Geplante Schuldatenbank immer mehr unter Beschuss

(redaktion) Die vom Magazin FOCUS geplante Schuldatenbank gerät immer mehr in die Kritik. Nachdem sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gegen eine Teilnahme an der Erhebung ausgesprochen hatte, haben sich nun auch Eltern zu Wort gemeldet und erklärt, dass sie kein "Schulrating" wünschen.

05.05.2008 Artikel

Sie betrachteten die Errichtung einer Schuldatenbank mit Sorge, erklären die Vorsitzenden der Elternvereinigung an den Gymnasien und Realschulen der Orden und anderer freier katholischer Schulträger in Bayern (EVO) sowie des Landeselternverbands Bayerischer Realschulen e.V. (LEV-RS) in einem Schreiben an das Magazin FOCUS-SCHULE.

Das Magazin der Burda Verlagsgruppe hatte unter Fristsetzung gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bundeselternrats die Elternvertretungen der Schulen um Mitarbeit bei der Erstellung der Datenbank gebeten.

Elternblick in Klassenraum, Mensa und Toilette

Unter anderem sollten die Eltern die sanitäre Situation ihrer Schulen beleuchten und überprüfen, ob es immer Toilettenpapier, Seife und Handtücher gibt. Weiter wurde die Benotung der Essensangebote erwünscht und gefragt, ob das Trinken im Unterricht erlaubt wird. Außerdem sollten die Eltern das Engagement der Lehrer beurteilen und erklären, wie oft Mobbing stattfindet oder wie oft Schüler von Lehrern unangemessen oder diskriminierend behandelt werden.

Notendurchschnitt von drei Jahrgängen

Auch die Schulleitungen wurden angeschrieben, unter anderem mit der Bitte um Auskunft über Qualität der Schulverpflegung, der Schulgebäude und auch des Unterrichts. Zur Sicherheitslage in der Schule wollte das Magazin etwa wissen, ob man sich ausweisen muss, um in das Schulgebäude zu kommen. Schließlich sollten die Schulen auch Durchschnittsnoten der Abschlussprüfungen der vergangenen drei Jahre sowie der Leistungsvergleiche in Deutsch, Mathematik und Englisch bekannt geben.

Daten ja - Ranking nein?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte bereits im April Schulen und Eltern bundesweit aufgerufen, die Fragebögen nicht zu beantworten. "Eine bundesweite Schuldatenbank gehört nicht in die Zuständigkeit eines kommerziellen Polit-Magazins", hatte die stellvertretende GEW-Vorsitzende und Schulexpertin Marianne Demmer erklärt und wurde umgehend von einer Rechtsanwaltskanzlei aufgefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben, nach der sie das FOCUS-Vorhaben nicht mehr in Verbindung zu Rankings bringen werde. Ein Ansinnen, das die GEW sogleich zurückgewiesen hatte.

"Der BundesElternRat und FOCUS-SCHULE führen eine Umfrage durch"

Aber nicht nur an den Fragebögen selbst entzündet sich die Kritik. Hinterfragt wird auch das Verhalten des Bundeselternratsvorsitzenden Dieter Dornbusch von den bayerischen Elternvertretern und vom schleswig-holtsteinischen Landeselternbeirat für Gesamtschulen (LEB-SH). Die Fragebogenaktion, so LEB-SH-Vorsitzender Klaus-Dieter Harder, sei nicht mit den Mitgliedern abgestimmt worden. Auch die bayerische EVO-Vorsitzende Monika Endraß und die LEV-RS-Vorsitzende Ingrid Ritt betonen in einem offenen Schreiben an das Magazin FOCUS Schule, dass dem Bundeselternrat jedenfalls das Mandat fehle, für die Eltern bayerischer Gymnasien und Realschulen zu sprechen und insbesondere Elternvertreter zur Datenweitergabe aufzufordern.

Heute hat nun auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hamburg, Klaus Bullan, Schulleitungen und Personalräte dazu aufgefordert, die Umfrage zu boykottieren: "Qualität von Schule lässt sich nicht so schlicht in Tabellen pressen, wie es das Magazin seinen Leserinnen und Lesern weismachen will. Bevor mit den Informationen Schindluder getrieben werden kann, müssen wir deshalb dem Datenstaubsauger den Saft abdrehen", erklärte er.


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