Frisst die Maus den Lehrer?

(bikl) Wenn 60% der Podiumsteilnehmer Frauen sind, liegen die Themen Erziehung und Bildung in der Luft. So auch heute auf der Worlddidac in Basel, wo der Dachverband der Schulleiter/ -innenkonferenz der Gymnasien, Handelsmittel- und Diplommittelschulen Visionen zum "Lernen in der Zukunft" entwickelte.

28.10.2004 Artikel

Dass Lernen auch in der Zukunft weniger eine Frage der Technologien werde sondern eine Haltungsfrage des Lehrenden bleibe, darüber konnten sich die Referenten schliesslich verständigen.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Vornweg die ausgewiesene Praktikerin in der Runde, Susan Tognina, Prorektorin der Kantonschule Zürich Birch, plädierte für den Einsatz innovativer Medien in der Schule. Hätte doch zuletzt der Umzug ihrer Schule in ein neues Gebäude einen kompletten Unterrichtsausfall für zwei Wochen bedeutet, wenn sich die Schule nicht für den Einsatz von E-Learning engagiert hätte. Hier wurde aus der Not eine Tugend gemacht, die dank des niederschwelligen Einstiegs im Hinblick auf Komplexität und Kosten der Plattform von den Beteiligten sehr gut angenommen wurde.

So selbstverständlich wie Kugelschreiber

Neue Medien werde man über kurz oder lang genau so selbstverständlich einsetzen wie einen Kugelschreiber ergänzte der Philosoph Daniel Schulthess von der Université de Neuchâtel. Eine Herausforderung nannte Andrea Belliger vom Institut für Kommunikation und Kultur der Universität Luzern die, wie sie es nannte, "Strategie des Rückzugs auf tradierte Werte und das Prinzip der Langsamkeit", wie sie der Züricher Publizist Roger de Weck angeregt hatte. Er beschrieb einen diametralen Gegensatz zwischen der modernen Medien- und Lernwelt, dem er die versammelte Lehrerschaft ausgesetzt sehe. Die medialen Instrumente könnten eigentlich die Arbeit der Lehrenden erleichtern, de facto werde sie aber durch diese erschwert. Dank der Tatsache, dass es mehr Medien gebe als Stoff, der für mediale Verbreitung tauge, seien Schnelligkeit ("Echtzeit"), Ereignis oder Event, Effekt, Oberfläche, Personenkult und Verwischung der Kategorien tägliche Medienrealität geworden.

Powerpointisierte Abbildung der Welt

Lernen, soweit es ihm als Nicht-Pädagogen bedeutungsvoll geblieben sei, verbinde er mit ganz anderen Stichwörtern wie Ursachen, Zusammenhänge, Vertiefung, Kritik, Diskurs und Kreativität, allesamt also einer gewissen Langsamkeit Tribut zollende Methoden. Die aber auch heute noch durch die bewährte Kulturtechnik des Lesens bedient werden könnten. Denn schliesslich könne nur Lesen Ordnung schaffen und die Hinwendung zum Buch dem allseits beklagten Mangel an Konzentrationsfähigkeit entgegen wirken. Die Ablenkungs- und Unterhaltungsgesellschaft begnüge sich mit einer powerpointisierten Abbildung der Welt, die in Wirklichkeit zum Inbegriff der aktuellen Unordnungen geworden sei, weil sie sich nicht mehr mit den Dingen selbst, sondern nur noch mit ihrer gefälligen Darstellung beschäftige.

Lehrer auch in Zukunft unersetzbar

Das, so ein Lehrer fragend aus dem Publikum, sei schliesslich sein Problem mit E-Learning: Wie bekomme ich Ordnung in das Lernen mit neuen Medien, denn seine Schüler würden nach klaren Strukturen verlangen. Hier, so fasste Cornelia Kazis von der Redaktion Bildungs- und Erziehungsfragen beim Schweizer Radio DRS die Meinungen des Podiums zusammen, bleibe die Person des Lehrers auch in Zukunft unersetzbar, denn er lege letztlich die Inhalte und Strukturen im E-Learning-Portal fest.

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Worlddidac


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