Forderung nach Besonnenheit statt schlichter Lösungsvorschläge
Die Frage nach dem "Warum" prägt viele Diskussionen zu dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden. Antworten auf diese Frage sind nicht schnell zu finden. Letztlich dürften verschiedene Ursachenfaktoren Auslöser für das schreckliche Geschehen sein.
12.03.2009 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband mahnt zur Besonnenheit und zum sachangemessenen Urteil über Ursachen und notwendigen Reaktionen. "Schlichte und damit schlechte Patentrezepte helfen uns nicht weiter. Selbstverständlich müssen alle Vorsorgemaßnahmen unternommen werden, um solchen Ereignissen vorzubeugen. Doch zu glauben, Schulen könnten zu Hochsicherheitstrakten umgebaut werden, ist unrealistisch und keine Garantie dafür, Amokläufe völlig auszuschließen. Ein absoluter Schutz ist nicht möglich!", erklärt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.
Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband spricht sich entschieden dafür aus, mit unterschiedlichen Mitteln und Ansätzen alles zu unternehmen, um es nicht zu solchen grausamen Gewalttaten kommen zu lassen. Hierzu gehören schulische Sicherheitsmaßnahmen, die den Zugang in die Schulen kontrollieren, Überwachungskameras nutzen, Evakuierungspläne erproben und die schnelle Kontaktaufnahme zu Sicherheitsbehörden einbeziehen.
Der Gesetzgeber ist bei den Fragen des Zugangs zu Waffen und zu Gewalt verherrlichenden Medien gefordert. Die Medien wiederum dürfen in der ausufernden Berichterstattung nicht den Nachahmungseffekt befördern. Die Anonymität des Internets darf nicht als rechtsfreier Raum empfunden werden.
In den Schulen – so der nordrhein-westfälische Philologen-Verband – muss die Zahl der Schulpsychologen spürbar ausgeweitet werden. Nordrhein-Westfalen hat vor 2 Jahren diesen Weg beschritten. Das ist gut, doch muss noch mehr als bisher geschehen. Ausformulierte Verträge zur ´Erziehungspartnerschaft´ zwischen Schulen und Eltern können hilfreich sein. Ebenso sollte ein nicht ausgrenzendes Verhalten der Schülerinnen und Schüler untereinander erreicht werden. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Jugendämtern sowie Erziehungs- und Beratungsstellen kann gewiss noch effizienter organisiert werden.
Ein Maßnahmenbündel ist erforderlich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schulen nicht zuletzt, da sie ein prägender Lebensraum für junge Menschen sind, auch Objekte der Gewaltausübung sein können.
Ärgerlich – und geradezu als bösartig – empfindet der Philologen-Verband, dass einige in der Debatte über die Ursachen der Gewalt monokausal den schulischen Leistungsdruck bemühen und schnell dabei sind, Lehrerinnen und Lehrern Erziehungsversagen zu unterstellen.
"Diese Behauptungen sind dümmlich. Sie berücksichtigen weder die Fallkonstellationen bisheriger Amokläufe noch die wissenschaftlichen Studienergebnisse aus den USA. Sie sind keine ernsthaften Beiträge für die Aufarbeitung der Ursachen. Amokläufe an Schulen werden aus verschiedenen Ländern gemeldet, zuletzt aus den USA und aus Finnland. Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens vieler Menschen. Wir brauchen ein Klima, in dem sich in Schulen jeder für den anderen verantwortlich fühlt. Wir müssen an einer Gesellschaft arbeiten, die Signale bei dem Zurückziehen von Menschen in die Isolation wahrnimmt", so Peter Silbernagel.
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