Elf Glaubenssätze münden in fünf Forderungen für eine bessere Schule
Bei der alle zwei Jahre einberufenen Landesdelegiertenversammlung stellte die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) im BLLV am Wochenende im oberbayerischen Beilngries die Weichen für die Zukunft. Im Zentrum der zweitägigen Zusammenkunft stand neben der Verabschiedung eines Leitantrags die Neuwahl der Vorstandschaft. Kerstin Polster, bisher stellvertretende Landesvorsitzende wurde mit überwältigender Mehrheit der 48 stimmberechtigten Delegierten zur neuen Vorsitzenden gewählt. Ihr Stellvertreter wird in den kommenden zwei Jahren Florian Fink sein. Dritte im Bunde bleibt Eva-Maria Schäffer. Gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern des Landesvorstands wird in enger Zusammenarbeit mit den Bezirksvertretern die Umsetzung der Forderungen des Leitantrags sein.
30.04.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Inhaltlich erwuchs der nun durch alle Delegierten verabschiedete Leitantrag aus den elf Glaubenssätzen, die die Grundlage des ABJ-Verständnisses von Schule und Bildung auf den Punkt bringen. Lehrer müssen sich nach Ansicht der ABJ in der Zukunft noch mehr als pädagogische Lernbegleiter verstehen. Dazu bedarf es einer Neuorientierung der Lehrerbildung, um den Bedürfnissen der Schulwirklichkeit gerecht zu werden. Eng damit verbunden ist die Forderung nach einer neuen Lern- und Leistungskultur, die Leistungsfeststellungen nicht als Grundlage der Selektion von Kindern auf verschiedene Schularten ansieht, sondern als Diagnoseinstrument zur individuellen Förderung. Um auf die demografische Entwicklung in den einzelnen Bezirken angemessen reagieren zu können, sind passgenaue Lösungen für einzelne Schulen vor Ort unerlässlich, erklärte die neue Landesvorsitzende in ihrer Antrittsrede. BLLV-Präsident Klaus Wenzel verwies in seinem Grußwort auf den Gesetzentwurf zur Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Schule. Diesen Entwurf bezeichnete Wenzel in zweierlei Hinsicht als mangelhaft, weil er sich keineswegs auf die die Eigenverantwortlichkeit der Schule, sondern auf die Eigenverantwortlichkeit der Schulleitung beziehe. Zudem sei im Gesetzentwurf die Mittelschule nicht enthalten. "Da müssen sich Eltern doch fragen, warum sie ihr Kind überhaupt noch auf die Mittelschule schicken sollen!", ärgerte sich der BLLV-Präsident über das Papier. "Wenn dieser Gesetzentwurf zum Gesetz wird, sind wir in Bezug auf die Eigenverantwortlichkeit von Schule an letzter Stelle in Deutschland.
Eng mit der Forderung nach passgenauen Lösungen verbunden ist der Ruf nach einem professionellen Schulmanagement, das die Organisation der Schulen, aber auch Schulverwaltung und der Schulaufsicht betrifft. Dazu bedarf es einer deutlich besseren Ausstattung der Schulen, sowohl in personeller als auch in finanzieller Hinsicht.
Eine besonders die Junglehrer betreffende Forderung bezieht sich auf die aktuelle Einstellungspolitik. Passgenaue Lösungen für einzelne Schulen erfordern ein Kollegium, das zum jeweiligen Schulprofil passt. Deshalb muss es für die Einzelschule möglich sein, gezielt nach geeigneten Kolleginnen und Kollegen zu suchen. Eine Ausweitung des Direktbewerbungsverfahrens soll hier Abhilfe schaffen. Damit würde sich nach Ansicht der ABJ auch eine Entschärfung der Versetzungsproblematik ergeben, die immer wieder zu teilweise unzumutbaren Stellenangeboten bei jungen Lehrkräften führt.
Berthold Rüth, MdL und Landesvorsitzender des CSU-Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport, ermunterte die Junglehrer in seinem Grußwort, nicht immer auf die Regierung und das Ministerium zu schauen. "Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt!", stellte er fest und bezeichnete die Schulleiter als entscheidende Stelle, von der aus viele Veränderungen ausgehen können.
Den großen Mut von Lehrern lobte Landtagsabgeordnete Eva Gottstein von den Freien Wählern. Obwohl sie nicht wissen, welche Regierung in der Zukunft die Politik macht, welche Kinder sie unterrichten werden und mit welchen Eltern sie zusammenarbeiten müssen, haben sie den Beruf des Lehrers gewählt.
Packen wir´s an! Gemeinsam sind wir stark!", griff Kerstin Polster die Worte aus der Politik auf und stellte entschlossen fest, dass die Forderungen des Leitantrags dringend umgesetzt werden müssen, um Schule und Bildung in Bayern endlich zukunftsfähig zu machen.
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