Mecklenburg-Vorpommern

Expertenkommission "Inklusion" nimmt Arbeit auf

Bildungsminister Mathias Brodkorb hat heute die 14 Mitglieder der Expertenkommission "Inklusive Bildung in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2020" berufen, die heute in Schwerin zur konstituierenden Sitzung zusammengekommen sind.

16.01.2012 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Aufgabe der Expertenkommission ist es, möglichst schon im Jahr 2012 ein Langzeitkonzept zur schrittweisen Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems in Mecklenburg-Vorpommern zu entwickeln.

Minister Brodkorb: "Wir brauchen für dieses Gesamtkonzept zur Inklusion bis 2020 eine solide Grundlage und eine umfassende Vorbereitung, in die alle Beteiligten mit einbezogen werden. Nur so kann eine breite Mehrheit für die Inklusion geschaffen werden."

Den Vorsitz der Expertenkommission hat Prof. Dr. Katja Koch von der Universität Rostock (Lehrgebiet "Frühe sonderpädagogische Entwicklungsförderung - Kognitive Entwicklung") übernommen. Sie ist als Inklusionsbevollmächtigte des Ministers tätig.Neben der Leitung der Kommission berät sie den Minister und führt mit ihm gemeinsam den Dialog mit Schulen und Eltern.

Zur Expertenkommission gehören:

  • Andreas Bluhm (Vizepräsident des Landtages a. D.)
  • Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis (Universität Bozen)
  • Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz (TU Berlin)
  • Prof. Dr. Bodo Hartke (Universität Rostock)
  • Hannelore Lemke (Schulleiterin, Grundschule Lankow, Schwerin)
  • Marlies Schönberg (Schulleiterin der Regionalen Schule, Karlshagen)
  • Dr. Michael Burgert (Schulleiter der Schule für Kranke, Rostock)
  • Thilo Werfel (Schulleiter der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, Grevesmühlen)
  • Dr. Caroline Bockmeyer (Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes Ludwigslust e.V.)
  • Arp Fittschen (Städte- und Gemeindetag M-V)
  • Sabine Stelley (Landkreistag M-V)
  • Sebastian Schweinert (für den Bereich Kindertagesförderung von der Kita Sophienstift, Lübz)
  • Margitta Wagner (Schulleiterin des Sonderpädagogischen Förderzentrums "Klaus Störtebeker", Bergen)

Zu den bevorstehenden Aufgaben der Expertenkommission sagte die Inklusionsbevollmächtigte des Ministers, Prof. Katja Koch: "Wir werden jetzt zügig eine Bestandsaufnahme vornehmen und die Frage beantworten, wie viel und welche Inklusion unter den gegebenen Voraussetzungen nötig und möglich ist und welche Schritte inkl. konkreter Zeitpläne, Weiterbildungen, Förderinstrumente etc. in den einzelnen Bildungssystemen bis 2020 gegangen werden sollten."

Zu den von der Expertengruppe verhandelten Themen wird das Bildungsministerium Fachkongresse veranstalten, um einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit der Teilnahme am Diskussionsprozess zu geben.

Eine Begleitgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern von Gewerkschaften und Verbänden, Eltern- und Schülervertretungen sowie anderer Einrichtungen und Experten wird die Arbeit der Gremien kritisch begleiten.

Auf der Grundlage des Berichts der Expertenkommission wird die Landesregierung dem Landtag voraussichtlich 2013 einen Vorschlag zur Umsetzung der Inklusion in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2020 vorlegen.

Hintergrund:
Das im Jahr 2006 in der UNO-Generalversammlung verabschiedete "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen" sichert in Artikel 24 zu, dass Menschen mit Behinderungen in den Vertragsstaaten "ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit" ein "integratives Bildungssystem" zur Verfügung gestellt wird. Demnach dürfen sie "nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden". Gefordert wird vielmehr, den Betroffenen im Rahmen des allgemeinen Bildungssystems "individuell angepasste Unterstützungsmaßnahmen" bereitzustellen. Mit der Ratifizierung Deutschlands mit Datum vom 24. Februar 2009 ist dieses Dokument auch für die Bundesrepublik Deutschland rechtsverbindlich.

Mit Beschluss vom 18. November 2010 hat die Kultusministerkonferenz die Ziele des Übereinkommens nochmals bekräftigt, jedoch darauf hingewiesen, dass die deutsche Rechtslage bereits "grundsätzlich den Anforderungen des Übereinkommens" entspreche. Sie hat zudem angemahnt, dass weitere Schritte hin zu einem inklusiven Bildungssystem im Sinne des Übereinkommens "nicht innerhalb eines kurzen Zeitraums" erreicht werden können und eine "Konkurrenz zu anderen gleichrangigen staatlichen Aufgaben" bestehe. Die "Umsetzung des Übereinkommens" sei damit "als gesamtgesellschaftliches komplexes Vorhaben längerfristig und schrittweise" anzulegen.

Somit ist es erforderlich, dass jedes Bundesland gemeinsam mit der kommunalen Ebene sowie allen im Bildungsbereich Tätigen seinen eigenen Weg hin zu einem inklusiven Bildungssystems beschreibt. Hierbei sind die aktuellen Herausforderungen ebenso zu berücksichtigen wie die spezifischen Bedingungen des jeweiligen Bundeslandes.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden