallen die Antworten jedoch bei der Frage nach der Schulzeitdauer aus: Auf die Frage, ob die Einführung der Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 eine geeignete Maßnahme wäre, den Zeitdruck an den Gymnasien zu verringern und mehr Möglichkeiten für neue Lernmethoden zu schaffen, antworten 53 Prozent mit ja, 47 Prozent mit nein. Ähnlich fallen die Antworten auf die Frage aus, ob das G8 sinnvoll zu reformieren sei oder stattdessen flächendeckend zum G9 zurückgekehrt werden sollte: 51 Prozent sprechen sich für eine Rückkehr zum G 9 aus.

Etwas eindeutiger ist die Haltung der befragten Gymnasiallehrer und -lehrerinnen bei der Frage nach dem flächendeckenden Ausbau rhythmisierter Ganztagsschulen: 62 Prozent sehen darin eine geeignete Maßnahme, den Zeitdruck im Gymnasium zu verringern und mehr Möglichkeiten für neue Lernmethoden zu schaffen.

"Die Ergebnisse der Blitzbefragung zeigen auch, dass Schüler und Lehrer immer noch stark belastet sind", so der BLLV-Präsident. Den Heranwachsenden fehle vor allem Zeit, die sie selbstbestimmt gestalten könnten. "Lehrerinnen und Lehrer leiden massiv unter der Prüfungsdichte, steigendem Korrekturaufwand und wachsender Probleme innerhalb der heterogener gewordenen Schülerschaft. In regelmäßigen Abständen weisen wissenschaftliche Studien und Presseberichte auf die hohe Stressbelastung an Gymnasien hin, eine Korrektur erfolgt aber nicht", warf er dem Kultusministerium vor.

Der BLLV-Präsident befürchtet, dass das geplante Flexibilisierungsjahr und alle damit einhergehenden Veränderungen noch mehr Unruhe in die Schulen bringen werden. Lehrer wie Schüler würden zudem erneut verunsichert. Er verlangte eine ehrliche Bestandsaufnahme der Probleme und angemessene Reaktionen darauf. Ideale Grundlage hierfür seien die Ergebnisse der BLLV-Blitzumfrage. "Spaenle sollte sie nicht einfach vom Tisch wischen."


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