Volksbegehren Bayern

Eine falsch gestellte Frage – dennoch die richtige Antwort!

Der Bayerische Elternverband (BEV) begrüßt den Ausgang des Volksbegehrens der Freien Wähler zur Wahlfreiheit zwischen einem acht oder neunjährigen Gymnasium (G8 / G9) in Bayern. Er warnt jedoch, dieses Votum als Zufriedenheit mit dem Status Quo miss zu interpretieren.

16.07.2014 Pressemeldung Bayerischer Elternverband

"Aus zahlreichen Gesprächen weiß ich, dass Eltern wie Schüler dem bayerischen Gymnasium nicht gleichgültig gegenüberstehen, sondern berechtigte Kritik äußern. Sie verstehen jedoch nicht, warum man zuerst über die Dauer der Schulzeit entscheiden sollte – damit werden die Probleme nicht gelöst. Für sie ist die Frage einfach falsch gestellt!", so der Landesvorsitzende, Martin Löwe.

Vor zehn Jahren wurde die Dauer der gymnasialen Schulzeit überhastet um ein Jahr verkürzt, Gesamtstundenzahl wie Lehrinhalte blieben nahezu gleich. Dieses führte zu einer stärken zeitlichen Belastung der Schülerinnen und Schüler, sie haben weniger Gelegenheit für außerschulische Aktivitäten. Am Ende des Gymnasiums sind sie weder auf das Leben noch auf das Studium richtig vorbereitet.

Nach dem Abitur stehen viele ratlos vor der eigenen Zukunft. Über die Struktur der Gesellschaft und das Rechts- und Wirtschaftssystem wissen sie wenig. Teamarbeit, Empathie, Musisches und Sport kommen im derzeitigen System permanenter Leistungsmessung zu kurz. Nicht das Verstehen von Zusammenhängen ist das Ziel der Schüler, sondern eine möglichst gute Note. Der Noten- und Versetzungsdruck begünstigt bloßes Auswendiglernen, nach der Leistungsabfrage wird Gelerntes sofort vergessen. Für Erfahrung und Kreativität bleibt zu wenig Raum.

Die moderne Gesellschaft braucht kreative Leistung – und zwar die beste Leistung jedes Einzelnen. Dieser Anforderung muss ein modernes Gymnasium gerecht werden. Der BEV fordert deshalb für das Gymnasium unter anderem: fächerübergreifendes, vernetztes, eigenständiges und damit nachhaltiges Lernen, weniger Frontalunterricht, flexible Unterrichtsformen, mehr Projekte, soziale Kompetenzentwicklung, individuelle Förderung sowie die Umsetzung der Inklusion. Eine entsprechende räumliche und personelle Ausstattung der Schulen, rhythmisierte Ganztagsangebote und die Ausrichtung der Lehreraus- und -fortbildung auf Teamarbeit und neue Lernformen sind hierfür notwendig.

Der Dialog mit der gesamten Schulfamilie sowie mit allen im Bildungsbereich tätigen Organisationen und Fachleuten über die inhaltliche und methodische Modernisierung des Gymnasiums muss fortgesetzt werden. "Das Gymnasium muss befähigt werden, die Schätze heben zu können, die in jedem einzelnen Jugendlichen stecken. Kann es das nicht, sind diese Schätze für die Gesellschaft und die Zeit für die Jugendlichen verloren." sagt Löwe.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden