Baden-Württemberg

Grün-Rot: Bildungspolitik ab sofort am Stammtisch?

Die Bildungsgewerkschaft GEW rät Kultusminister Andreas Stoch nach seinen Äußerungen zur Verteilung der Entlastungsstunden, Betriebspraktika und der Lehrerfortbildung dringend zu mehreren Schulpraktika.

12.07.2013 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

"Offenbar weiß der Kultusminister noch zu wenig über den tatsächlichen Alltag in den Klassenzimmern. Das sind unsachliche und populistische Äußerungen auf Stammtischniveau und auf Kosten der Lehrerinnen und Lehrer. So verspielt der Kultusminister das große Vertrauen, dass seine Lehrkräfte nach seinem Amtsantritt in ihn gesetzt hatten. Ich bin sehr enttäuscht, denn ich hatte endlich auf ein klares Konzept für die Bildungspolitik der nächsten Jahre und sachliche Diskussionen gehofft", sagte am Freitag (12.07.) Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW weist darauf hin, dass der Kultusminister in seinen Äußerungen verschweigt, dass die Lehrerfortbildungen überwiegend außerhalb der Unterrichtszeiten stattfinden. "Seit Jahren erhalten die Lehrerinnen und Lehrer neue Aufgaben. Jetzt kürzt die Landesregierung die wenige Zeit, die sie für Aufgaben wie Schulentwicklung bekommen. Wenn selbst der zuständige Minister die Arbeitssituation und die Herausforderungen der pädagogischen Profis nicht sieht, ist das in höchstem Maße demotivierend. Er sollte seine Kraft besser darauf konzentrieren, dass die Landesregierung endlich ein Konzept vorlegt, welche der vielen versprochenen Bildungsreformen bis 2016 an unseren Schulen seriös umgesetzt werden können", sagte Moritz.

Die GEW hält die Klagen aus Handwerk und Mittelstand über fehlendes Verständnis für Wirtschaftsthemen nicht für gerechtfertigt. "Es gibt gerade an Gymnasien viele Projekte, in denen die Schulen eng mit Unternehmen kooperieren. Gleichzeitig haben alle allgemein bildenden Schulen der Auftrag, Allgemeinbildung zu vermitteln. Für die konkrete Einarbeitung im Beruf müssen auch die Arbeitgeber Verantwortung übernehmen", sagte Moritz.

Lehrer/innen haben in Baden-Württemberg eine 41-Stundenwoche und 30 Tage Jahresurlaub. Das ist eine Jahresarbeitszeit von 1.804 Stunden. Nur ein Teil dieser Zeit ist durch die jeweilige Unterrichtsverpflichtung definiert. Alle Arbeitszeitunter-suchungen, die von Arbeitgebern in Auftrag gegeben wurden, kamen zum Ergebnis, dass auch unter Einberechnung der unterrichtsfreien Zeit in den Ferien Lehrkräfte deutlich mehr arbeiten.

Weitere Informationen: www.gew-bw.de

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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