"Fragt die Frauen!"

"Fragt die Frauen !" Eine nachhaltige Politik für Familien in Deutschland muss auf die unterschiedlichen Lebensentwürfe von Frauen Rücksicht nehmen, die sich insbesondere in den Vereinbarkeitsstrategien von Familie und Beruf unterscheiden. Dann zeigen familienpolitische Maßnahmen Wirkung durch eine höhere Geburtenrate, eine höhere Lebenszufriedenheit und geringere Armutsrisiken. Dies unterstreicht Prof. Dr. Hans Bertram, Familiensoziologe an der Humboldt-Universität Berlin und Vorsitzender der 7. Familienberichtskommission, in einer Handlungsempfehlung für das Bundesfamilienministerium.

04.05.2005 Pressemeldung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

In dem Gutachten "Nachhaltige Familienpolitik: Zukunftssicherung durch einen Dreiklang von Zeitpolitik, finanzieller Transferpolitik und Infrastrukturpolitik" gibt Prof. Dr. Bertram Empfehlungen für Rahmenbedingungen, die es jungen Erwachsenen ermöglichen, ihr Leben gemeinsam mit Kindern zu planen und zu realisieren. Er hebt hervor, dass sich eine nachhaltige Familienpolitik durch einen Mix aus Infrastrukturpolitik, vor allem den Ausbau der Kinderbetreuung, Zeitpolitik durch eine familienfreundliche Arbeitswelt und neu ausgesteuerte finanzielle Leistungen zur gezielten Unterstützung von Familien auszeichnet. Er bestätigt damit die Familienpolitik der Bundesregierung und die Strategien von Bundesministerin Renate Schmidt.

"Eine erfolgreiche Familienpolitik muss sich eng an den Werten und Vorstellungen der Menschen von ihrem Leben mit Kindern orientieren. Denn erst wenn Männer und Frauen das Gefühl haben, dass Kinder kein Nachteil in der eigenen Lebensplanung sind, entscheiden sie sich für Kinder. In den Ländern, in denen die Lebensvorstellungen von Frauen und Männer Teil der Familienpolitik sind, liegt die Geburtenrate höher und sind Beruf und Familie leichter vereinbar. Wir sind auf dem besten Weg dahin, dass Deutschland zum familienfreundlichsten Länder Europas wird", betonte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt.

Das Gutachten verdeutlicht durch Modellszenarien, dass eine Familienpolitik, die sich auf nur eine Maßnahme konzentriert, sehr geringe Effekte hervorruft. Greifen hingegen mehrere Maßnahmen ineinander, die der Lebensvorstellung der Menschen entsprechen, trägt dies dazu bei, dass sich Deutschland bei der Geburtenrate wieder dem europäischen Durchschnitt nähert und Beruf und Familie für die Menschen leichter vereinbar werden, wie dies mehrheitlich gewünscht wird. Prof. Dr. Bertram verweist ausdrücklich auf erfolgreiche Erfahrungen in Skandinavien und Westeuropa. "Ich unterstütze nachdrücklich die Einführung eines lohnbezogenen Elterngeldes, denn es erleichtert die Entscheidung für Kinder, gerade auch für mehrere Kinder", so Prof. Dr. Bertram.

Zentrale Ergebnisse des Gutachtens:

  • Veränderte Lebensumstände verändern den Kinderwunsch: Der Kinderwunsch ist keine statisch feststehende Größe. Er ist abhängig von individuellen Lebensumständen und Zukunftsvorstellungen. Eine nachhaltige Familienpolitik muss sowohl die Entscheidung für das erste Kind erleichtern als auch die Bedingungen für Mehrkindfamilien verbessern.
  • "Fragt die Frauen !" Junge Frauen stellen keine homogene Gruppe dar. Die Reaktionen der Frauen auf familienpolitische Maßnahmen fallen entsprechend ihrer Präferenzen unterschiedlich aus. 60 Prozent der jungen Frauen wünschen sich eine Vereinbarkeit der beiden Lebenswelten Familie und Beruf, ein Viertel ist ausschließlich berufsorientiert, 14 Prozent haushaltsorientiert. Die deutliche Mehrheit der befragten Mütter wünscht ein Modell, dass ihnen die Gestaltung der Erwerbstätigkeit auch in Abhängigkeit vom Lebensalter der Kinder ermöglicht, um auch die Bedürfnisse der Kinder in die Zeitstrukturen des Erwerbslebens mit einbauen zu können. Nachhaltige Familienpolitik muss so angelegt sein, dass sie die unterschiedlichen Lebensvorstellungen und Planungen zur Familiengründung und -erweiterung unterstützt.
  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: In den Ländern, in denen die Präferenzen und Lebensvorstellungen der betroffenen Frauen und Männer Teil der Familienpolitik geworden sind, sind auch die Inkompatibilitäten zwischen den beruflichen Anforderungen und den familiären Verpflichtungen geringer geworden. Voraussetzung dafür ist, die Entwicklung von Infrastrukturangeboten im Bereich frühkindlicher Förderung sowie eine neue Zeitpolitik. Das betrifft Unterstützung bei der Karriereplanung oder auch die Verbesserung der Kinderbetreuung, das kann die Flexibilisierung der Arbeitszeitorganisation sein oder Hilfe bei der Jobsuche für den Partner bei erwarteter Mobilität.
  • Elterngeld erleichtert Entscheidung für Kinder: Positive Effekte sind auch durch ein lohnabhängiges Elterngeld wie in Schweden zu erwarten. Denn in einem Modell des Elterngeldes als Lohnersatz wird deutlich, dass die Entscheidung, sich für eine bestimmte Zeit verantwortlich um das eigene Kind zu kümmern, aus gesellschaftlicher Sicht genauso wichtig ist wie der Beruf, der gerade ausgeübt wird.

Eine Familienpolitik, die die traditionelle Konfrontation von Geldtransfers zu Infrastruktur überwindet und als intelligente Mischung aus Zeitoptionen, entwickelten Infrastrukturangeboten und Geldleistungen gestaltet, verspricht die größten Aussichten auf Erfolg.


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