Experten auf der didacta: Soziale Kompetenzen fördern

Bildungsexperten haben heute auf der didacta eine stärkere Förderung sozialer Kompetenzen in Kindergarten und Schule gefordert.

01.03.2007 Artikel
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"Damit Kinder und Jugendliche die Anforderungen in unserer Gesellschaft meistern können, brauchen sie vor allem soziale Kompetenzen, wie beispielsweise Konflikt- und Kooperationsfähigkeit", sagte Prof. Dr. Rita Süssmuth während eines Forums mit dem Titel 'Sozial emotionales Lernen: Herausforderung und Chance für Politik und Gesellschaft'. Angesichts der immer kürzeren Halbwertszeit von Wissen sei dies ein weit wichtigerer Anspruch an Bildung und Erziehung als die reine Wissensvermittlung, ergänzte die Familienministerin und Bundestagspräsidentin a. D.

Mit Blick auf Meldungen über Gewalt und Verrohung an Schulen, sei andernfalls ein "schulinterner Klimakollaps" zu befürchten, so Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung. 1999 gründete die Stiftung das Buddy-Projekt zur Förderung von Sozialer Kompetenz von Schülern.

Die Referenten beklagten, dass den veränderten Anforderungen an Kinder und Jugendlichen in unserem Bildungssystem noch nicht genug Rechnung getragen werde. "Zu oft wird Soziales Lernen als Sekundärtugend betrachtet", sagte etwa der Berliner Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Herbert Scheithauer. Dieser Befund werde auch durch die Pisa-Studie gestützt. Sie bescheinigt den deutschen Schülern im Bereich der Kompetenzen große Defizite. Ein Umdenken habe deswegen aber offenbar nicht stattgefunden. "Die Konzentration auf Paukfächer wird als Folge grassierender Testeritis immer stärker", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Marianne Demmer. "Dabei sind die angespassten, funktionierenden und gehorsamen Maschinenbediener des Industriezeitalters als Leitbild sozial-emotionalen Lernens passé."

Manfred Walhorn, Leiter der Schulabteilung im nordrhein-westfälischen Bildungsministerium,warnte nachdrücklich, dass eine Polarisierung zwischen sozialer und fachlicher Kompetenz einem ganzheitlichen Begriff von Bildung und Erziehung nicht gerecht werde. Fachliches Lernen müsse auch die Entfaltung sozialer Kompetenzen integrieren. Kulturelle und soziale Prozesse hätten unbeschadet ihres Eigenwertes auch ein beträchtliches Potential, um kognitive Kompetenz zu fördern.

In Nordrhein-Westfalen habe man bereits mehrere Projekte eingeführt, um Soziales Lernen in Kindergarten und Schule zu fördern, so Walhorn weiter, etwas das MUS-E Programm der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland an rund 100 Grundschulen. Ein weiteres Beispiel sei das von der Vodafone Stiftung initiierte Buddy-Projekt als Pilot an bis zu 100 Hauptschulen in Ostwestfalen-Lippe. Bei Erfolg solle das Projekt auf weitere Regionen ausgeweitet werden.

Außerdem nutzen Schulen gemeinsam mit außerschulischen Partnern die Möglichkeiten der Offenen Ganztagsschule im Primarbereich sowie neue Spielräume durch die Umstellung von Hauptschulen in gebundene Ganztagsschulen.


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