Schüler-DVD

"Erinnerungen schenken" – Schüler auf filmischer Spurensuche der Zwangsarbeit in der NS-Diktatur

Hinsichtlich ihrer Methoden steht die Erinnerungsarbeit an die Zeit des Nationalsozialismus auch in Hamburg an einem Wendepunkt: Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, die von ihren Erinnerungen und Lebenswegen berichten können.

06.11.2015 Pressemeldung Hamburger Senat

Unterstützt von ihrer Partnerschule in Gdansk/Danzig haben Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Barmbek einen wichtigen Schritt gegen das Vergessen unternommen und Kinder früherer NS-Zwangsarbeitender während ihres Besuches in Hamburg begleitet und interviewt. Die Begegnungen und Recherchen der Jugendlichen zum Thema sind Grundlage für den nun vorliegenden Film, der vom Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V., der Landeszentrale für politische Bildung und dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg, MOTTE e.V., sowie der Stadtteilschule Barmbek und der Hamburger Triangel-Film Kommunikation PR realisiert wurde. Ergänzt wird die Dokumentation durch Zusatzmaterial für den Oberstufenunterricht und die Erwachsenenbildung. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler sind für dieses Projekt mit dem Bertini-Preis 2014 ausgezeichnet worden.

Wie können ohne Zeitzeugen effektiv die Geschichte des Nationalsozialismus an Jugendliche vermittelt und Bezüge zum heutigen Leben gezeichnet werden? Diese Frage hat zum Projekt "Erinnerungen schenken" geführt und Jugendlichen und Experten motiviert, den 40-minütigen Film als abschließenden Baustein des Besuchsprogramms des Hamburger Senats zu realisieren.

Von 2001 bis 2013 besuchten 26 Gruppen ehemaliger Zwangsarbeitender und deren Nachfahren mit rund 410 Gästen die Hansestadt. Die Teilnehmenden kamen unter anderem auch aus Polen und Russland und nutzen die Gelegenheit, in Hamburg noch einmal an die Orte ihres Lebens zur Zeit des Nationalsozialismus zurückzukehren. Den letzten Besuch vor zwei Jahren nutzte eine Schülergruppe der Barmbeker Stadtteilschule, um sich schon im Vorfeld auf Spurensuche zu begeben. So wurden in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und in verschiedenen Archiven Recherchen durchgeführt und Briefe sowie Fotos gesichtet und ausgewertet.

Auf diese Weise wurden Einzelschicksale deutlich und Anknüpfungspunkte für Gespräche mit den Gäste gefunden. Gleichzeitig arbeiteten Schülerinnen und Schüler einer Partnerschule in Gdansk/Danzig einen Fragenkatalog für die Begegnung mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und den Jugendlichen in Hamburg aus. Gemeinsam mit den Gästen wurden dann Orte besucht, die für sie wichtig waren: etwa ihre Geburtsstätten, ihre ehemalige Unterbringung oder die ihrer Eltern und die Gelände, auf denen sich die Arbeitslager befunden hatten.

Dieser Besuch, die umfangreichen Vorbereitungen von Schülerinnen und Schülern zu intensiven Begegnungen mit den Gästen und die bewegenden Zusammentreffen selbst wurden von einem Schüler-Kamerateam begleitet und anschließend, unter Anleitung von Medienpädagogen, zum Film "Erinnerungen schenken" bearbeitet. Das Projekt "Erinnerungen schenken" sei ein wichtiges Pilotprojekt für eine zukünftig tragfähige und damit in die Zukunft reichende Erinnerungskultur, so Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

Vor allem Jugendliche sollten mit diesen Themenstellungen konfrontiert werden. Dies, so die Erfahrungen aus der Erinnerungsarbeit, geschehe am besten anhand von Beispielen aus dem eigenen lokalen Umfeld. Das Engagement der Hamburger und Danziger Jugendlichen habe gezeigt, so Dr. Bamberger-Stemmann weiter, dass Erinnerungsarbeit mit jungen Menschen nicht nur tragfähig sei, sondern es ihnen auch ermögliche, mit neuen Methoden und ihnen gemäßen Medien über historisch-politische Themen nachzudenken.

Die DVD ist im Informationsladen der Landeszentrale für politische Bildung, Dammtorwall 1, gegen eine Bereitstellungspauschale von je 3 Euro erhältlich.

Ansprechpartner

Hamburger Senat

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