GEW: "Absichtliche Fehlinterpretation der Schulministerin"
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wirft Schulministerin Sommer eine absichtliche Fehlinterpretation der Abbrecherquote in der gymnasialen Oberstufe der Gesamtschulen vor und fordert die Ministerin auf, die Diffamierung der Gesamtschulen in NRW einzustellen. Zugleich fordert die GEW Sommer auf, die vollständigen Daten der statistischen Auswertung des Schulministeriums zu veröffentlichen. Die Gewerkschaft hat die Schulforscherin der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Gabriele Bellenberg, um eine kurze Expertise geben, die belegt, dass Schulministerin Sommer auf unseriöse Art mit statistischen Analysen ihres eigenen Ministeriums umgeht.
03.04.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung GEW Nordrhein-WestfalenAuf dieser Basis kritisierte GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber massiv das Vorgehen der Schulministerin: "Mit Zahlentricks versucht Frau Sommer, die Leistungen der 210 Gesamtschulen in NRW abzuwerten." Nachdem die Abiturienten an Gesamtschulen beim ersten Zentralabitur im letzten Jahr ähnlich gut abgeschnitten hätten wie die an den Gymnasien, greife man in diesem Jahr zu Beginn der Prüfungsphase zu höchst fragwürdigen Mitteln der Datenauswertung.
"Beispielsweise werden die Schülerzahlen des Jahrgangs 11 im Jahr 2004 mit den Zahlen der Abiturienten im Jahr 2007 verglichen. Die Differenz wird diffamierend als "Abbrecherquote" dargestellt", wirft Meyer-Lauber der Schulministerin vor. Dabei bleibe unberücksichtigt, wie viele Schülerinnen und Schüler mit der Fachhochschulreife entlassen worden seien und wie viele Schülerinnen und Schüler vielleicht noch ein Jahr mehr "im System" benötigten, um schulische Defizite auszugleichen. "Dass an den Gesamtschulen der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund weit höher ist als an den Gymnasien, sei nur am Rande erwähnt", ergänzt Meyer-Lauber.
An die Adresse des Schulministeriums gerichtet erklärte der GEW-Vorsitzende abschließend: "Ohne die Gesamtschulen hätten im Jahr 2007 8.771 Schülerinnen und Schüler weniger die Allgemeine Hochschulreife erhalten. Die Ministerin soll jetzt alle Zahlen zum Thema Bildungserfolg und -misserfolg auf den Tisch legen."
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