GEW fordert Sofortprogramm für den Lehrkräftenachwuchs in Sachsen-Anhalt!
Um nach den Ende des derzeitigen Lehrertarifvertrages ab 2012 die Unterrichtsversorgung an den Schulen Sachsen-Anhalts weiter aufrecht erhalten zu können, müssen spätestens ab diesem Zeitpunkt alle Lehrerinnen und Lehrer, die dann aus dem Schuldienst ausscheiden, vollständig ersetzt werden. "Dies sind jährlich bis zu 800 Lehrkräfte, die allerdings weit und breit nicht zu bekommen sind, wenn wir sie nicht im eigenen Lande selbst ausbilden", zieht der GEW-Landesvorsitzende, Thomas Lippmann, die Konsequenz aus dem inzwischen entbrannten Kampf der Bundesländer um den bundesweit zu geringen Lehrernachwuchs. "Werbekampagnen wie der von Baden-Württemberg kann man nicht mit Jammern und Klagen sondern nur mit eigenem entschlossenen Handeln begegnen.", bewertet Lippmann das bisher hilflose Agieren der Landesregierung beim Thema Lehrernachwuchs.
24.03.2009 Pressemeldung GEW Sachsen-AnhaltEr fordert die Regierungskoalition in Magdeburg auf, unverzüglich Vorsorge zu treffen, damit nicht in wenigen Jahren die Kinder vor verschlossenen Schultüren stehen. Allerdings sei es schon nicht mehr "Fünf vor Zwölf", sondern mindestens schon "Zehn nach Zwölf", weil notwendige Weichenstellungen in den zurückliegenden Jahren verdrängt und verschleppt wurden. "Es müssen noch in den diesjährigen Haushaltsberatungen Entscheidungen für eine schnelle und deutliche Ausweitung von Ausbildung und Einstellung junger Lehrerinnen und Lehrer getroffen werden, um zumindest Schadensbegrenzung zu betreiben", appelliert Lippmann an Ministerpräsident Böhmer, Finanzminister Bullerjahn und Kultusminister Olbertz.
Für dieses Frühjahr haben sich ca. 600 Lehramtsstudierende zur Ersten Staatsprüfung angemeldet, es stünden aber nur 170 Referendariatsstellen zur Verfügung, auf denen die Ausbildung in der zweiten Phase abgeschlossen werden könne. "Dies ist abenteuerlich und verantwortungslos. Niemand, der seinen politischen Verstand beieinander hat, kann mit Blick auf die vor uns liegenden Problem heute noch so handeln. Wir können es uns nicht mehr leisten, in einem solchen Umfang auf Kosten unseres Landes Lehrkräfte für die westlichen Bundesländer auszubilden", sagte Lippmann.
Auch die rund 160 neu ausgebildeten Lehrkräfte, die in diesem Sommer ihre Zweite Staatsprüfung abschließen, müssten alle im Land gehalten werden. Die mit der Landesregierung vereinbarten 460 Neueinstellungen bis 2012 seien angesichts der drohenden Not nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Glaube, man könne sich die jungen Leute in drei, vier Jahren wieder nach Sachsen-Anhalt zurückholen, sei einfach nur naiv und realitätsfremd.
Die GEW erwarte von der Landesregierung ein Sofortprogramm für den Lehrernachwuchs, das sich im angekündigten Nachtragshaushalt wiederfinden müsse. Dazu gehörten die deutliche Aufstockung der Referendariatsplätze, eine Erweiterung des Einstellungskorridors und die Erhöhung der Studienplätze an den Universitäten des Landes. "Noch gibt es die Bereitschaft vieler junger Menschen, Lehrer zu werden. Die muss jetzt genutzt werden", sagte Lippmann.
Handlungsnotwendigkeiten im Nachtragshaushalt 2009 und im Doppelhaushalt 2010/11:
- Erweiterung des Einstellungskorridors ab 2009, um zumindest die in Sachsen-Anhalt derzeit ausgebildeten Lehrkräfte einstellen zu können.
- Erweiterung der Ausbildungskapazitäten in der 2. Phase der Lehrerausbildung auf 800 Plätze pro Ausbildungsjahr schrittweise aufsteigend ab 2009 beginnend mit 340 Plätzen (70 Grundschule, je 50 Sekundarschule, Förderschule, BbS, 120 Gymnasium).
- Erweiterung der Ausbildungskapazitäten in der 1. Phase der Lehrerausbildung auf 1.200 Studienplätze pro Anfangssemester bei Reaktivierung der Lehrerausbildung an der OvGU Magdeburg ab 2010 (Schwerpunkte Primar- und Förderbereich).
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