Gleiche Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte

Nach dem Urteil des OVG Lüneburg fordert lehrer nrw eine Angleichung der wöchentlichen Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte. Der Verband wird nun den Rechtsweg einschlagen.

11.06.2015 Pressemeldung lehrer nrw

Das aufsehenerregende Urteil des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg zur Lehrerarbeitszeit wird auch für Nordrhein-Westfalen Signalwirkung haben. lehrer nrw bereitet derzeit ein Musterverfahren vor, um eine Angleichung der wöchentlichen Pflichtstundenzahl für alle Lehrkräfte an allen Schulformen zu erreichen. Das OVG Lüneburg hat die von der rot-grünen Landesregierung Niedersachsens zum 1. August 2014 verfügte Erhöhung der wöchentlichen Regelstundenzahl für Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Stunden gekippt. Das Gericht rügte die fehlende Transparenz der Entscheidung des niedersächsischen Kultusministeriums. Vor dem Erlass einer solchen Vorschrift hätte das Ministerium die tatsächliche Arbeitsbelastung der Lehrkräfte in einer empirischen Studie ermitteln müssen, heißt es in der Begründung des OVG Lüneburg.

In Nordrhein-Westfalen müssen Lehrkräfte an Grundschulen, Hauptschulen und Realschulen 28 Unterrichtsstunden pro Woche (je 45 Minuten) erteilen. An Sekundarschulen, Gesamtschulen und Gymnasien sind es hingegen nur 25,5 Unterrichtsstunden. Begründet wird das seitens der Politik seit Jahr und Tag damit, dass die außerunterrichtliche Arbeitszeit, die für Korrekturen sowie Vor- und Nachbereitung des Unterrichts anfällt, an Sekundarschulen, Gesamtschulen und Gymnasien höher anzusetzen sei. "Dies ist willkürlich und hat mit der Lebenswirklichkeit an den Schulen nichts zu tun. Es gibt zu dieser Festsetzung weder ein transparentes Verfahren noch eine empirische Grundlage. Insofern lassen sich die vom OVG Lüneburg angeführten Kritikpunkte eins zu eins auf Nordrhein-Westfalen übertragen", erklärt Brigitte Balbach, Vorsitzende des Verbandes lehrer nrw. "Es ist geradezu absurd, dass zum Beispiel Lehrkräfte an Hauptschulen und Realschulen 28 Wochenstunden unterrichten müssen, während Kollegen an Sekundarschulen nur 25,5 Wochenstunden erteilen. Sekundarschulen gehen in aller Regel aus Hauptschulen und/oder Realschulen hervor. Das heißt: Die Schülerschaft bleibt weitgehend gleich, das Lehrerkollegium meistens ebenfalls. Und nur weil ein anderer Name auf dem Gebäude steht, haben die Lehrkräfte plötzlich so viel mehr außerunterrichtliche Verpflichtungen? Das ist hanebüchen. Hier zeigt sich, dass Schulministerin Sylvia Löhrmann eine Schulform des längeren gemeinsamen Lernens gezielt protegiert, um Lehrkräfte mit besseren Arbeitsbedingungen und Eltern mit kleineren Klassengrößen zu ködern."

Balbach weiter: "lehrer nrw fordert seit Jahren die Gleichbehandlung aller Lehrkräfte an allen Schulformen. Doch die NRW-Landesregierung weigert sich beharrlich, dem nachzukommen und die Pflichtstundenzahl für die Kolleginnen und Kollegen an Grundschulen, Hauptschulen und Realschulen entsprechend zu senken. Daher werden wir nun den Rechtsweg beschreiten. Nach dem Urteil des OVG Lüneburg machen wir uns hinsichtlich der Erfolgsaussichten durchaus Hoffnung."

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