Schleswig-Holstein

Fünf Jahre G8

"Schule ist ein lernendes System, Politik auch. Ich will nicht gegen die Beteiligten Schulpolitik machen, sondern mit allen gemeinsam", sagte heute (18. Juni) Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud 'Wara' Wende nach einer Veranstaltung am Montagabend zum Thema 'Fünf Jahre G8', zu der sie im Rahmen des Bildungsdialogs eingeladen hatte.

18.06.2013 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

'Was läuft gut im achtjährigen gymnasialen Bildungsgang?', 'Was muss besser werden?' und vor allem 'Was wünschen sich die Beteiligten?' - diese Fragen wurden im Ministerium diskutiert. "Ich möchte wissen, was bereits gut läuft und wo es noch hakt", brachte die Bildungsministerin das Ziel des Treffens auf den Punkt.

Fünf Jahre nach Einführung von G8 berichteten Schüler und Schülerinnen, Schulleiter, Lehrkräfte und Elternvertreter aus ihrem Alltag. Im Fokus des Treffens standen dabei nicht Pro- und Kontra-Argumente für G8, sondern im Zentrum des Dialogs standen qualitative Fragen der Schulentwicklung: Wie ist gute Schule organisiert? Wann gelingt Unterricht? Was können Schulen voneinander lernen?

Dabei wurde deutlich, dass 'gute' Schule nicht davon abhängt, ob der Bildungsgang acht oder neun Jahre dauert, sondern ob die Lehrkräfte einer Schule sich als Team verstehen und ob die Eltern, Schüler und Schülerinnen in die Gestaltung des Schulalltags einbezogen werden. Als besonders wichtig wurde angesehen, dass der Schul- und Unterrichtsalltag geschickt rhythmisiert wird, d. h. dass 45-, 60- und 90-minütige Unterrichtseinheiten mit Entspannungs- und Regenerationsphasen kombiniert werden. Wichtig sei darüber hinaus, dass Unterrichtsinhalte fächerübergreifend miteinander vernetzt, die inhaltliche Stofffülle zugunsten von fachspezifischen Methodenkompetenzen reduziert und das eigenverantwortliche und selbsttätige Arbeiten der Schüler ausreichend Raum erhalte. Außerdem müsse Schule, wenn sie gelingen soll, mehr bieten als schulischen Unterricht: Sport-, Musik- und Theaterangebote gehörten genauso dazu wie eine gute Schulmensa.

Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren sich einig, dass die den Gymnasien zusätzlich zur Verfügung gestellten 'Intensivierungsstunden' im Umfang von acht Stunden eine wichtige und sehr hilfreiche Maßnahme zur vertiefenden und individuellen Förderung der Schüler und Schülerinnen sei. Zudem war man sich einig, dass es wünschenswert wäre, die Zahl der vorgeschriebenen Leistungsnachweise und Klassenarbeiten zu flexibilisieren. Kontrovers diskutiert wurde, zu welchem Zeitpunkt sinnvollerweise mit der zweiten Fremdsprache zu beginnen sei.

Die Ministerin hob als besonders hervor, das Treffen habe deutlich gemacht, dass es vielen G8 Gymnasien gelungen sei, den schulorganisatorischen Umbau von G9 zu G8 zu nutzen, um sich produktiv mit Fragen der qualitativen Schulentwicklung zu beschäftigen. Interessant in diesem Zusammenhang sei, dass es nicht das 'eine' Modell einer 'guten' und 'erfolgreichen' Schule gebe, sondern viele, ganz unterschiedliche Varianten guter Schule. Wichtig sei, dass man sich nicht gegeneinander abschotte, sondern voneinander lerne. "Das ist schon deshalb wichtig", so die Ministerin, "weil in den vergangenen fünf Jahren die qualitative Schulentwicklung nicht von allen G8 Gymnasien gleich engagiert angepackt wurde, mit dem Effekt, dass es große qualitative Differenzen der Umsetzung von G8 gibt."

Besonderen Wert legte die Ministerin auch auf die Meinung der Schülerinnen und Schüler, die mehrheitlich betonten, dass G8 - wenn es gut umgesetzt sei - von ihnen nicht als Belastung empfunden werde, ihnen keineswegs die Freizeit oder die Freizeitaktivitäten raube. Wenn man heute weniger Zeit für Sport- und Musik-Vereine habe, dann sei das weniger auf G8, sondern auch auf die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken zurückzuführen, so einer der Schülervertreter.


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