Freude über Abschaffung der Kategorisierung

Die heutige Bekanntgabe des Kultusministeriums, die umstrittene Kategorisierung des Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens in Grundschulzeugnissen nun endgültig abzuschaffen, hat im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) große Freude und Erleichterung ausgelöst.

20.05.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Wir haben jahrelang für eine sinnvolle Lösung gekämpft und sind hocherfreut, dass diese unpädagogische Maßnahme endlich vom Tisch und die Zeit der öffentlichen Spekulationen vorbei ist", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel.

"Der lang anhaltende und geschlossene Protest des BLLV trägt Früchte. Grundschullehrerinnen und -lehrer können nun die Zeit, die sie für die aufwändige Kategorisierung verwenden mussten, in die Unterrichtsvorbereitung fließen lassen. Heute ist ein guter Tag für Bayerns größte Lehrerorganisation."

Der BLLV hat stets auf eine klare Lösung gedrängt, die pädagogisch verantwortbar ist und Lehrerinnen und Lehrer von den erheblichen bürokratischen Zusatz-arbeiten entlastet. "Wir freuen uns, dass laut Kultusministerium ab dem Schuljahr 2008/09 die Bewertung auf die Bereiche Sozial-, Lern- und Arbeitsverhalten zu reduzieren ist. Entfallen wird die Kategorisierung A, B, C und D. Auch die zuletzt geplante Bewertung durch Ziffernnoten sowie die aufwändige Dokumentationspflicht entfallen. Vorgesehen ist stattdessen eine knappe verbale Beschreibung des Sozial-, Lern- und Arbeitsverhaltens.

Wenzel betonte, dass der BLLV die Regelung, das Verhalten von Grundschulkindern mit den indirekten Noten A bis D zu bewerten, stets rigoros abgelehnt hatte. Er bezeichnete die heute offiziell vollzogene Abschaffung als Erfolg in der langen Geschichte des Widerstands gegen die Kategorisierung. "Die Qualität von Schule lässt sich nicht durch bürokratische Maßnahmen verbessern", betonte er. Die Kategorisierung hat die pädagogische Arbeit an den Schulen nicht gestärkt, "vielmehr ging wertvolle Arbeitskraft verloren, die Beziehung zwischen Lehrern, Schülern und Eltern wurde unnötig belastet. Gut funktionierende Verwaltung ist in jeder Schule wichtig, dennoch dürfen wir nicht der Illusion verfallen, Statistik und Bürokratie könnten Pädagogik ersetzen." Schule lebt von der lebendigen Beziehung zwischen Schülern und Lehrern. "Deshalb muss alles dafür getan werden, diese Beziehung zu stärken - und nicht die Kontrolle."

Chronik der Ereignisse:

• Der BLLV-Landesausschuss hatte sich bereits im April 2004 gegen die Kategorisierung ausgesprochen. Das Argument: Sie führt zu unnötiger Bürokratisierung und Mehrarbeit, zu pädagogisch fragwürdigen Auswir-kungen auf die Schüler und zu belastenden Konflikten mit Eltern. Von den Einwänden des BLLV unbeeindruckt initiierte die damalige Kultusministe-rin Monika Hohlmeier einen Modellversuch an 36 Grundschulen im Schuljahr 2004/05. Die ersten Zwischenergebnisse bestätigten die Befürchtungen des BLLV. Doch noch bevor die Erprobungsphase abgeschlossen war, führte das Bayerische Kabinett die Kategorisierung zum Schuljahr 2005/06 ein.

• Der BLLV protestierte und forderte die Fortsetzung des Schulversuchs mit anschließender Auswertung. Im Oktober 2005 verlangte der BLLV in einer Resolution den "sofortigen Stopp der Kategorisierung." "Das Verfahren ist in unseren Augen pädagogisch diskriminierend, empirisch nicht haltbar und rechtlich fragwürdig", heißt es darin. Der Unmut an den Grundschulen wuchs, vor allem, weil den aufwändigen Diagnosen keine pädagogischen Hilfen folgten.

• Am 21. Dezember 2005 war die Enttäuschung groß: Das Bayerische Kabinett hielt an der Kategorisierung fest, obwohl der Protest immer lauter wurde und es erhebliche Mängel an den Hilfsmaterialien für Lehrer/innen gab.

• Anfang 2006 eskalierte die Situation: Die amtliche Computersoftware des Kultusministeriums zur Erstellung der Zeugnisse war fehlerhaft und untauglich. Bei der Zeugniserstellung kam es zu chaotischen Situationen. Das Ministerium bemühte sich um Schadensbegrenzung.

• Bei einer Befragung des BLLV im Februar 2006 kam es zu einem klaren Ergebnis: Von 4400 befragten Lehrerinnen und Lehrern lehnten 98 Prozent die Kategorisierung ab und wollten die Abschaffung.

• Neben vielen politischen Aktivitäten beschritt der BLLV auch den Rechtsweg. Durch den rechtlichen Einspruch des BLLV wurde die Regierung darauf aufmerksam, dass sie die Kategorisierung ohne Rechtsgrundlage im BayEUG eingeführt hatte.

• Trauriger Höhepunkt des Kampfes gegen eine pädagogisch widersinnige Pflicht: Der Bayerische Landtag schaffte im Juli 2006 nachträglich die Rechtsgrundlage für die Kategorisierung.


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