Bremen

GEW und Schulleiter widersprechen Erfolgsmeldung der Senatorin

"Die Zahlen der Senatorin zum Schuljahresstart sind schöngerechnet." Diese Aussage äußerten einhellig Bremer Schulleitungsmitglieder auf der GEW-Schulleitungsberatung am 30. August. Es gibt real keine 99 Prozent Abdeckung bei der Stundenzuweisung. Grundlage der Rechnung der Senatorin ist der bereits gekürzte Bedarf. Beispielsweise wurden in der Grundschule die Sprachförderung und zusätzliche Stunden zum Ausgleich schwieriger sozialer Lagen (Sozialstrukturbedarf) gekürzt. Bei den zugewiesenen Stunden sind jetzt schon bekannte Ausfälle durch Schwangerschaften und Krankheiten nicht berücksichtigt worden. Die Schulen erhalten dafür Vertretungs-stunden in geringerem Umfang.

31.08.2012 Pressemeldung GEW Bremen

Um einen Stundenplan zu ermöglichen, werden Unterrichtsstunden und Förderangebote reduziert. In der gymnasialen Oberstufe besteht nach den Kürzungen der Stunden gerade noch ein Angebot auf dem untersten zulässigen Niveau, um das Abitur nach den Vorgaben der Kultusministerkonferenz anzuerkennen. Auch bei der Inklusion gibt es ernste Probleme: So berichteten mehrere Schulleiter, dass für einzelne behinderte Schülerinnen und Schüler ihre notwendigen persönlichen Assistenten im Stundenumfang reduziert worden sind.

"Die Schulen sind unterfinanziert. Dies hat die Senatorin bei der Schulleiterdienstversammlung am Mittwoch, 29.8. endlich eingeräumt", führte der GEW-Stadtverbandssprecher Arno Armgort aus. "Der Landesrechnungshof errechnet in seinem aktuellen Bericht einen Mehrbedarf im Bildungsetat von jährlich durchschnittlich zunächst 20 Millionen Euro, allein um die begonnenen Schulentwicklungsvorhaben wie die Inklusion umzusetzen. Eine Erhöhung um diese Summe wäre ein erster notwendiger Schritt, um die Unterfinanzierung der Schulen zu überwinden."

GEW und Schulleiter fordern die Senatorin auf, umgehend einen Zeit- und Kostenplan für die begonnene Schulentwicklung vorzulegen. Der Senat muss dafür sorgen, dass die angefangenen Vorhaben durch zusätzliche Mittel finanziell abgesichert werden.

"Die für das Schuljahr 2013/14 bereits angekündigte Streichung der jetzt besetzten 110 im Bildungsetat nicht vorgesehenen Stellen hätte katastrophale Auswirkungen und muss verhindert werden. Ebenfalls lehnt die GEW die geplante kurzfristige Gegenfinanzierung dieser Stellen ab", stellte Arno Armgort klar. Die dabei vorgesehene Kürzung der Plätze in der Ausbildung von Lehrern und Erziehern ist ein Schritt in die falsche Richtung. Dies wird dazu führen, dass dringend benötigtes Personal fehlt. Die geplante Reduzierung der Lehrerfortbildung und die Verschiebung der universitären Weiterbildung inklusive Pädagogik sind angesichts der Probleme bei der begonnenen Schulentwicklung unverantwortlich. Die zusätzliche Kürzung von Planstellen im Jahr 2013 zur Gegenfinanzierung der 110 Stellen verschärft angesichts des eingestandenen zusätzlichen Personalbedarfs die Personalnot. So wird für 2013 ein noch größeres Chaos als in diesem Jahr geplant.

Die GEW-Schulleiter fordern angesichts der derzeitigen Situation, auf die Umsetzung weiterer Schulentwicklungsmaßnahmen (Einführung weiterer Oberstufen und Ganztagsschulen) zu verzichten, solange dafür keine zusätzliche Finanzierung gesichert ist.

"Vor weiteren Vorhaben müssen zunächst die versprochenen und vorgeschriebenen Standards bei der Unterrichtsversorgung, der Schulentwicklung, der Inklusion und den Ganztagsschulen um-gesetzt werden. Auch die gegebene Zusage, den Schulleitungen mehr Zeit für ihre Leitungsaufgaben zuzuweisen, muss jetzt umgesetzt werden."

Ansprechpartner

GEW Bremen

Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden