Nach den ersten 100 Tagen

Für Bildungsministerin Britta Ernst steht die Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht an erster Stelle

"Schleswig-Holsteins Schulen haben viel Gutes zu bieten. Eltern und Schülerinnen und Schüler finden ein leistungsfähiges und vielfältiges Schulsystem vor." Zu diesem Schluss kommt Britta Ernst nach den ersten 100 Tagen als Ministerin für Schule und Berufsbildung, in denen neben zahlreichen Schulbesuchen auch viele Gespräche mit den unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren aus dem Bildungsbereich auf der Tagesordnung standen. Heute (15. Dezember) stellte Ernst ihre Arbeitsschwerpunkte für den Rest der Legislaturperiode vor.

15.12.2014 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

"Bildung ist und bleibt ein Schwerpunkt dieser Landesregierung", sagte sie weiter. Bildung sei das Fundament für eine demokratische und sozial gerechte Gesellschaft. Deshalb sei es eine der vornehmsten Aufgaben von Politik, den freien Zugang zu Bildung und die Durchlässigkeit im System zu gewährleisten. "Mit der Etablierung des zweigliedrigen Schulsystems aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen hat Schleswig-Holstein dafür eine gute Grundlage geschaffen", sagte sie. Auf der Basis des neuen Schulgesetzes und des Lehrkräftebildungsgesetzes habe man die Chance, die Diskussionen um die Schulstruktur endlich zu beenden. "Ich möchte stattdessen die Qualitätsverbesserung in den Mittelpunkt meiner Arbeit stellen", sagte Ernst.

Sie hob die Anstrengungen der Landesregierung für eine gute Unterrichtsversorgung hervor: So blieben bis zum Ende der Wahlperiode insgesamt 1.480 Stellen mehr in den Schulen als von der Vorgängerregierung geplant. Das Land nutze nicht nur die BAFöG-Millionen für die dauerhafte Finanzierung von 728 Lehrerstellen, sondern gebe zudem ab 2015 jährlich 13,2 Millionen Euro für schulische Assistenzstellen und erhöhe im kommenden Jahr den Vertretungsfonds um 4,45 Millionen Euro auf rund 16,5 Millionen Euro. "Die Weichen sind gestellt, nun geht es um die Akzentuierung." Für die kommenden Jahre nannte sie folgende Schwerpunkte:

1. Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht

"Wie verbessern wir den Unterricht? Das ist eine Kernfrage der Schulpolitik", sagte Ernst. Guter Unterricht basiere auf drei Säulen: Länderübergreifenden Standards und länderspezifischen Fachanforderungen einerseits und deren Umsetzung in den Schulen andererseits und drittens die Überprüfung der schulischen Arbeit. Dafür gebe es zwar schulinterne Instrumente, so Ernst. "Was in Schleswig-Holstein jedoch fehlt, ist eine externe Evaluation." Derzeit sei Schleswig-Holstein das einzige Bundesland, in dem keine Evaluation der Schulen mehr stattfinde, nachdem das alte Verfahren EVIT 2009 abgeschafft worden ist. "Doch es gibt eindeutig den Bedarf, denn externe Evaluation ist ein wertvolles Unterstützungsinstrument für schulische Arbeit. Deshalb werden wir den Schulen noch in dieser Wahlperiode wieder ein Angebot machen zur externen Evaluierung auf freiwilliger Basis", so die Ministerin.

Zurzeit werde in enger Absprache mit Schulleitungen und dem Institut für Qualitätssicherung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) an einem Modell gearbeitet. "Wir wollen die Fehler des ersten Systems vermeiden", sagte Ernst. So werde der Focus mehr auf dem Unterricht und dem Lernen der Schülerinnen und Schüler liegen. Auf jeden Fall werde der Aufwand für die Dokumentation der externen Evaluation reduziert und die Rückmeldungen und Unterstützungssysteme im Anschluss sollen verbessert werden.

Was für die einzelne Schule gelte, sei auch für die Schullandschaft insgesamt richtig, so die Ministerin weiter. Für die Bewertung und Diskussion über die richtige Bildungspolitik werde eine Grundlage benötigt. Deshalb werde in Zukunft alle zwei Jahre ein Bildungsbericht vorgelegt, der Entwicklungen und Probleme dokumentieren soll. Der erste Bericht soll 2016 veröffentlicht werden.

2. Berufliche Bildung

Ministerin Ernst bezeichnete es als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben, für die berufliche Bildung zu werben. "Im Rahmen der Fachkräfteinitiative startet die Landesregierung unter anderem eine Kampagne für die duale Ausbildung. Das ist nicht nur mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel wichtig, sondern es ist auch ein Beitrag zur Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung."

Genauso wichtig sei es, den Übergang von der Schule in den Beruf noch zielgerichteter zu gestalten. Nach Angaben von Ministerin Ernst befinden sich zurzeit mehrere tausend junger Menschen im Übergangssystem - das heißt, sie haben nach dem Verlassen der allgemein bildenden Schule keine Ausbildung begonnen, sondern absolvieren ein Weiterqualifizierungsangebot einer beruflichen Schule. "Diese Zahl ist deutlich zu hoch. Mein Ziel ist es, mittelfristig möglichst viele Jugendliche nach der allgemein bildenden Schule direkt in eine Ausbildung zu bekommen", sagte die Ministerin.

Bereits jetzt gibt es vor Ort zahlreiche Kooperationen der regionalen Akteure, die dieses Ziel mit großer Energie verfolgen.

Ein erfolgreicher Weg, mehr Jugendliche schnell in eine duale Berufsausbildung zu vermitteln, seien Jugendberufsagenturen. Diese Agenturen könnten zentrale Anlaufstelle für junge Menschen unter 25 Jahren sein - ob für die Beratung bei der Berufswahl, bei der Vermittlung eines Ausbildungsplatzes oder bei der Bewältigung schulischer Probleme. "So erhalten die jungen Menschen an der entscheidenden Schnittstelle zwischen Schule und Beruf die Unterstützung aus einer Hand, die sie brauchen, um schnell und sicher auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Fuß zu fassen", sagte die Ministerin. Sie werde Anfang des Jahres ein erstes Konzept zur Diskussion stellen.

3. Inklusion

"Das Thema ,Inklusion in der Schule' hat in Schleswig-Holstein eine lange und gute Tradition", so Ernst weiter. Heute gehe es nicht mehr um die Steigerung der Quote, sondern um die schrittweise Verbesserung der Qualität. Dafür unternehme das Land große Anstrengungen. Es übernehme ab 2015 den Bundesanteil für die Kosten der Schulsozialarbeit und stelle insgesamt jährlich 17,8 Millionen Euro dafür zur Verfügung. Außerdem werden die Stellen für die Schulpsychologen verdoppelt und für schulische Assistenzkräfte an Grundschulen 13,2 Millionen bereitgestellt. "Und wir werden die Arbeit der Förderzentren unterstützen. Für das kommende Schuljahr sind derzeit 50 Stellen vorgesehen", erklärte die Ministerin weiter.

Die Umsetzung des Inklusionskonzeptes werde durch Bildungsdialoge begleitet, auch der Runde Tisch zur Inklusion werde Anfang des Jahres wieder einberufen.

4. Lernen in einer digitalen Gesellschaft

"Zu einer modernen Bildung gehört heute das digitale Lernen. Wir müssen Kinder und Jugendliche für das Leben in einer digitalen Welt vorbereiten und ausbilden", erläuterte Ernst. Ziel sei es, dass alle an der Wissensgesellschaft teilhaben und digital selbstständig arbeiten könnten. Voraussetzung dafür sei es, den Umgang mit digitalen Medien frühzeitig zu lernen und sie selbstverständlich anzuwenden.

"Die digitalen Techniken eröffnen auch den Lehrkräften und den Schulen neue Möglichkeiten des Austausches", sagte die Ministerin weiter. Ein Beispiel dafür sei die Kommunikationsplattform SchulCommSy, die seit einiger Zeit bereits von einigen Schulen erprobt wird und die ab 2015 in aller Breite in die Testphase gehen soll. In virtuellen Lehrerzimmern können dann die Lehrkräfte zum Beispiel Unterrichtsmaterialien austauschen oder fächerübergreifenden Unterricht planen. Das Bildungsministerium wird für 2015 die Kosten übernehmen.

Schon jetzt sind viele Schulen im Bereich des digitalen Lernens sehr aktiv. Das Bildungsministerium wird diesen Schulen die Möglichkeit geben, ihre Initiativen zu präsentieren und sie bei einem Erfahrungsaustausch unterstützen.

Mit insgesamt 200.000 Euro werde das Bildungsministerium Modellprojekte einzelner Schulen unterstützen. Es werden sich Schulen aller Schularten mit unterschiedlichen Konzepten bewerben können. Ab Herbst 2015 sollen diese Schulen mit einem Volumen zwischen 10.000 und 30.000 Euro unterstützt werden und können dann ein Jahr lang unterschiedliche Aspekte des digitalen Lernens erproben und weiterentwickeln. "Diese Schulen bilden die Keimzelle für ein Netzwerk der ,Modellschulen Digitales Lernen'", sagte Ministerin Ernst. Von ihnen sollen später alle Schulen lernen und profitieren.

Bei den Bewerbungsentscheidungen werde die Jury darauf achten, dass nicht nur Leuchttürme kurz aufleuchteten, sondern dass nachhaltige und auf Jahre angelegte digitale Erfolge angestrebt seien, sagte Ernst: "Bei den Modellschulen geht es darum, dass sie nicht allein mit einer Jahrgangs-Initiative oder dem besonderen Einsatz einer Lehrkraft überzeugen wollen, sondern dass die gesamt Schule nachhaltig digital denkt."


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