Nordrhein-Westfalen

GEW kritisiert Schulversuch "Abitur an Gymnasien nach 12 oder 13 Jahren": Festlegungen des Ministeriums gefährden den Konsens

Die GEW begrüßt das Bemühen der Landesregierung, mit der Bildungskonferenz einen breiten Konsens in der Schulpolitik zu erzielen, erwartet aber eine offene Debatte unter Einbeziehung der Betroffenen, bevor politische Entscheidungen gefällt werden. Die GEW bedauert, dass mit der Entscheidung für den Modellversuch "Abitur nach 12 oder 13 Jahren" Fakten geschaffen wurden, ohne den Konsens zu suchen. Die Bildungsgewerkschaft wertet das Modellvorhaben als untauglichen Versuch, die Probleme des Turbo-Abis ernsthaft lösen.

22.09.2010 Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen

Die GEW moniert die Eile des Ministeriums in der Abiturfrage. Empfehlungen der Schulexperten der GEW, in Ruhe ein neues Modell zu entwickeln, das die Wiederherstellung der 6-jährigen Sekundarstufe I sowie eine individuelle Schulzeitverkürzung mit 2 oder 3 Jahren Oberstufe ermöglichen soll, wurden, so GEW-Vize Schäfer, "in den Wind geschlagen". Der enge Zeitplan setze die Gymnasien, die gestern über eine Schulmail vom Modellvorhaben des Schulministeriums in Kenntnis gesetzt worden sind, nach Auffassung der GEW unnötig unter Zeitdruck.

"Während die Landesregierung auf der einen Seite mit der Gemeinschaftsschule einen Schritt zum längeren gemeinsamen Lernen tut, werden in diesem Schulversuch Turbo-Klassen ab Klasse 5 zu einer inneren Spaltung der Gymnasien führen." kritisierte heute Dorothea Schäfer, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW, das Modell paralleler Bildungsgänge G8 und G9 an einem Gymnasium. "Mit solchen Festlegungen im Vorfeld ist auf der Bildungskonferenz in dieser Frage kein Konsens bei zu erzielen."

Die GEW sieht bei der gymnasialen Schulzeitverkürzung als vordringlich an, den enormen Druck aus der Sekundarstufe I zu nehmen. Dies sei aber im Modellversuch nicht gegeben. "Individuelle Entwicklungen von Schülerinnen und Schülern sind spätestens ab Klasse 7 nicht mehr vorgesehen, da dann kein Wechsel zwischen den beiden Bildungsgängen mehr möglich ist."

Die Entscheidung zur Verkürzung der Gymnasialzeit solle sich an der Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler orientieren. Das sei mit einer sechsjährigen Sekundarstufe I besser gewährleistet. Außerdem, so Schäfer, könne die Abkopplung des Gymnasiums von den anderen Schulformen damit wieder aufgehoben werden.


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