GEW: "Befristet in Teilzeit - schlechte Perspektiven für Erzieherinnen-Nachwuchs"

Die GEW hat heute in Berlin das Ergebnis einer bundesweiten Erzieherinnenbefragung zur Situation in den Kita`s vorgestellt -(Vgl. PM: Bildungsgewerkschaft stellt Studie "Wie geht's im Job?" vor - Gute Arbeit trotz wenig Geld). "Die Ergebnisse dieser Studie können in Thüringen auch auf den Grundschulhort übertragen werden." sagte der Landesvorsitzende der GEW Thüringen Jürgen Röhreich mit Blick auf die aktuelle Situation in den Grundschulhorten.

09.10.2007 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

"In Gesprächen und Diskussionen bringen auch Horterzieherinnen immer wieder die Liebe zu ihrem Beruf und die Liebe zu den Kindern zu Ausdruck. Allerdings ist die aktuelle Entwicklung der Rahmenbedingungen in Thüringen katastrophal", so Röhreich weiter.

Notwendige Neueinstellungen werden nicht vorgenommen

Nach der Ankündigung des Ministerpräsidenten, die Verantwortung für die Grundschulhorte den Kommunen zu übertragen, hat die Landesregierung die Horte offenbar abgeschrieben. Trotz steigender Schülerzahlen im Hort und daraus resultierendem Mehrbedarf an Erzieherinnen wurden über 200 Fristverträge von Erzieherinnen zu Beginn dieses Schuljahres nicht entfristet. Die Verwaltungsvorschrift zur Organisation des Schuljahres sieht Gruppenstärken im Hort zwischen 15 und 20 Kindern vor. Die Bereitstellung von mehr Personal wird vom Kultusministerium aber erst bei mehr als 25 Kindern in der Gruppe genehmigt. Da das Land die Erzieherinnen an die Landkreise bzw. kreisfreien Städte "ausleihen" will, wenn diese die Grundschulhorte übernehmen, werden notwendige Neueinstellungen nicht vorgenommen. Das bleibt den neuen Trägern der Horte vorbehalten.

Wie man hört, sollen diese ja dann auch nicht ausgebildete Personen oder ältere Schüler imHort beschäftigen dürfen. Letzter Versuch, den tatsächlichen Bedarf künstlich herunter zu rechnen, war die minutengenaue Erfassung der Anwesenheit von Hortkindern. Trotz oder wegen dieser Maßnahmen sind Gruppengrößen von über 20 Kindern die Regel, in vielen Grundschulhorten liegen sie weit darüber. Im Wartburgkreis z.B. liegt die Gruppengröße an 26 von 41 Grundschulen bei über 20 Kinder pro Gruppe, in Jena ist das bei 10 von 12 Horten der Fall, in 6 Jenaer Horten liegt die Gruppenstärke bei 25 und darüber. Im Schulamtsbereich Weimar werden gar Werte von 28 bis 33 Kindern pro Gruppe erreicht.

"Hier ist dringender Handlungsbedarf, wenn die Bildungseinrichtung "Thüringer Grundschulhort" nicht kaputt gespart werden soll. Das Kultusministerium und die Schulämter haben eine gesetzliche Verpflichtung, die Grundschulhorte bedarfsgerecht mit ausgebildeten Erzieherinnen zu versorgen. Die Heraufsetzung von Beschäftigungsumfängen (die überwiegende Zahl der Horterzieherinnen ist im Floating aktuell zu 65% beschäftigt) muss genauso geprüft und vollzogen werden, wie die Einstellung von Erzieherinnen," so Jürgen Röhreich.

Offenbar gestaltet sich die Neueinstellung von Erzieherinnen aber nicht so einfach. Wegen der beabsichtigten Abschiebung des Hortes bietet das TKM nur befristete Verträge für ein Jahr zu max. 50% Beschäftigungsumfang an. Für junge, neu ausgebildete Erzieherinnen sind das 816,- EUR Brutto im Monat. Von einer Perspektive, im Freistaat zu bleiben, kann man da wohl kaum reden.

Fazit aus der bundesweiten GEW-STUDIE

Die zentralen Aussagen von Erzieherinnen, die sich an der bundesweiten Befragung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beteiligt haben, lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:

  • Erzieherinnen und Erzieher haben einen schönen Beruf, mit dem sie sich identifizieren, den sie gerne ausüben. Die Kolleginnen unterstützen sich gegenseitig, tauschen sich aus und entwickeln die Qualität ihrer Arbeit gemeinsam weiter.
  • Getrübt wird diese Zufriedenheit durch die mangelhaften Arbeitsbedingungen, die die Arbeitgeber bieten: schlechte Bezahlung, kaum Aufstiegsmöglichkeiten, Personalnot und Zeitdruck.
  • Erzieherinnen erwarten von der Gesellschaft mehr Anerkennung.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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